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Der Orient · 1843-08-15 · Heft 33 (15.8.1843) · p. Seite 261

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 33 (15.8.1843)
Article
Die neue jüdische Reform-Sekte
Date
1843-08-15
Page
Seite 261 (sequence 2)
Language
German
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261 tigte, so würde ich mich vor allen Dingen auch selbst in eig- , nem Namen öffentlich darüber ausgesprochen und nicht abgewartet haben, daß dieser und jener Schwätzer der Welt in allerlei Versionen eine Geschichte von mir zum Besten gebe. Ob jene Berechtigung im vorliegenden Fall vorhanden war, möge man nach dem folgenden Abriß der Thatsachen beurtheilem Im November v. I. theilte mir Herr Dr. Stern mit, daß zwischen ihm und anderen von mir hochgeschätzten Männern Besprechungen und Beschlußnahmen in Beziehung auf eine öffentliche Erklärung über ihr Verhältnis; zum Judentum stattgefunden hätten, und daß man schon auf dem Wege sei, sich über eine Fassung jener Erklärung zu verständigen. Da Hr. Dr. Stern mich zugleich um die Aeußerung meiner Meinung über das Beginnen ersuchte, so antwortete ich demselben ausführlich, indem ich mich mit dem Zu Grunde liegenden Streben in einigen Punkten einverstanden, in anderen abweichender Meinung erklärte, zugleich aber derjenigen Fassung, welche durch eine Mehrheit beschlossen war, auf's Nachdrücklichste widersprach. Den in diesem Schreiben entwickelten Ansichten wurde gegen Ende vorigen Jahrs von Seiten des Hrn. Dr. Stern eine ausführliche, sehr gründliche Entgegnung zu Lheil, die meine Meinung allerdings in einigen, aber nicht in wesentlichen Punkten schwankend gemacht hat. Mit Bezugnahme auf jene Widerlegung schrieb mir im Februar Hr. Dr. Lh. Creizenach über die Sache; auch dieses Schreiben, das u. A. einige Auszüge aus einem beabsichtigten Programm enthielt, trug dazu bei, meine dem Beginnen, so wie es sich mir dargestellt hatte, Anfangs sehr abgeneigte Ansicht in etwas zu mildern. Ich erwiderte, daß ich wohl einsähe, in einzelnen Punkten meine Einwendungen übertrieben zu haben, daß sich dagegen in anderen meine widerstreitende Ansicht noch klarer entwickelt habe. Da es mir aber an Zeit fehlte, mit der Gründlichkeit, welche die Sache erforderte, nochmals auf dieselbe einzugehen, so resumirte ich nur die Hauptmomente meines Widerspruchs, versprach aber eine weitere Ausführung nachzuliefern. Ich hoffte damals, daß ich die Zeit dazu in einigen Wochen finden würde, habe mich aber darin zu meinem Bedauern getäuscht und habe, durch mannigfache Arbeiten in 'Anspruch genommen, die beabsichtigte Erörterung immer noch nicht liefern können. Ich muß diesen an sich geringfügigen Umstand darum hervorheben, weil in ihm die Veranlassung dazu liegt, daß ich seit der Mitte des .Februar nicht ein Wort über den weiteren Verlauf der Sache gehört habe, ohne daß ich mich deshalb über irgend Jemanden beklagen könnte, indem ich es vielmehr mir selbst oder meinem Mangel an Muße zuzuschreiben habe, daß ich aus dem Zusammenhänge der Sache gänzlich herausgekommen bin. Aber welch' einen seltsamen Eindruck mußte es unter diesen Umständen auf mich machen, mich nach einer viermonatlichen Pause plötzlich in den Zeitungen als einen der Haupt-Beförderer eines Werkes bezeichnen zu sehen, dessen Fortgang mir gänzlich aus den'Augen gerückt, dessen genauere Motivirung mir nur in wenigen Auszügen bekannt war, und — was mehr als alles Andere in Betracht kommt — mit dem ich mich in einem entschiedenen, noch auf keine Weise gelösten Widerspruch befinde. Ich würde mir den Misgriff nicht erklären können, der darin liegt, den Namen eines in wesentlichen Punkten dissmtirenden — so ohne weiteres in eine Sache hineinzuziehen, wenn ich nicht die Ueberzeugung hätte, daß alle die Artikel in auswärtigen Zeitungen, in welchen Namen genannt werden, und in denen dieser Umstand noch nicht die größte der Verkehrheiten ist, nicht aus der -Quelle kommen, sondern dem gewöhnlichen, auf misverstandenem Hörensagen beruhenden Korrespondenz-Gewäsch angehören. Ich klage deshalb Niemanden an, da es nicht in der Macht einer guren Sache steht, zu verhindern, daß Thorheiten über sie gedruckt werden. Nur meine ich, daß eine jede ernste Sache um so sorgsamer darauf bedacht sein müsse, sobald sie sich einmal für die Oeffentlichkeit reif erachtet, auch in ihrer eignen, wahren, vollen Gestalt vor dieselbe zu treten und nicht Schwätzern freie Bahn zu lassen, die Sache, wie es mir leider in diesem Fall geschehen zu sein scheint, in den Augen des Publikums moralisch zu Grunde zu richten, noch ehe sie ein selbstständiges Lebenszeichen von sich gegeben hat. Das wäre nun eigentlich Alles, was ich in Betreff der unberufenen Einmischung meines Namens zu sagen hätte. Allein ich fühle nur zu gut, daß ich, wenn ich es dabei bewenden ließe, leicht noch größere Misverständnisse Hervorrufen könnte, als die sind, denen ich Vorbeugen wollte. Das ist eben der Fluch der Unwahrheit, daß man sich ihrer so schwer entledigen kann, und daß selbst der Widerspruch gegen dieselbe so leicht zu neuem Irrthum Anlaß giebr. Ich muß daher fortfahren, so widerwärtig es mir auch ist, auf ernste Fragen, wenn auch nur oberflächlich, bei einem so dürftigen Anlaß und gleichsam gezwungen eingehen zu müssen, und so gut ich auch einsehe, daß ich aneine vollständige Meinung in den Grenzen dieser Erklärurg nicht werde entwickeln können. Ich muß zuvörderst bemerklich machen, daß ich mit diesem meinem Widerspruch uur bezwecke, eine Lhatsache zu berichtigen und eine Unschicklichkeit zu rügen, oaß ich aber keinesweges damit ein Princlp bestreiten, und daß ich mich nicht im Entferntesten den verwerfenden Url heilen, welche jene Zeitungsberichte bereits hervorgerusen haben und gewiß noch in Menge Hervorrufen werden, anschließen will. Ich stehe mit meiner persönlichen Ueberzeugung auf der extr-emen Linie derjenigen Ansichten, die bei dieser Gelegenheit zur Sprache.gekommen sind und bin auf keine Weise gesonnen, irgend einen Punkt dieser Ueberzeugung zu opfern oder and; nur zweifelhaft zu lassen. Ich habe in meinen! oben erwähnten Schreiben unter den beiden Fassungen, von denen die Rede gewesen ist, der bei Weitem entschiedeneren, gegen die Beschneidung gerichteten, von der Mehrheit verworfenen den Vorzug vor den anderen gegeben. Daß ich solcher Ansicht bin, könnte Niemanden befremden, der meinen früheren Arbeiten eine

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