Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 31 (1.8.1843)
- Article
- Briefe über eine Encyklopädie der Wissenschaft des Judenthums
- Date
- 1843-08-01
- Page
- Spalte 493-494 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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493 Literaturgeschichte. Ad 111. Literaturgeschichte. 10) Hier müssen Inhalt, Form und Zeitalter als Principien der Eintheilung abwechseln. Abgeschlossene Literaturkreise bilden: ■ 1) Bibel; werden wollte, kein anderes linguistisches Mittel hatte, als die hebräische Sprache, weil entweder er oder die Leser, auf die er rechnete, keine andere Sprache verstanden oder verstehen wollten. Man schreibt heute, um den osteuropäischen Juden Kenntnisse beizubringen, Lehrbücher der Weltgeschichte rc. in hebr. Sprache, weil diese Juden keine andere Sprache verstehen, oder es für eine Sünde halten, andere als hebräische Bücher zu lesen. Gehören diese mehr in die jüdische Literatur, als andere von Juden geschriebene Werke? Nein, wohl aber in die Geschichte der hebräischen Sprache. Und wissen wir ja, daß zu allen Zeiten Juden auch in ihrer Landessprache geschrieben. — In besondere Verlegenheit komm: man bei des Hrn. Briefstellers Eintheilung mit den Werken über jüdische Theologie, die nichthebräisch geschrieben sind. Wer würde diese in die Kulturgeschichte verweisen? Nicht einmal jüdischen Dichtern, die in profanen Sprachen gedichtet, wie Ezechiel dem Tragöden, Trimberg dem Minnedichter; auch nicht jüdischen Philosophen, die ihre Werke in nichthebräischer Sprache verfaßt, wie Philo, Spinoza, dem Verfasser des Phadon, oder jüdischen Grammatikern, die in nichthebräischer Sprache über Grammatik (sei es auch hebräische) geschrieben, wie Chajug", Abulvalid und Neuere, würde nach unserer Ueberzeugung, Hr. St. ihren Platz in der jüdischen Literaturgeschichte verringern. Und nun erst gar die Verfasser des Chobat Ha-Lebabot, Kusari, More Nebuchim, des Jerusalem! Daher sagt auch Hr. St. ausdrücklich unten (Hauptfach 111. zu Ende): „Die nicht hebr. Literatur des Juden gehört, insofern sie jüdische Theologie betrifft, zu den Quellen der 1. Hauptabtheilung". Aber gehören denn dahin die hebräisch geschriebenen Quellen nicht auch? Und ist denn damit, daß — wie billig — bei Darstellung jeder Disciplin eine Uebersicht der Quellen gegeben wird, der Literaturgeschichte vorgegriffen, oder hat diese nicht noch immer die Verpflichtung, das Ihrige zu thun, und jeder jüdische Autor und jedes Schriftwerk, das von Juden ausgega..gen, zu berücksichtigen? Wir erlauben uns daher, unsere Meinung dahin . auszusprechen, daß als Kriterium dafür, ob ein Name in die Kultur- oder Literaturgeschichte komme, seine schriftstellerische Thätigkeit aufzustellen sei. So kommen denn in die Kulturgeschichte die Leistungen der Juden in Naturwissenschaften, Mathematik, Musik, Malerei, Industrie, Handel, Oekonomie, mit besonderer Hervorhebung dessen, was man sonst als Alterthümer zu bezeichnen pflegt, des Ackerbaus, Bergbaues, häuslichen Levens rc. der alten Hebräer, Beschreibung der Münzen, Maaße und Gewichte, die in biblischen und talmudischen Schriften genannt werden. — Es findet indeß diese Differenz mehr in der Theorie der jüdischen Wissenschaft, als m der Praxis der encyklopädischen Darstellung derselben statt. Der Umfang der Enzyklopädie wird nicht modificirt, und ist es ja auch nach unserer Ansicht gar nicht zu wehren, ' daß ein und derselbe Gelehrte die entsprechenden Artikel aus Kultur- und Literaturgeschichte bearbeite. Bei Begrenzung und Zerfällung des Gebietes der jüdischen Wissenschaft glaubten wir indeß aus scharfe Scheidung dringen zu müssen. 10) Wir hätten vielleicht dieses Hauptfach als das letzte hingestellt, weil es sich auf gleiche Weise auf alle übrigen Fächer bezieht, in dem Verha'ltniß von Form und Inhalt ihnen gegenüberstehend. Unterabtheilungen. 494 2) Apokryphen; 3) Largumim; 4) Alexandriner (LXX, Philo) '*); 5) Talmud; 6) Midrasch. — Bei der Eintheilung der 7) übrigen neuh ebrä'ischen und rabbinischen Literatur (Versuche dazu fl LB. des Orients 1841. Col. 227) tritt der Misstand ein, daß fast jedes Werk zugleich ein theologisches, wie denn überhaupt systematische Auseinanderhaltung des schriftstellerischen Gegenstandes in dieser Literatur weniger anzutreffen ist. Daher werden bei folgendem Thema die meisten Autoren und Werke zugleich in viele Fächer gehören, andere ganz isolirt dastehen. Die Fächer (welche wieder in Unterabtheilungen zerfallen) wären: A. Halacha (iyW, D’pDB, dWpitöD/ Wli, Dwin). B. Poesie. a) religiöse (corD), welche mit den Gebeten überhaupt anzufangen hat, und daher auch als liturgische Literatur bezeichnet werden kann. b) weltliche (Fabeln, Sprüche, erotische Gedichte, rhetorische (Makamen) u. fl w.) G. Philologie (Grammatik, Lexikographie, Exegese nnta», DyipnD). v. Mathematik (Astronomie sAstrologie^, Geographie, Geometrie). E. Naturwissensch asten, insbesondere Medicin. E. Geschichte. G. Literaturgeschichte (z. B. 3HDD von del Medigo, "t# von Sabbatai). (Fortsetzung folgt.) Literarische Nachrichte» «nd Miseelle». Ein seltener Koran. (Nach dem Constitut. vom 8. Juli.) Herr Gourdet, ein geborener Belgier, Bataillonschef in franz. Diensten, Bruder des Bürgermeisters in Neufchateau in der Provinz Luxemburg, ist vor Kurzem nach dreijährigem Aufenthalte in Afrika (Algier in seine Heimath zum Besuche zurückgekehrt. — Er hat eine arabische Hand- 11) Philo ist von hierhinwegzuweiftn, s. unten Anm. 12. Wenn Man will, kann man dieses Unterfach überhaupt als Uebersetzungen bezeichnen, und es in drei Ab (Heilungen zrefall lassen: a) griechische Übersetzungen, b) chaldäische Targumim, c) andere Übersetzungen. In der Encyklopädie wurde der Artikel „U.eb ersetzu ngen der heiligen Schrift" zuerst auf die beiden besondern Artikel „griech. Uebersetzungen" und „Targumim" verwiesen, dann aber die minder wichtigen unter et', genannten behandeln mit besonderer, aber nicht alleiniger Hervorhebung der von Juden verfaßten.