Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1843)
- Article
- Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-08-08
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Angaben der Zahlen in der Düsseld. Zeitung waren falsch, , die der Köln, die richtigen). Die Kunde davon verbreitete sich blitzschnell; die Adresse der Düsseldorfer Juden an den Landtag wurde schon am 13., die der Kölner am 14. unterzeichnet. Die Düsseldorfer Juden übersandten dem Oberbürgermeister Fuchsius 100 Thlr. für die Stadtarmen überhaupt; die jüd. Gemeinde in Köln ließ Brod unter die Stadtarmen vertheilen und bereitet allgemeine wohlthätige Stiftungen vor; die Aachener Juden sandten 150 Thlr. an den Präsidenten der Armenkommission zu Brod für die christlichen Armen. Von Cobtenz ging eine Deputation der jüd. Gemeinde (aus den Herren S. Landau, Moritz Feist und Max Seligmann bestehend) nach Düsseldorf ab. Duisburger und Ruhrorter Juden sandten Adressen an den Landtag. Der Armenverwaltung in Köln (s. oben) wurden 800 Thlr. von der Köln. jüd. Gemeinde (wovon 400 Thlr. zum Brodankause, die andere Hälfte zur baaren Vertheilung für die Armen) Übermacht und dafür ein herzlicher Dank öffentlich abgestattet. In Wesel hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde eine Adresse an den Landtag erlassen, in welcher u. A. erwähnt wirb, daß bis 1832 ein Jude Stadtrath daselbst und zwar bis zu seinem Tode, gewesen sei. — Ueberalt, wohin die Nachricht von dem Beschlüsse des Landtages drang, gedachte man seiner mit Wonne und Theilnahme. In der Voss. Zeit, vom 20. Juli findet sich ein darauf bezügliches ideenreiches Gedicht: Hoffnung, mit Julius Beer unterzeichnet. In derselben Zeitung wird in einem leitenden Artikel gleichfalls in der Nummer vom 20. Juli (von Dr. Wöniger?) gelegentlich und beiläufig, aber bis zur Evidenz-nachgewiesen, daß die^Ministerialveränderungen, welche den feit der fcanz. Herrschaft den Juden zustehenden Rechten Eintrag gethan hatten, ungesetzlich und daher eo i])80 nicht rechtskräftig seien. Besonders klar geht dies aus den allegirtm Stellen des neuen Buches von Rönne und Simon hervor, das schon um der Vorrede willen zum Ankäufe empfohlen zu werden verdiente. Ein Hamburger Advokat, Herr Dr. Platow sen. (mit der Chiffre: P... w) hat gleichfalls seine Stimme zu Gunsten der Juden mit Hindeutung auf den Düsseldorfer Beschluß erhoben. Es geschah dies in den Hamb. wöch. gem. Nachrichten vom 21. Juli, er wünscht den Wiederabdruck und die unentgeldliche Vertheilung der von dem jüd. Emancipationsvereine ausgegangenen Denkschrift vom Jahre 1834. — Ich aber schließe dieses Kapitel ebenfalls mit einemAufrufe, aber nicht an meine christlichen Landsleute, sondern an meine jüdischen Glaubensgenossen. Ich lenke die Aufmerksamkeit Aller, denen Gott Glücksgüter und ein gutes Herz gegeben hat, auf eine unglückliche christliche Familie. —- Wir müssen nämlich vor Allem gerecht sein. Alle Ehre und Achtung vor dem Düsseldorfer Votum; aber es ist nicht das erste im deutschen Lande. Kurhessens Kam- , wer ist mit einem glanzenden Beispiele vorangegangen. So lange seine Verfassung bestehen wird, kann auch die Emancipation nicht wieder aus ihr gestrichen werden. Und wer hat diese Verfassung geschaffen, wer dieses Grundgesetz ausgearbeitet, mt seine Principien verteidigt? Vor Allem Jordan, ein heiliger Name. Nicht als wenn wir das Gericht, das ihn vor Kurzem zu fünfjähriger Festungsstrafe verurtheilte, der Parteilichkeit und Fügsamkeit zeihen wollten; er mag gefehlt haben; er mag büßen; aber er bleibt ein edler, antiker Charakter. Und seine Familie? Eilet, ihre Thranen zu trocknen, wenn Euch der erste Strahl der Befreiung leuchtet. Bittet, bettelt auch Ihr, die Ihr die Früchte der kurhessischen Verfassung genießet, um Amnestie für ihn, den Gatten, den Vater. — Vergessen wir aber auch nicht unsere bedrängten Glaubensgenossen in Polen und Rußland. Die (alte) Königsberger Kriegs- und Friedmszeitung hat, nachdem sie lange keinen leitenden Artikel geliefert, kürzlich wiederum die Grenzverweisungssrage zum Stoffe für einen solchen gewählt. Sie will diplomatische, völkerrechtliche Intervention bei der russ. Regierung. Diese ist aber weder zu erwarten, noch ein Erfolg abzusehen. Aber die Fürsprache des in Petersburg weilenden Grüßherzogs von Meklenb.-Schwerin, angeregt durch die Juden seines Landes, könnte vielleicht etwas fruchten. Vielleicht findet dieser Vorschlag irgendwo eine weitere Ausführung und Realisirung. Herb ist das Urtheil über den Schmuggelgeist der an der Grenze wohnenden Juden, welches im schwab. Merkur, einer officwsen Zeitung für das russ. Kabinet, sich befindet. Auch die Augsb. und die Deutsche Allg. Zeit, nagen noch immer an demselben Thema. Nächstdem stehen die Frankfurter Wirren noch immer in erster Reihe. Die Anwesenheit Lehren's (vgl. dessen Charakteristik in d. D. A. Z.), der Streit wegen der Beschneidung (das Franks. Journal vom 7. Juli enthält eine Widerlegung eines Artikels vom 5. Juli, in welcher bewiesen wird, daß man nicht durch die Beschneidung erst zum Juden werde und auch ohne sie Jude sein könne) und die neue Judensekte (auf die wir noch einmal besonders Zurückkommen) geben Stoff genug zu Referaten und Reflexionen. Für heute schließen wir den Bericht mit zwei Berichtigungen. — Das Heinesche Krankenhaus wird noch nicht am 27. d. M. eingeweiht, und Herr Dr. Freund arbeitet sein Werk (zur Judenfrage) wohl selbst aus, ohne, wie wir glaubten, ganze Abhandlungen Anderer aufzunehwen. Das Letztere theilen wir mit, damit unser früheres Anerbieten nicht zudringlich erscheine. Leizpig, 25. Juli. Die D. A. Zeitueg vom 14. Juli lobt dm Entschluß der Königsbergs Gemeindevorsteher, für die unglücklichen jüd. Grenzbewohner Rußlands Fürsprache einzulegen; wenn auch die Bitte keinen Erfolg habe, so gehe doch daraus der wachsende Geist der