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Der Orient · 1843-08-01 · 31 (1.8.1843) · p. Spalte 491-492

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
31 (1.8.1843)
Article
Briefe über eine Encyklopädie der Wissenschaft des Judenthums
Date
1843-08-01
Page
Spalte 491-492 (sequence 1)
Language
German
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492 491 Briefe über eine Encyklopädie d. Wissenschaft d. Judenthums. Kulturgeschichte. Briefe über eine Eneyklopädie der Wissenschaft des Judenthums. I. Verehrte Redaktion der Real-Eneyklopädie des Zudenthums l (Fortsetzung.) Ad II. Unter Kulturgeschichte könnte man eigentlich auch die andern Haupttheile begreifen; allem ich finde keinen passenderen Ausdruck für die Geschichte der Wissenschaften, Künste, Gewerbe, der Industrie und des Handels, insoweit dieselben von Juden betrieben oder ausgebildet worden, die Bezeichnung der jüdischen Individuen, welche sich darin hervorgethan und der Männer dieser Facher überhaupt, die einen überwiegerden Einfluß auf Juden ausgeübt 7 8), z. B. Geschichte der Mathematik, Malerei, Weberei, bei den Juden; Stern's Rechenmaschine, Lipmann's Erfindung im Bilderkopiren, der königsberger jüdische Weber, von dessen Erfindung die A. Z. d. I. berichtete; Aristoteles bei den Juden u. dergtt Hierher gehören nun eigentlich auch die jüdischen Autoren und Schriften in diesen Gebieten. Wir rechnen diejenigen, deren Organ die hebräische oder chaldäische Sprache ist, zum folgenden Haupttheil 9). —- Die UnLerab- 7) Dgl. unten Anm. 13. 8) Dgl. unten Anm. 13 am Ende. 9) Es ist schon oben bemerkt worden, daß die Partie der jüdischen Wissenschaft, wo nationale und religiöse Elemente ganz zusammenfließen, einer genauen Abgrenzung ihres Gebietes die meisten Schwierigkeiten entgegensetzt, und dürften hierin unsere Ansichten von denen des geehrten Hrn. Briefstellers abweichen. Es scheint uns nämlich die Grenzlinie zwischen Kultur- und Literaturgeschichte nicht die richtige zu sein. Das Kriterium zur Unterscheidung Beider soll die Sprache bieten. Männer, welche Werke über nichttheologische Wissenschaften hinterlassen haben, kommen, wenn diese hebräisch oder chaldäisch sind, in die Literaturgeschichte; wenn sie aber in andern Sprachen abgefaßt sind, in die Kulturgeschichte, oder wenn sie über theologische Disciplinerr geschrieben haben, in die Quellen der ersten Hauptabtheilung. Unsere Meinung aber ist diese: jeder Jude, der schriftliche Denkmale seiner geistigen Lhätigkeit hinterlassen, über welchen Gegenstand es sei, und in welcher Sprache es sei, in die jüdische Literaturgeschichte gehöre. Die Analogie anderer Literaturgeschichten reicht hierbei nicht aus. Wenn die deutsche Literaturgeschichte alle in nichtdeutscher Sprache geschriebenen Werke, seien sie auch von Deutschen geschrieben, ausschließt, so ist das noch kein Beweis, daß die jüdische Literaturgeschichte alle in vicht-hebräischer (chald.) Sprache geschriebenen, ausschließen solle, der Deutsche ist blos Deutscher, der Jude ist aber zugleich Deutscher (Franzose rc.) und Jude. Faßt man die Kulturgeschichte im weitesten Sinne als die G e sch ich te der geistigen Lhätigkeit eines Volkes, so umschließt sie außer der Literaturgeschichte auch noch die 1. Hauptabtheilung; und wie Letztere sich durch das religiös-philosophische Moment ein theilungen dieses Haupttheils ergeben sich natürlich aus der allgemeinen Encyklopädik. besonderes Gebiet ausscheidet, so die Literatur dadurch, daß sie die schriftlich niedergelegten