Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1843)
- Article
- Berlin : Bauer wird zum zweiten Mal Ritter an dem Judenthum ... [Nachricht]
- Date
- 1843-07-25
- Page
- Seite 233 (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Vierter mm tu Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobt». Postämtern und allen solid» Buchhandlungen auf ein Iayr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. M 30. Leipzig, den 25. Juli 1843. Deutschland. Berlin. Bauer wird zum zweiten Mal Ritter an dem Judenthum. Hrn. Rauwerk's Vertheidigung der jüd. Rittergutsbesitzer. Königsberg. Statistisches. Das Sabbat-Blatt. Hamburg. Reformvorschlage einiger Männer aus der /»Patriot. Gesellschaft". Leipzig. Abneigung der deutschen Freimaurerei gegen die Juden. Vom Main. Die Juden und die Freimaurerlogen. Hamburg. Das Heinesche Hospital. Besetzung d. vakanten Lehrerftellen an d. Freischule. Leipzig. Die jüd. Auswanderungen. Hamburg. Wochenbericht. Altona. Fortschrttt in Moisling.' — Oesterreich. Prag. Entscheidung' der Steuerangelegenheit der böhm. Juden. Hr. M. I. Landau. Nik.olsburg. Gewerbeverein. — Sicfjts u. Schattenbilder aus d. jüd. Geschichte der Bergangenh. u. Gegenwart. Nekrolog. Ignaz Jeittetes. — LB. des Or. Deutschland. Berlin, 14. Juli. Hr. B. Bauer scheint in seiner kritischen Lage, das ausecwählte Volk zum auserwählten Gegenstände seiner Kritik machen zu muffen. Ich habe hier den zweiten Angriff im Sinne, den Hr» Bauer neuerdings in den „Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz, hecausgegeben von G. Hecwegh", auf das Judenthum, das unfreie, starre und zähe Judentum gerichtet. Hat Bauer in seiner „Judenfcage" alle Minen der Dialektik spielen lasten, um den festen Boden des Judenthums zu erschüttern und es in den Schutt schöner, wohlklingender Phrasen zu begraben (so glaubte es wenigstens der Vers, der „Judenfrage"), so verschmäht es diesmal Hr. Bauer nicht, sich seine Waffen aus der Rüstkammer der talmudischen Dialektik zu holen, um den Juden ihre Heuchelei zu demonstriren. Die erste Mischna des Traktates Beza ist Hrn. Bauer das beste Arsenal, um ein schneidendes Schwert gegen seine Gegner daraus zu nehmen. Aber auch in diesem Aussätze ist Herr Bauer noch — sit yenia yerbo — ein gläubiger, frommer Christ! Der christliche Jesuitismus dünkt ihm edler und erhabener zu sein, als der jüdische; der christliche Jesuitismus tragt wenigstens zur Freiheit der. Ideen bei, ist eine Aktion, welche die Reaktion der Freiheit hervorcuft, wahrend der jüdische von jeder Einwirkung aus die Entwickelung und den Fortschritt baac und ledig ist. Herr Bauer könnte, vermöge seiner jesuitischen Dialektik, selbst das Oberhaupt des Jesuiten-Ordens werden. Doch will ich die Beleuchtung und Widerlegung dieses Bauer'schen Produktes Herrn H. Jellinek überlaffen, der in seiner Recension der Hirsch'schen Briefe Bauern deffen Christlichkeit und Selbstbefangenheit so trefflich und schlagend nachgewiesen. — Zieht nun Bauer gegen die jüdische Unfreiheit los, so nimmt zur Entschädigung, Herr N au werk, in demselben Werke die jüdischen Rittergutsbesitzer in Schutz» Ein gewisser Hr. Thadden-Triegtaff nämlich hat unter dem Titel „der Schacher mit Rittergütern" einen in der Generalversammlung der Pommer'schen ökonomischen Gesellschaft zu Cöslin gehaltenen Vortrag herausgegeben und als Streifzug bezeichnet. Daß man bei dem „Schacher mit Rittergütern" auch über die Juden ein Wörtlem sagen muß, ist natürlich nöthig, wenn der Schriftsteller seine Zeit, Preußen und die „schachernden" Juden kennt. Herr Nauwerk, der sich die Mühe genommen, die Extravaganzen des Hrn Thadden-Trieglaff zu widerlegen, gedenkt auch der Juden, und sagt u. A.: „Besonderes Aergerniß nimmt der Verfaffer daran, daß Rittergüter auch an Juden verkauft werden, sogar an solche, die sie nachher ellenweis aus einander messen". Dann geht es weiter zum „christlichen Staate", zum ewigen Fluche, der auf den Juden laste u. dergl. Dabei fleißige Zusammenstellung von Bibelcitaten» Wenn die Juden die Rittergüter zerschlagen, so machen sie sich wahrhaft um die Menschheit verdient; es ist wünschenswerther, daß hundert Familien ihr Vrod haben, als daß ein großer Herr imUeberflusse 30