Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1843)
- Article
- Waren: Das "Abendblatt" über die synagogalen Verbesserungen im Herzogthume Meklenburg-Schwerin
- Date
- 1843-07-18
- Page
- Seite 227 (sequence 1)
- Language
- German
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227 Wttven, 3. Juli. Daß durch den Einfluß und das segenreiche. Wirken des eben so gelehrten, als für alles Wahre und Gute< begeisterten und eifrigst bemüheten Hrn. Dr. Holdheim, der Sinn siir religiöse Bildung, und Erleuchtung sich auch .unter unftrn Glaubensbrüdern in. Meklenburg Bahn gebrochen, hat sich jetzt durch die enthusiastische Freude, womit die, vor wenigen Lagen veröffentlichte und bereits in allen Synagogen des Landes eingeführteSynagogen- Ordnung von allen Gemeinden ausgenommen worden ist, auf das Glänzendste bestätigte Einen darauf bezüglichen Artikel, den die jüngste Nummer des freimü thig e n Abendblattes enthielt, erlauben wir uns, den geehrten Lesern des Orients wörtlich mitzutheilen. „So eben erschien in der Kürschner'schen Verlagshandlung (in Schwerin): „Synagogen-Ordnung für die Synagogen des Großherzogthums. Meklenburg-Schwerin unter allerhöchster Genehmigung jestgefttzt von dem Großherzöglichen israelitischen Oberrath in Schwerin." Es ist dies eine Erscheinung, die von allen Israeliten, welchen die Erhaltung und Befestigung des ehrwürdigen Gebäudes ihrer Religion wahrhaft am Herzen liegt, wie überhaupt von allen Freunden des religiösen Fortschrittes mit Begeisterung und Liebe begrüßt wird. Nicht sowohl ein Buch, sondern ein Ereigniß ist es, das von dem wohltätigsten Einfluffe auf die Bekenner des mosaischen Glaubens in Meklenburg-Schwerin sein muß, indem es keinen andern Zweck hat, als ihre gottesdienstlichen Gebräuche zu läutern, ihren religiösen Sinn zu wecken und zu beleben, und dadurch einen sittlichen Lebenswandel unter ihnen zu befördern. Ein Ereigniß von solcher wichtigen Bedeutsamkeit kann von der vaterländischen Presse unmöglich übersehen werdm, es ist vielmehr Pflicht dieser Presse, deren Aufgabe es sein muß, auf alles Gute und Edle im Vaterlande aufmerksam zu machen, eine so hervorragende Erscheinung, wie die neue Synagogen-Ordnung, in ihr rechtes Licht zu stellen, und das um so mehr in einer Zeit, wo auf der einen Seite der herzloseste Indifferentismus, auf der andern Fanatismus und Verketzerungssucht sich in den beklagenswertesten Wirkungen und Folgen zeigen." „In dem Vorbericht des angezeigten Werkes spricht sich der Oberrach selbst über die Nothwendigkeit aus, die ihm eine S.-O. zu entwerfen und festzustellen gebot. Die „Gottesdienst-Ordnung für die Synagogen des Königreichs Würtemberg" ist dabei zu Grunde gelegt, und nur hier und da sind einige Abänderungen vorgenommen worden, wo solche nach den .örtlichen Verhältnissen der inländischen Iudengemeinden erforderlich schienen. Der Oberrath, der aus zwei landesherrlichen Kommissarim (den HH. Geheimen Kanzleirath Müller und Schulrath Meyer in Schwerin), dem Lande s - R a b bi n e r und einem Rathe von fünf aus den isr. Gemeinden erwählten Mitgliedern besteht, fühlte sich von den dringendsten Bedürfnissen zur Feststellung dieser, für alle Landesgemeinden ncrmirenden, S. - O. angeregt, und er hat seine Aufgabe auf eine so entsprechende Weise gelöst, daß, wie der allerhöchsten Genehmigung, so auch ihm die dankbarste Anerkennung zu Theil werden muß. Die Gesichtspunkte, von denen die hochherzigen Männer ausgegangen, die Gewissenhaftigkeit, die sie bei der Prüfung und Abwägung.derähnen vorliegenden Verhältnisse an den Lag-gelegt, verdienen die all-. gemeine Beachtung aller derer, welche für ein so hohes Gut, wie es die religiöse Ueberzeugung und Bildung der Nebenmenschen ist, aufrichtig beseelt sind. — Die Erweckung und Belebung -der wahren Religiosität bezweckt hier zugleich eine innigere Vereinigung und Zusammenhaltung Israels als Eine Glaubeusgemeinde. „Die von den Männern der großen Synagoge rfrun;riÖib:^650N verfaßten Gebete und eingeführte Gottesdienst-Ordnungheißt es pag. 5 des Vorberichtsentsprach diesem Zwecke eben so sehr, als sie ursprünglich höchst einfach und würdevoll war/ Allein in Folge von Jahrhunderten, wo die Synagoge ohne alle Aufsicht war,'wich man nicht nur von den alten ehrwürdigen Gebräuchen ab, sondern es schlichen sich viele' Misbrauche in die Synagoge ein/ ünd besonders wurde in den Zeiten schwerer Bedrückungen die Gebetordnung mit vielen Bestandteilen vermehrt/ welche unsrer Zeit glücklicherweise nicht mehr angemessen sind. Zugleich entstand durch die Verschiedenheit der Gemeinden und ihres religiösen Sinnes und Geistes eine auffallende Verschiedenheit in den Gebräuchen die ebenfalls höchst störend auf das Gänze einwirkt". Mit diesen Worten begleitete u. A. die Lsrael. Ober-Kirchen-Behörde Württembergs dt Entwurf ihrer G.-O., und es sind dieselben Worte, die im Gefühle der reinsten Wahrheit auch von unserm Oberrathe anerkannt wurden, indem auch er sich berufen erachtete, diesen Uebelständen abzuhelfen, 'so wie die Würde und die Ordnung bei dem öffentlichen Gottesdienste und seinen Gebrauchen wieder herzustellen und eine Gleichförmigkeit zu erzielen. Auch seine Absicht ist nur, die ein zige: das ehrwürdige Gebäude der Religion zu erhalten und zu befestigen. „Und da der öffentliche Gottesdienst'die Grundlage und der Träger dieses Gebäudes ist, so ist es umso mehr dringende Pflicht derjenigen, die für dessen Erhaltung ünd Befestigung zu wirken die heilige VerantwcMtung übernommen haben, Alles aus dem Gottesdienste zu entfernen, was ihm namentlich in den letztern Zeiten einen großen Theil seiner Würde, und mit dieser seiner Wirksamkeit geraubt, und hierdurch das ehrwürdige Gebäude in seinen Grundfesten erschüttert hat", (pag, 6 u. 7 d. Vorb.) „Indem wir nun die Motive, welche zur Entwerfung und Herausgabe dieser S.-O. die Anregung gaben, vorläufig angedeutet zu haben glauben, die nähere und kritische Würdigung des Werkes, aber andern, zu diesem Zwecke geeignetem Organen: überlassen müssen, sprechen wir. zum Schluß. noch unsre aufrichtigen und herzlichsten Wünsche aus .für den guten'Erfolg dieser zeitgemäßen gottesdienstlichen Verbessexungen, für die friedliche Beseitigung jeglicher Misverständnisse, sowie endlich für die den Anforderungen der G erech Li gkeit und der Humanität entsprechende, cheiß. ersehnte 29 *