Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 32 (8.8.1843)
- Article
- Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
- Date
- 1843-08-08
- Page
- Spalte 499-500 (sequence 2)
- Language
- German
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499 Die Menschenopfer der alten Hebräer. Bon Ghillany. -— Briefe über eine Encyklopädie rc. 500 Gott Israels ein körverliches Wesen sei, welche Vorstellung der antropopathrschen Ansicht zu Grunde liegt; allein Herr G. schickt als einen unwiderleglichen Satz die antropopathische Ansicht vom Opfer voraus, woraus er sodann jene verworfene Vorstellung von der Körperlichkeit Gottes folgert. Wenn wir daher eine andere Vorstellung vom Zweck und Wesen des Opferkultus aufstellen, die dem Princip des Mosaiswus nicht entgegen und mit vielen Schriftstellern übereinstimmt, so wäre dem Vers, ein Hauptargument genommen, und er könnte, unserer unbeschadet, fortfahren in seinem Hypothesenrausch zu taumeln. Wir versuchen daher, zwei Ansichten dieser Art aufzustellen, die auch bei jüdischen und nicht jüdischen Gelehrten am Meisten Anerkennung gefunden. Bei dm gemaristischen Rabbinen sind die Ansichten vom mos. Opferkultus allzu divergirend, als daß wir eine bestimmte, allgemein angenommene Idee von denselben anführen könnten; wir werden daher ihre Ansichten nur als Citate beifügen. Die älteste Ansicht vom mosaischen Opferkultus ist das Akkommodation-System. Dieses System findet sich schon bei den ältesten Kirchenvätern, und wird jüdischer Seits mit Unrecht nur dem Maimonides beigelegt. Schon Chrysostomuß d) sagt: „ Deus 6NIM, ad errantium salutem, per haec quidem se coli passus est, per quae Gentes extraneos Daemones coluerunt: eo tarnen in melius inflectens3 ut eos paulatim a consuetudine revocatos, ad altiorem perducmit sapientiam. Auch im Midrasch Rab. zu Levit 3, 2. wird diese Ansicht angedeutet hwo 'ui nbKiboab rpnty I^O'" Man hat hauptsächlich gegen dieses ein gewendet: to) Wenn das Opfer ursprünglich aus Aberglauben entsprungen sei und einer unrichtigen Vorstellung von Gott sein Dasein verdanke, die dem obersten Princip des Mosaismus von der Einheit und GeistigkeitGoctes entgegen sei, so hätte es Moses nimmermehr beibehalten, um wie viel weniger sanktioniren können. Diesen Einwurf hat aber Maimonides selbst (3, 32) treffend widerlegt und durch analoge Erscheinungen in der jüdischen Geschichte bewiesen, daß gerade dieses Verfahren mit dem Gang der Natur übereinstimme. So wie es nämlich in der Natur ein Tleberspringen ihres geordneten und geregelten Entwickelungsganges und ein plötzliches Uebergehen von einem Extrem ins andere nicht giebt, so wenig dürfte durch ein plötzliches Herausreißen aus den angeerbim Gewohnheiten das Entwicklungsgesetz, welches ein allmähliges Heranziehen und Heranbilden verlangt, durch ein plötzliches Einstellen und gänzliches Verbot der Opfer gehemmt werden. Der Opferdienst mußte daher beibehalten, aber beschränkt werden. Wir dürfendaher, sagt M., nicht an jedem Orte und zu jeder Stunde opfern, nicht Jeden opfern lassen, öder nach seinem 9) Cf. Spencer de rat. et orig. Sacrif.; Abrab. in praef. ad. Levit. 10) Nachmanides Komment. Levit 1.; Bahr II. 276. Belieben zum heiligen Dienste einweihen. Dasselbe sagte auch Chrys. 1X) „Deus cultum ad vicfeinias, victimas nd cer* tum locum, locum ad tempus, tcnipns ad unam civita* tem redigens“. (Fortsetzung folgt.) Briefe über eine Gneyklopcidie der Wissenschaft des Jndenthums. 1. Verehrte Redaktion der Real-EneyklopädLe des Jndenthums! (Fortsetzung.) IT. Theologie im engern Sinne, deren besondere Fächer schwer zu unterscheiden sind (vergl. Gcäffe, Allgemeine Literaturgesch. I l. S. 354); Exegese und H a l a ch a (welche auch das jüdische Recht einschließt) sind bereits unter A und C ausgeschieden; wir nennen noch insbesonder karaitische, kabbalistische und homiletische Literatur (nitcm) 12). I!) Hom. 2. adv. Jud. p. 4 62 citirt von Spencer. 12) Bei der Zerfcillung der sogenannten rabbinischen Literatur hätte man am Westen zum Leitfaden die Analogie mit der Schematisirung der andern Fächer genommen, deren aller schriftliche Denkmale in dieses Hauptfach gehören. Also' erst die Literatur der unter l. gedachten Fächer; demgemäß würde \) dem dort unter 2, 3, 5, 6 gegebenen entsprechen, und das was hier unter II als eigentliche Theologie bezeichnet ist, hier unter A) siguriren. Die liturgische wird mit der weltlichen (eigentlich zu 11. gehörigen, nur der Form nach hierher zu ziehenden) Poesie mit Recht zusammengezogen, weil nur sehr kleine Theile der poetischen Literatur sich ganz des religiösen Elementes entschlagen. Homiletik fiele seinem realen Inhalte nach dort mit 5, seinem formellen nach hier (nach dem Vorgang Zunz's) mir Midrasch (111, 6) zusammen. 1, 7 bildet einen besondern Zweig, D und B können in Einen zusammengenommen werden. G würden wir statt Literaturgeschichte lieber Bibliographie benennen, und zwar theils zur Unterscheidung von dem Namen des Hauptfaches, theils und zwar vorzüglich, weit die bisherigen Werke dieser Art, wie das von Hrn. St. selbst angeführte Sifte Jeschenim von Sabbatai und die ähnlichen Sefer ha-Kabbala, Juchasin, Schalschelet ha-Kabbala, Zemach David, Kore ha-Dorot, Schem Ha-Gedolim (Waad la-Chachamim) sich wenig über eine trockene, zudem oft unkritische Aneinanderreihung von Notizen über Leben und Schriften der Autoren erheben, und -vielleicht gerade der oben erwähnte Brief Medkgo's, oder der bekannte Dichtersaal im Tachkemoni die Idee einer Literaturgeschichte entfernt anstreben. Demnach würden die Untcrfächer dieses Hauptfaches sich folgendermaaßen gestalten: 1) Bibel. 2' Apokryphen (biblische). 3) Ueversetzungm der Bibel. a) griechische. b) Targumim.