Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 32 (8.8.1843)
- Article
- Die Menschenopfer der alten Hebräer [Rezension]
- Date
- 1843-08-08
- Page
- Spalte 497-498 (sequence 1)
- Language
- German
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Meratnrblalt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Fitemtur. M 32. Leipzig, den 8. August 1843. Die Menschenopfer der alten Hebräer. Eine geschichtliche Untersuchung v. Ghillany. Beurtheilt v. R. Kirchheim. — Briefe über eine Encyklopüdie der Wissenschaft des Judenthums. (Forts.) — Kurze Anzeigen. Die erste Morgengabe zur Lehre und Bildung :c. $8011 Dr. Kley (Forts, und Beschluß.) Die israelitische Bibel 2c. von Dr. S. Herxheimer. Die Propheten. — Sit. Ankündigungen. EH Are Menschenopfer der alten Hebräer. EH Eine geschichtliche Untersuchung von Dr. F. W. Ghillany, Professor und Stadtbibliothekar in Nürnberg» Nürnberg, 1842. 8. (Fortsetzung.) Da wir über jede Seite dieses bogenstarkem Werks mehre zur Entgegnung schreiben müßten, wofür uns gewiß kein vorurtheilfreier Mensch danken würde, so werden wir, nachdem des Verf's. System im Eingänge des Gegenwärtigen in bündiger Zusammenfassung dargestellt worden, uns lediglich daraus beschränken, von der speciellen Anwendung einige H a u p t m 0 m e n t e hervorzuheben. Wir überspringen seine kritische Einleitung, und beginnen mit dein ersten Kapitel: „über das Opfer." Mit Recht hätten wir an den Vers., der allen entfernten Fasern der Analogien zwischen dem mosaischen und heidnischen Kultus nachspürt, die Anforderung machen können, vom Wesen und Zweck der Opfer, in seinem Werke über die Menschenopfer, umfassend und wissenschaftlich zu schreiben» Der Vers, begnügte sich aber, als eine „unbestrittene" Meinung darzustellen: die ursprüngliche Vorstellung vom Opfer sei die des Genusses, der Nahrung gewesen, welche man in dem Opfer dem Gott darbieten wollte-; diese Vorstellung läge auch dem mosaischen Opferkultus zu Grunde. Diese Ansicht vom Opferwesen, das antropopathische System genannt, wurde schon von Spencer,8) als die erste ursprüngliche Vorstellung vom Opfer im Allgemeinen, und von Wiuer 4) und v. Bohien 8), denen der 3) Os ratione et orig. Sacrif. c. 3. 4) Geschichte der Rel. U. b) Genesis 8, 21. Vers, blindlings, jedoch ohne sie zu nennen, nachbetet, auch dem mosaischen Opferkultus ausgebürdet. Bähr 6) hat dieses System zuerst siegreich bekämpft, aber nur vermittelst der Voraussetzung des Monotheismus, des Grundprincips der mosaischen Glaubenslehre. Dem Vers, gegenüber kann aber dieses Verfahren nicht angewendet werden, da er diese Prämisse nicht zugiebtz eben so wenig können wir Schriftstellen zur Bekämpfung aufbieten, die Bähr mit vielem Glücke anwendet. Bestimmt und deutlich hat sich, z. B. der Psalmist im 50. Psalm gegen eine solche Vorstellung ausgesprochen,?) dessen Abfassung der Vers, aber wahrscheinlich der nachexilischen Periode zuweisen wird! Auf die Entgegnung, daß dieses System dem Princip des Mosaismus, dessen Grundlage die Unkörperlichkeit Gottes ist, widerspreche, würde der Vers, antworten: Der Gott Israels ist kein unsichtbares ideales Wesen. 8) Der Vers, hätte aber, um dieses entgegensetzen zu können, nach einer vernünftigen Logik, zuerst als Prämisse den Beweis zu führen, daß auch wirklich der 6) Symb. des mos. Kultus II.' S. 263.. 7) Eben so der Midrasch. Lev. und Talm. Menach. s. f. dm . 'unh 7n iiwi nb'DN \j:np dn' •f? 7DN uh nriN Ott b"n ,-pä Nin rbwb noNn. 8) Der Ausdruck „süßer Geruch", der beim Opfer häufig vorkommt, und auf den sich die antrop. Ansicht am Meisten stützt, ist, nach Mai»». M. i\. 1, 47., wie alle Antropomorphismen in der h. Sch. nur tropisch zu verstehen, und drückt ein Wohwollen, ein Gnädigsein aus. Dem unsichtbaren Wesen werden aber selbst bildlich nur solche sinnliche Attribute beigelegt, die von keinem unmittelbaren Hinzutreten zum Objekt bedingt sind, wie z. B. hören, sehen und riechen. Es siel aber Niemanden bei, dem göttlichen Wesen die andern niedern Sinne, wie das Lustgefühl, den Geschmacksorgan, die dem Begriff des Unsichtbaren widerstreitet und diesen aushebt, beizulegen. 32