Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 29 (18.7.1843)
- Article
- Kurze Anzeigen [Rezension]
- Date
- 1843-07-18
- Page
- Spalte 455-456 (sequence 2)
- Language
- German
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456 455 Die erste Morgengabe z. Lchre u. Bildung rc. Von Dr. Kley. Als Hauptbestandthekle des Unterrichts bezeichnet der Vers. 1) Religionslehre;' 2)-Bibl. Geschichte, Bibellesen, wozu sich das Lesem. anderer/ religiöser Erzählungen gesellt 3) Übersetzen der Gebete; 4) Gesang. - Diese Gegenstände werden dann .speeiell . entwickelt, wo/ Hr. H ech r dann eine scharfe Kritik/dieser. Lehrgegenstände, giebt, mit einer sehr, ausführlichen Hinweisung auf die Lehrform. In einem dr i tren Abschnitte behandelt, der Verfasser die äußere Einrichtung der Sabbatschüle, nämlich über Besuch, Ort, Zeit, Lehrmethode und. ein Lehrplan schließt das Ganze. Res. wünscht , daß dieses Büchlein, welches eine neue Idee im Gebiete des Schulwesens mit wissenschaftlichem Takte und pädagogischer Wärme entwickelt, bei-unfern jüdischen Lehrern, nicht nur Eingang und Verbreitung, sondern auch Beherzigung .finden möge. Noch fehlt unserem Schulwesen jene Harmonie und jenes Bewußtsein, das allein geeignet ist, die Jugend politisch und religiös tüchtig heranzubilden; unsere Schulen zehren bis jetzt, mehr .von dem Verdienste, das Alte verwischt zu haben, als von den Früchten neuer Schöpfungen, und es ist hohe. Zeit, daß wir uns. unseres. Strebens und Wirkens auf diesem Gebiete klar werden. 10. Die erste Morgengabe zur Lehre und Bildung. Gesammelt mit besonderer R ück si ch t für die israelitische Schule von Dr. Eduard Kley. Grund erg und Leipzig,-Druck und -Verlag von W. Levysohn. 1843. kl. .8. VIII. und 94 S. Wir haben seit 1830 so viel von einer „Übergangsperiode", in der wir uns jetzt befinden sollen, gehört und gelesen, daß es für den/ ersten Augenblick kaum rathsam erscheinen möchte, diese vage Zeitbestimmung noch einmal z-um Anhalts- und Ausgangspunkte für' unsere Betrachtungen zu wählen. Wir ' Juden sind aber an die 'Rückfälle, die der menschliche Verstand nicht selten in Bezug auf die gerechte Behandlung unserer Angelegenheiten erleidet, schon so sehr gewöhnt, daß wir in dem „Uebergange" nichts Schmerzliches, Täuschungsvolles, Vertagendes mehr gewahren. Die eigentliche ^,Ue vor trlttsp er io de^ liegt ja Gottlob hinter uns — man könnte'sie von 1818—1830 datiren — und alle diejenigen unter uns, welche Staat und Kirche für zwei separate Gebiete, dann'auch Freiheits- und Vaterlandsliebe mit dem Judenthum recht wohl verträglich, endlich jeden Abfall für etwas der eigenen Gewissensruhe, dem Fortschritte des Nächsten und dem guten Rufe des Abtrünnigen absolut Verderbliches halten, würden schon um der Konsequenz halber am Wenigsten setzt unsere Reihen lichten wollen. Aber ist es mit dieser sich gleichbleibenden n umerischen Stärke in der That etwas gewonnen? Muß nicht auch die moralische Kraft fort und fort geweckt, lebendig erhalten und verdreifacht werden?'— Was wären wir, wenn wir nicht um uns her ein jugendliches Geschlecht aufwachsen sähen, das uns. an Energie und Rechtsbewußtsein dereinst nachzueifern verspricht? Nicht mit Unrecht wird man also auch von den Juden der Gegenwart behaupten können, daß sie in einer Uebergangsperiode leben. Denn sind wir auch noch in Zweifel, ob wir selbst noch mit eigenen Augen das gelobte Land der Freiheit und Rechtsgleichheit, um dessen Mitbesitz wir schon , von der. Wüste aus. mit den Philistern kämpfen, schauen werden, und ist es. uns auch vielleicht nicht mehr, gegönnt, die Früchte unserer Anstrengungen zu genießen, zieht sich auch die Erfüllung unserer Hoffnungen noch ein volles Menschenalter hin, ähneln wir also darin unfern Vorfahren auf Arabiens dürrem Boden,/daß die Vorsehung uns zu übergehen scheint, und dem kommenden Geschlechte über uns hinwegzuschreiten erlaubt: so glauben und wissen wir doch, daß jene Güter, denen wir Alles, n u r uns e re U eb e r z e u g u n g nicht, zum Opfer gebracht haben, dasErbtheil unserer.Nachkommen ausmachen werden. Aber freilich bedarf es für die Epigonen, wenn unser beharrliches Streben auf sie übergehen soll, der Vorbereitung, der Ermuthigung, der Befestigung, der Anleitung zur Intelligenz und zur rechten Lebensweise und Weisheit. Wie sollen wir daher, wie müssen wir unsere Kinder erziehen , damit sie ihres Berufes früher kundig und ihrer Bestimmung gewachsen werden? Die beste Antwort auf diese Frage liegt, meines Bedünkens, in der sprichwörtlichen Phrase: ländlich, sittlich. — Ja, der Landessitte getreu, zu edler, moralischer Wirksamkeit soll die Jugend erzogen werden: der religiöse Sinn soll in ihr genährt, jedes Merkmal der früheren besondern Nationalität vertilgt und das Menschh ei'tliche im jüdischen' Knaben und im jüdischen Mädchen, m i t d e m % e i t l i ch V a terländischen v er sch m o lz en, für den Staat, zu Gunsten der Mitbürger, zur Ehre des politischen Gemeinwesens entwickelt werden. Jeder Beitrag zu einer solchen Unterweisung, jede Vorschrift zur Lösung dieser Aufgabe , muß uns daher willkommen, sein; doppelt willkommen, wenn sie auf das zarteste Alter, die Kleinkinderwelt, der wir Alle das Beste gönnen, der aber Wenige das Geeignete zu geben im Stande sind, berechnet ist; dreifach willkommen endlich, wenn die Auswahl von tiefer Innigkeit, einem liebevollen Herzen, religiösem Gemüthe und psychologischem Studium des kindlichen Geistes zeugt. Denn nach der Ergründung der wahren Bedürfnisse des Kindes ist nichts schwieriger als die Befriedigung derselben; wenn irgendwo, so muß hier ein strenges Maaß beobachtet werden, damit nicht das Zuviel die Empfänglichkeit zerstöre, das Zuwenig zu selbst eigener willkürlicher, Beschäftigung der Phantasie verlocke. Alles Unreine muß, wir sich von selbst versteht, sorgfältig abgewehrt werden, aber auch das Muffige, Tändelnde, Spielende darf nicht, dem Unkraute gleich,.unter der jungen Saat wuchern. Diese Spinnrockengeschichten, diese Ammenmährchen, an denen sich ein allem Leben mt Staate und in der Wirklichkeit entfremdetes Zeitalter ergötzte, sie taugen nicht für ein Geschlecht, das sich orientalischen Gelüsten mehr denn je entziehen muß, um in heimischer Erde feste Wurzeln zu schlagen. Ich will damit