Denkmale jener Lhätigkeit für sich in Anspruch nimmt. Wir können deshalb wohl Ln der jüdischen Kulturgeschichte von wichtigen Erfindungen und Entdeckungen der Juden in gewissen. Zweigen der Wissenschaften, Künste, der Industrie rc., von demVerhältniß überhaupt, Ln dem die Juden zu diesen -Zweigen gestanden, sprechen; wir können dabei auf die Werke, welche Juden über diese Gegenstände geschrieben, zurückgehen und sie als Quellen benutzen; aber die wissenschaftliche Behandlung eines Autors, in sofern er Autor ist, gehört in die Literaturgeschichte. Es ist leicht nachzuweisen, daß die Eintheilung des Hr. St. sich in mancherlei Inkonsequenzen und Widersprüche verwickelt. Zuerst, warum wird die hebräische Sprache als normgebend für die Grenze angenommen? Weil der Volksstamm, dessen Nachkommen die heutigen Juden sind, auf den also ihre Nationalität zurück'zuführen ist, hebräisch gesprochen. Zugegeben. Warum wird der chaldäischen Sprache aber derselbe Vorzug eingeräumt? Weil die Juden, nachdem die hebräische Svrache aufgehört hatte, eine lebende zu sein, chaldäisch sprachen? Aber einige Jahrhunderte später hört auch die chaldäische auf, zu Leben, und die arabische tritt un deren Stelle; warum soll diese hinter der chaldäischen zurückstehen? Oder, weil die Juden noch während des Bestehens des jüdischen Staates schon chaldäisch gesprochen? Aber oben so viel Juden sprachen schon damals griechisch, und die Stämme, die sich wohl noch vor der Auflösung des jüdischen Staates zu den Arabern begeben, arabisch. Oder endlich, weil Bibel und Lalmud, dic Hauptquellen der jüdischen Religionsbegriffe, in hebräischer und chaldäischer Sprache geschrieben sind? Aber die Sprache, in der diese Kanons verfaßt sind, scheint uns in keinem nothwmdigen Verhältniß zu ihrem Inhalte zu stehen, und wenn man glaubt, daß keine andere Sprache, als diese, für die in den genannten Werken behandelten Gegenstände sich geeignet hatte, so behaupten wir dagegen, daß sich eben so gut die deutsche oder jede andere Sprache dafür geeignet hätte, wenn die Propheten und Lalmudisten Deutsche gewesen wären. Der Begriff schafft das Wort, der Geist die Form; die Einwirkung der Sprache auf den Inhalt scheint uns nur dann so gewaltig, wenn uns dieser Inhalt selbst ein äußerlicher, ein überkommener ist, wenn er nicht selbst in uns lebt und schafft und wirkt. Die Wichtigkeit daher, die die hebräische und chaldäische Sprache dadurch erhalten haben, daß sie den Quellen unserer religiösen Erkenntniß zur Form dienten, gewährt ihnen die besondere Berücksichtigung, die ihnen im Hauptfach V. zu Lheil wird, giebt ihnen aber nicht eine solche Allgewalt, daß ein jedes der geistigen Lhätigkeit des Juden entspringendes Werk sich ihrer bedienen mußte. Man bemerkt doch aber — wird man einwenden — daß die meisten Juden, die früher über wissenschaftliche Gegenstände geschrieben, sich der hebräischen Sprache bedienten; sollte nicht gerade in diesem Gebrauch der hebräischen Sprache das Element liegen, welche diese Werke der jüdischen Literatur vindicirt, die andern aber ausfchließt? Wir halten aber den Gebrauch der hebräischen Sprache bei Behandlung wissenschaftlicher Gegenstände für durchaus nichts Nothwendiges, sondern entweder aus dem Gegenstände, oder aus den Zeitumständen Hervorgegangenes, also Zufälliges. Es hat Zeiten und Länder gegeben (und Länder giebt es noch), wo derjenige, der seine Gedanken schriftlich ausdrücken, und andern Juden verständlich

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