Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1843)
- Article
- Berlin : Bauer wird zum zweiten Mal Ritter an dem Judenthum ... [Nachricht]
- Date
- 1843-07-25
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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234 schwelgt. Hierin erblicken wir Menschlichkeit, Freiheit, Vernunft." Also Baueriana und Antibaueriana in einem und demselben Buche! Königsherg, 4. Juli. Es wird den Lesern des Orients gewiß nicht unangenehm sein, einen Beitrag zur Statistik der preußischen Juden aus unserem Regierungsbezirk Königsberg zu erhalten, zumal der Orient es mit zu seiner Tendenz rechnet, Historisches und Statistisches über Juden und Judenthum zu sammeln und für einen künftigen Geschichtschreiber zu bewahren. Es haben aber dergleichen Notizen ein unmittelbares Interesse, indem wir dadurch erfahren, wie viel noch zur Durchbildung und Veredlung des Judenthums zu thun ist, da sehr häufig unter zwanzig in Städten zerstreueten Gemeinden kaum manchmal Eine dem Fortschritte sich angeschloffen, ja zur Hälfte sind nicht einmal Synagogen vorhanden, und wir hätten also nicht nothig, um Gutes zu stiften, unsere Blicke in die Ferne zu richten. In dem Regierungsbezirke Königsberg wohnen in folgenden Ortschaften Juden und diejenigen, welche eine Synagoge oder wenigstens Betstube besitzen, sind mit einem Sternchen bezeichnet. Allenburg mit 25 Israel. "Memel mit 69 Israel. * Allenste in - 85 - Mohrungen - 78 - Barten - 5 - "Mühlhausen - 41 - Bartenstein - '79 - "Neidenburg - 98 - * Bischofsburg - 95 - Nordenbarg - 19 - * Bischofsstein - 57 - "Ortelsburg - 103 - * Braunsberg - 89 - "Osterode - 74 Krenzburg - 6 - Passenheim - 7 - Domnau - 2 - Pillau - 1 - . Drengfurth - 7 - Fest.Pillau - 1 - Fischhausen - 9 - Pr. Eylau - 58 - *Fraumburg - 35 - *Pr. Holland - 117 - . Friedland - 11 - "Rastenburg - 83 - " Gerdauen - 139 - "Rößel - 58 - Gilgenburg - 24 - Saalfeld - 51 - * Guttstadt - 115 - Schippenbeil- 13 - * Heilsberg - 120 - "Seeburg - 79 - ' Hohenstein - 12 - "Soldau - 53 - * Königsberg - 1486 - Tapiau - 43 - Lablau - 32 - "Wartenburg- 12 - Landsberg - 2 - Wehlau - 45 - Liebemühl - 17 - Willenberg - 6 - Liebstadt - 139 - "Wormditt - 72 - * Mehlsack - 54 - Summa 3836 (4-116 ohne Staatsb.-R.) - - 22 Bethäuser. — Das Sabbat-Blatt, dessen Debit nach Leipzig verlegt worden ist, findet in unserer Provinz die größte Verbreitung, und in vielen kleinen Gemeinden wird es zu sabbattichen Vorlesungen in Ermangelung eines Predigers gebraucht. Es liefert auch allwöchentlich über die Sidra eine homiletische Betrachtung, die durch Gediegenheit und Faßlichkeit zum Vorlesen sich eignet, und im übrigen Theile des Blattes erhalten die Meisten so viel, als sie gerade unumgänglich brauchen. Hamburg, 10. Juli. Gestern am späten Abende bekam ich noch den „Kommissionsbericht an die Unterzeichner der Petition vom 8. Juni 1842" in die Hände. Dies ist nämlich das langersehnte Compte-rendu der mit der Abfassung von Reformvorschlägen für Hamburg von Seiten der „patriotischen Gesellschaft" beauftragten Männer. Der ganze Bericht umfaßt etwa 30 Druckbogen, ist in der Langhoff'schen Buchdruckerei gedruckt und bei Perthes, Besser u. Maucke, zu haben. Die sammtlichen „Grayamina“ sind in drei Rubriken gebracht: 1) Verfassung (redigirt von Dir. jur. Advokaten Voigt), 2) Justiz und Polizei (redig. vom Dr. jur. Baumeister, Richter am Niedergerichte und Mitglied der im Jahre 1842 eingesetzten Rath- und Bürgerdeputation), 3) Schulwesen (redigirt von Dr. C. F. Wurm, Prof, der Geschichte und der Staatswissenschaften am Hamburger akadem. Gymnasium). Die Deduktion ist eine ruhig und wissenschaftlich gehaltene, nur wäre wohl hin und wieder eine populärere Darstellung zu wünschen gewesen, da der Bericht mehr auf die erbgesessene Bürgerschaft als auf den Senat die Hoffnung der Erfüllung seiner Wünsche setzen kann. Daß auch der Juden in diesen Reformverschlagen gedacht worden sei, habe ich im „Orient" bereits wiederholt angezeigt. Ein böses Omen schien es mir, daß sie gerade Herrn Dr. Voigt, einem Verfechter des christlich-deutschen Staatsprincips, zufallen mußten; doch wüßte ich freilich nicht, wo man ihren Zuständen anders als im Kapitel über die Verfassung Rechnung tragen sollte. Auch gestehe ich, daß sich Hr. Dr. Voigt durchaus objektiv gehalten und lediglich (wie weiland Prof. K. S. Zacharia, genannt v. Lingenchat) zwei entgegengesetzte Ansichten ohne weiteren Versuch zur Erledigung des Streitpunktes, wenn auch mit einem resumirenden Vorschläge begleitet, zusammengestellt hat. Erfreulich ist es auch, daß die Kommission in ihrer ganzen Beweisführung hin und wieder fast wörtlich die von Dr. Riesser in „N. Hamb. Blattern" (1842 und 1843) aufgestellten Gedankenreihen adoptirt hat. Dagegen ist zu bedauern, daß der Theil der Kommission, der sich für volle Emancipation (gleiche Rechte für gleiche Pflichten) ausgesprochen hatte und dem Gcspenste der „Nationalität" zu Leibe gegangen war, sein Separat- . Votum zu Gunsten eines Kompromisses ausgeopfert hat. Unter den übrigen Mitgliedern der Kommission herrschte nämlich folgende Ansicht vor: 1) Die Juden gehören einem fremden Stamme an; 2) die Juden können wegen ihrer besondern Nationalität nicht Vollbürger werden; 3) Die getauften Juden (ein Mitglied der Kommission gehört in diese Kategorie) treten durch den Akt der Taufe in den christlich-deutschen Staat ein. Wenn die Herren doch hätten bedenken wollen, welche Windrose und Musterkarte da herauskame, wenn man einen