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Der Orient · 1843-08-08 · Heft 32 (8.8.1843) · p. Seite 253

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 32 (8.8.1843)
Article
München
Date
1843-08-08
Page
Seite 253 (sequence 3)
Language
German
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253 Institutionen fähig sein können, den Juden die allgemeine Rechtsgleichheit versagen zu wollen, so besteht doch gerade Ln der besprochenen Stadt eine ziemlich verbreitete Abneigung gegen dieselben, in Folge deren allein wohl vor Kurzem zwei angesehene Juden nicht die erforderlichen Stimmenzahl zur Ausnahme in das dortige Kasino erlangen konnten. Düsseldorf, 14. Juli. Durch das begeisternde Wort Lenstng's, der obgleich katholischer Priester bei jeder Gelegenheit für die gedrückten Juden zum Heile sprach, liegt nun die Aussicht sehr nahe, keiner Hausirerkaste mehr am Rheine auf preuß. Boden zu begegnen. Sicherlich wird der König hier auf der Seite des Fortschrittes und des Rechtes stehen, und den schönen Wunsch der Unterrhanen, der jetzt siegvoll von den Vertretern ausgesprochen, verwirklichend, die Judenemancipation in Kurzem gesetzlich feststellen wird. Schwerin, Ende Mai. (Fortsetzung.) Die erwachte Bildung, und die durch dieselbe geläuterte und veredelte religiöse Betrachtungsweise strebt jetzt dahin, den öffentlichen Gottesdienst mit den Gesetzen der jüdischen Liturgik sowohl als des gebildeten Anstandes immer mehr in Einklang zu bringen, welches nur dadurch zu bewirken ist, daß ein eingeübter Chor in den den Vorsänger begleitenden Responsen so lange die still und leise mitbetende Gemeinde laut vertrete, dis Letztere durch Uebung dahin gekommen sein wird, ohne Störung und in Uebereinslimmung mit dem Chor, Letzterem zu folgen und auf diese Weise Ordnung und Feierlichkeit in den Gottesdienst zu bringen. , Daher ist ein musikalisch ausgebildeter Vorsänger, der den ganzen Gottesdienst in würdiger und ansprechender Weist zu leiten versteht, für die Hebung und Verbesserung des jüdischen Kultus unentbehrlich. Nur wenn erst auf diese Weise die profanen Gesangs- Weisen, die willkürlichsten, den ernsterhabenen Inhalt des Gebetes oft entweihenden Schnörkeleien polnischer Ignoranten — Misbräuche, welche in der Vorzeit wegen der Unkunde, zwischen kirchlichem und weltlichem Gesänge zu unterscheiden, nicht erkannt wurden und noch zur Stunde won den minder Einsichtigen nicht erkannt werden — aus dem öffentlichen Gottesdienst verbannt sein werden, erst dann werden die wahrhaft Frommen und Gebildeten mit Eifer sich ihm zuwenden. In Schwerin gehr die Gemeinde jetzt mit dem Plane um, einen solchen Vorbeter, der zugleich als Religionslehrer fungiren soll, anzustellen, und die wohltha'tigen Wirkungen, welche die Ausführung dieses Plans für sämmtliche Gemeinden durch das Vorhalten eines Beispiels, und Musters zur Nachahmung haben möchte, wären unberechenbar. Ich werde mir erlauben, davon seiner Zeit zur hohen Landesregierung unterthänigst zu berichten. Was der gute Wille hierin vermag, beweisen die Gemeinden zu B ü tz o w, B o i z e n b u r g, Grabow, Malchin und auch zum LH eil Neustadt, in welchen, wenn auch noch nichts Befriedigendes geleistet wird, doch ein für die Folge vielversprechender Anfang gemacht worden ist. In genannten Gemeinden wird darauf gesehen, daß dem Unfuge des ungeordneten Schreiens immer mehr Einhalt gethan werde, und manche Gebetstücke werden von der ganzen Gemeinde in ziemlichem Unisono, anständig und feierlich ausgeführt. Wenn erst in größern Gemeinden der Sinn für gebildeten und ansprechenden Kirchengesang allgemeiner erwacht und ein gutes Beispiel gegeben sein wird, werden die kleinern im Nacheifern ihr Möglichstes thun, um hinter den größern und hinter der Zeit nicht zu weit zurück zu bleiben- Wie in Schwerin, so herrscht der gleiche Uebelstand in Güstrow und Waren. Die Predigtendes verstorbenen Di\ Loewe wirkten in Güstrow eben so vortheilhaft auf die Hebung des religiösen Sinnes als es mit denen des Herrn Gold stein in Waren der Fall ist. Aber in beiden Gemeinden stehen dem öffentlichen Gottesdienste Männer vor, die noch jener traurigen Zeit angehören, in welcher das religiöse Bewußtsein in äußerliche Formworte so sestgebannt war, daß man Unordnung mit Andacht für identisch, dem religiösgebildeten Anstand hohnsprechende Verwirrung mit Aeußerungen des religiösen Gefühls für kongruent hielt. Unter solchen Umständen ringt die Predigt vergebens, eine bleibende andachtsvolle Stimmung in den Gemächern zu erzeugen, und diejenigen, die ihrer theilhaft werden wollen — mit Ausnahme der wenigen an Bildung Hervorragenden, die selbst unbefriedigt, doch um ein gutes Beispiel zu geben, in der Kirche verharren, — erscheinen im Gotteshause kurz vor dem Beginn der Predigt, und verlassen es unmittelbar nach Beendigung derselben. Jedoch bleiben ihre Wirkungen nicht spurlos, weil sie ihre schönste Aufgabe dann erblickt, die Gemeinden auf diese Misstände nachhaltig aufmerksam zu machen und den Sinn für ihre Abhilfe zu erwecken und rege zu halten. Die Thätigkeit des Oberraths hat wie auf die Verbesserung des Gemeindewesens, auch auf den Kultus sein vorzügliches Augenmerk gerichtet, und bereitet eine Kirchenordnung, der die höhern Orts genehmigte Gottesdienst-Ordnung der israelitischen Oberkirchen-Behörde im Königreiche Würtemberg zu Grunde gelegt wird, vor, die zum Zwecke hat, die auffallendsten Misbräuche, so weit sich dies mit möglichster Schonung des Herkommens thun läßt, aus dem jüdischen Gottesdienste in Meklenburg zu entfernen und demselben Ruhe und Ordnung, Würde und Feierlichkeit wiederzugeben. Die Entfernung roher und unwissender Schächter, die Anstellung besserer und gebildeter Religionslehrer, geläuterter Religionsunterricht, das Predigen des göttlichen Wortes sind die Vorkämpfer einer besseren Ordnung der Dinge. Diese sollen der mit Allerhöchster Genehmigung ewzuführenden Gemeinde - und Synagogen - Ordnung den Weg bahnen und den Boden zu kräftiger segenreicher Wirksamkeit urbar machen. Daß die bisherigen vorbereitenden Schritte nicht ganz erfolglos blieben, und daß der Sinn und die Möglichkeit für einen zu verbessernden kirchlichen Zustand im Enrstehen begriffen ist, zeigte der bei Gelegenheit der in einem

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