Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-08-01 · Heft 31 (1.8.1843) · p. Seite 241

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 31 (1.8.1843)
Article
Kalisch: Der russische Koloß sucht die Juden zu erdrücken ...
Date
1843-08-01
Page
Seite 241 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360256-2360288-2370059--3719-2370095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Vierter MS titu Berichte, Studie« und Kritiken Das Abonnement für ein Iahe ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solide Buchhandlungen auf ein Lahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. - Leipzig, den 1. August 1843» Rußland. Ka lisch. Der russische Koloß sucht die Juden zu erdrücken. Ausruf um Hilfe. Königsberg. Derruff.Ukas. Kritik. Berlin. Hebräer-Kolonien im Gouvernement Cherson. — Deutschland. Breslau. Ueber ein neu erschienenes Buch: die Juden in Preußen betreffend. Leipzig. Die moderne Kritik, der religiöse Jndifferentismuö und der hohle Rationalismus. Luxemburg. Installation des Landrabb. Dr. S. Hirsch. Kassel. Auszeichnung drei der Landwirthschaft sich befleißigenden Juden. Berlin. Jndifferentismus der jüd. Gelehrten. Aus d. Meklenburg'schen. Die Konstitution v. 18. Febr. 1813. Mannheim. Iustand der israel. Schule in Baden. (Forts.) Aus d. baier'schen Pfalz. Büreankratie. Leipzig. L. Elbing über die heutigen Juden. — LB. des Or. Rußland. Kttklsch, 25. Juli. Endlich ist auch der kaiserlich-russische judenfeindliche Ukas vom 2. Mai zu uns gelangt, und nicht blos Schrecken und namenlose Trauer, sondern auch finstere Gedanken über die grenzenlose Macht der Verfolgung erfüllen unsere Brust, Der Ukas stand bereits in der Senats-Zeitung in jener schonungslosen und tief verletzenden Redeweise, wie nur eine Macht, die ihre asiatischen Elemente noch nicht abgestreift, ihre ka-, tegorischen Gesetze hinstellen kann. Biele haben noch gehofft, daß blos von den eigentlichen cusstfchen Grenzen, mit Ausnahme Polens, der Ukas zu verstehen sein würde; viele Städter haben von einer Auslegung geträumt, daß nur bei den Bewohnern des platten Landes der Ukas seine Ausführung finden wird; aber der Gedanke, daß eine Macht, die nicht gewohnt ist, ihre untergebenen Volkerstämme mit Schonung zu behandeln, einer milderen Auslegung des Gesetzes Raum geben wird, hat sich gerächt. Der Ukas ist eine furchtbare Kalamität, die unsere armen Brüder betroffen; Hunderttausende unserer ohnehin von dem ruff. Steuersystem zerfleischten Glaubensbrüder werden schonungslos ins Verderben gestürzt, namenlos unglücklich gemacht. Denn ist eine Verjagung von 6. 300,000 Seelen von Haus und Hof, von Heimath und Wohnort, ohne ihnen auch nur einen Wohnplatz anzuweisen, wo diese Unglücklichen ihr müdes Haupt niederlegen können, ohne auch nur die Möglichkeit nachzuweisen, wo diese Masse ein Unterkommen finden könnte, ohne auch nur im Entferntesten von einer Entschädigung zu sprechen, nicht eine Vernichtung? Was hat denn Spanien Anderes gethan, als es die Juden aus seinem Lande verwies? Die großen Verfolgungen unter Bogdan Chmielnizki in den Jahren 1648 bis 1649, wobei durch den Fanatismus der Kosaken und Russi'nen 100-000 Juden ihr Leben in blutigen Niedermetzelungen verloren, waren diese Orgien des Fanatismus nicht mild gegen dieses langsame Vernichten einer dreimal so starken Zahl? Gegen 63 Städte-Gemeinden (Kehilot), worunter solche wie Dubno, Kali sch, Krzemenitz u. s. w., deren Einwohner entweder vorzüglich aus Juden bestehen, oder doch solche starke Judengemeinden haben, wie man sie weder in Frankreich und England noch in einem großen Theile Deutschlands findet, vernichtet dieser Ukas, und einige Hundert Synagogen sollen der Entweihung anheimfallen; unsere Herzen vermögen noch nicht das Maaßtose dieses schauerlichen Unglücks zu fassen; wir sind in dem schönen Glauben an die Macht des neunzehnten Jahrhunderts irre geworden. Nichts ist noch in diesem arttokratischen Lande bis jetzt uns unglücklichen Juden bereitet worden, als Ketten und Elend; noch nie hat in dieses ultima Tille der Civitisation uns ein Strahl der Humanität geleuchtet, und die Lobpreisungen jüdischer und christlicher Blätter über die vorgegebene Absicht der Regierung, in dem großen Reiche jüdische Schulen zu gründen, haben uns schamroth gemacht ob der Verblendung der Schreiber. Guter Czynski! du bist Christ und hast das 31

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.