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Der Orient · 1843-08-29 · Heft 35 (29.8.1843) · p. Seite 277

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 35 (29.8.1843)
Article
Frankfurt a. M.: Jüd. Reformation ...
Date
1843-08-29
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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277 nur der völlig sinnlosen äußeren Gewalt nachgegeben wird, und wenn ich es dem Einzelnen durchaus nicht übel nehme, so kann ich nicht einsehen, wozu sich denn viele vereinen sollen, wenn sie nicht einmal ihre persönliche Freiheit mit vereinter Kraft gegen niedern auswärtigen Zwang schützen wollen." Mögen diese Mittheilungen hier vorläufig genügen, die Blicke der Leser auf diese merkwürdige Erscheinung im Judenthum zu lenken. Hamburg, 14. Aug. (WB. vom 6—13. Aug.) Sprechen wir diesmal zuerst von den neuesten literarischen Produktionen, so weit sie das Gebiet des Judenthums berühren. Eine genauere Analyse des Geleisteten möge theils Ihren Mitarbeitern am Literaturblatte, theils dem nächsten Jahresberichte Vorbehalten bleiben. — Die Bruno Bauer'sche Schrift setzt noch immer und wohl noch für lange Zeit viele Federn in Bewegung. Ich erinnere hier, um die chronologische Ordnung beizubehalten, an die Gegenschrift von Dr. Gustav Philippsohn, an die schon weit tiefer eingehenden Briefe des Dr. Samuel Hirsch (jetzt in Luxemburg) und an die im LB. des Orients enthaltene Kritik des H. Herrmann Jellinek über den Angreifer (B. Bauer) und den letztgenannten Vertheidiger des Judenthums. In die Zwischenzeit fällt auch noch ein (erster) Artikel gegen Bauer in dem neuesten Hefte der Geiger'schen Zeitschrift, von dem Redakteur selbst herrührend. — Dazu kommt der (erste) Rießer'sche Artikel in Dr. Karl Weil's konstitutionellen Jahrbüchern (Bd. II. S. 1 ff.) — einer censursreien Publikation, zu der diesmal außer Dr. Gabr. Rieffec noch 3 Juden, Berthold Auerbach, Dr. H. B. Oppenheim in Heideldelberg und der Herausgeber, Dr. Karl Weil, selbst gehaltvolle Beitrage geliefert haben. — Aber auch Bruno Bauer hat, ohne einem feiner Gegner direkt zu antworten, eine weitere Ausführung seines Themas und seiner Ansicht versucht. Sin findet sich in den„Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz, herausg. von Herwegh" und bildet einen seltsamen Kontrast zu der in demselben Buche und zwar in dem dasselbe eröffnenden Aufsatze, den Juden gezollten Anerkennung und Theilnahme. Außerdem hat B. Bauer auch schon anderweitig einen Anhänger gefunden, der sich von ihm ins Schlepptau nehmen und seine Pnvatmalice unter scheinbar wissenschaftlicher Hülle an den Mann bringen zu wollen scheint: wir reden von G Hill an y, dem Erfinder des jüd. Molochdienstes, der sich überredet, die Nationalität, den Ehristenhaß und den Absonderungsgeist der Juden unwiderleglich dargethan zu haben. Schade um die Mühe, die sich Hr. Ghlllany abermals (Die Judenfrage. Eine Beigabe zu B. Bauers Abhandlung über diesen Gegenstand von F. W. Ghillany. Nürnberg bei Schräg 1843. 47 S. 8.) gegeben, beklagenswerth der Verleger, der den Druck der Broschüre veranlaßt hat. Denn wir glauben nicht, daß der Letztere daraus größeren Profit ziehen wird, als aus der deutschen Ueberfthung der sog. Damastener Aktenstücke (die arabischen Aktenstücke über die Ermordung des P. Thomas und seines Dieners in Damaskus. In das Deutsche übersetzt nach der wörtlichen Übertragung im l'Univers von %. von Morell, das. 1843. 64 S. 8.), welche ebenfalls in der Geburtsstadt des Tandes das Licht der Welt erblickt haben. Man sieht, baiec'sche Buchhändler lassen es sich wieder angelegen sein, uns zu bekehren; gut, wie wollen es uns gefallen lassen, doch mit der Bedingung, daß wenn man uns denn einmal durchaus apostolisch zu werden zwingt, es uns erlaubt sei, die Rolle des Thomas zu spielen. ■— Daß auch Edgar Bauer in seinen beiden Heften über den ostpreußischen und den badischen Liberalismus die Juden bei den Haaren hecbeiziehen und im Sinne seines Bruders und Vorbildes diktatorisch über ihre Unfähigkeit zur Freiheit entschieden werde, ließ sich von seiner brüderlichen Liebe (die christliche und die menschliche hält auch er'sich vom Leibe) und seinem Eifer für die reine Negation erwarten. — Dem Vee.nehmen nach, befindet sich noch eine Gegenschrift gegen B. Bauer, die einen in der Polemik gewandten und seine Glaubensgenossen stets mit Energie vertheidigenden Theologen zum Verfasser hat, unter der Presse; sie wird sich von den vorhergehenden schon in der Form unterscheiden, indem sie dem Gegner Schritt für Schritt, mit Beibehaltung seiner Kapitelüberschriften, folgt. — Ob auch Karl Grün, der frühere Redakteur der Mannh. Abendzeitung, seinen Vorsatz, B. Bauer zu bekämpfen, ausführen wird, muß die nächste Folgezeit lehren. — Uebrigens ändert der philosophische Fanatismus der jüngeren Hegelianer (unter denen es indessen auch sehr achtbare Vertheidiger der Emancipation, wie L. Buhl, Karl Nauwerk, Dr. Meyer und Dr. Rutenberg, sämmtlich in Berlin, giebt) in der Hauptsache Nichts, am Wenigsten kann dadurch den Juden eine faktische Verschlimmerung ihrer Verhältnisse erwachsen, da diese excentrische Fraktion in Deutschland wenige Anhänger zahlt, die aus dem Jndifferentismus eine eigene Religion und eine wahre Gewissenssache zu machen fähig sind. Vielmehr liegt Alles an der klaren Auseinandersetzung der Rechtsfrage. Eben darum verweisen wir noch einmal auf die Sammlung von v. Rönne und Simon. Dann auf S t r e ckfu ß Retraktationsschrist (Ueber das Verhalmiß der Juden zu den christlichen Staaten. Zweite Schrift unser diesem Titel von Karl Streckfuß, Kön. Pr. Wirkl. Geh. Oberregierungsrathe a. D. (Berlin, Veit u. Eomp. -1843. 120 S. 8.) und besonders auf Dr. Will). Freund's „Zur Judenfrage in Deutschland (Heft 1. Juli 1843. Berlin, Veit und Comp.). Was Streckfuß anbelangt, so läßt sich der Urheber des Posener Judenkorporationsgesetzes vom 1. Juni 1833, in dem naivgutmüthigen Vertheidiger der völligen und sofortigen Emancipation vom Aug. 1843 kaum wiedererkennen. Die zehn dazwischen Liegenden

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