Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1843)
- Article
- Mannheim: Zustand der israel. Schule in Baden
- Date
- 1843-07-18
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
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- 226 - terricht-in eben; verschiedenen Religionslehrgegenständen angewiesen,Hatten keinen andern Zweck als die Jugend zu Juden zu bilden und sie deshalb sowohl mit den Satzungen und (Zeremonien des..Jud.entzhums bekannt zu machen und dadurch für die Synagoge pbrzubereiten, als auch^ recht eigentlich in^ das jüdische Leben einzuführen. Der Unterricht in diesen Anstalten begann damit, daß das Kind — in der Regel von seinem 5. Jahre an — Hebräisch lesen, einige, alltäglich zu sprechende hebräische Gebete -und Segensprüche auswendig lernte. Mit dem sechsten Jahre wurde der Knabe zum Lesen und Uebersetzen des Pentateuchs, auch bisweilen einiger Gebetstücke angehätten -); das Mädchen lernte jetzt Jüdisch-Deutsch lesen und schreiben; es im Religionsgesetze zu unterrichten, ist von den Rabbinen verpönt. -Bei etwas reiferem Alter, nachdem der Knabe eine MMich'e.;copia:: verborum gesammelt hatte, mußte er Heu., Pentateuch-mit einem Kommentare lesen, der nach Geist, Form und Inhalt, die beste Einleitung in das Studium des Talmuds abgeben konnte, welches Letztere, an sich schon als sehr verdienstlich und Gott wohlgefällig angesehen, die höchste aller Erkenntnisse verschaffen sollte. Hebr. Grammatik, wovon der Lehrer höchst selten etwas wußte, und sonstige Hilfsmittel der Hermeneutik zum Verständniß der Bibel wurden verschmäht; denn nicht der schlichte Wortsinn derselben durfte hier gelten, sondern die Deutung, welche die Rabbinen, mittelst deren eigenthümlicher Jnterpretationsweise, hmeingelegt hatten, und der sich das Wort akkömodiren mußte. Da das Erlernen der heil. Schrift nur alsPropa'deutikfürdasStudium des Talmuds angesehen wurde, so konnte man sich begnügen mit der Kenntniß des: Pentateuchs, und selten lernte der Schüler die Propheten und Hagiographa (er) kennen, es sei denn, die Cirate des Talmuds hätten ihn darauf verwiesen. Viele Rabbiner sogar' waren so wenig mit der Bibel — den Pentateuch abgerechnet — vertraut, daß sie derm schönste und wichtigste Stellen oft erst aus der Anführung im Talmud kennen und verstehen lernten a). - 2) Der Talmud schreibt den Lehrgang folgendermaaßen vor : Mit 5. Jahren soll der Knabe die heilige Schrift, mit 10 die Mischna und mit 15 den Talmud lernen. 3) Lxempla sunt odiosa, wir würden sonst lebendige Ueberreste, von der alten in dce neue Zeit hereinragend, aufzuweisen im Stande sein. So horte Res. von einem jungen Rabbiner, dem sogar — horribüe dictu— die Prüfung von Rabbinats- und Schulamtskandidaten einigemal anvertraut worden, bei. Gelegenheit, als des Buches Sirach im Kommentar zum Talmud erwähnt wird, folgende Aeußerung: Als ich m Würzburg war,'sah ich eine Bibel von ihnen (Christen), darin fand ich ein Buch mit Namen „Sirach", welches eine Einleitung in das N. Test. ist! Der gute Mann, welchem Gfrörer's Urchristenthum doch unbekannt gebieben, Hielt wahrscheinlich die Apokryphen, weil er sie unmittelbar vor dem N. Test, vorgefunden, für die Einleitung. Von der Bibel'schen (biblischen) Geschichte erfuhr die Jugend nur so viel, als in den 5 Büchern Mesis und den Büchern Mut und Ester enthalten ist (diese letzter» gehören nämlich zum Ritus an bestimmten Festtagen, und werden deshalb in.Her Schule gelehrt), .und selbst dies durfte nicht mit dem natürlichen, kindlich unbefangenen Sinne — wie die Schrift selbst solche meisterlich zeichnet — angeschaut und ausgenommen werden, sondern durch die Brille der Rabbinen, welche jeder Gestatt und jedweder Handlung eine abentheüerliche Färbung aufdrückt. — Daß von einem geordneten, Wissens chaftlich begründeten, systematischen Religionsunterrichte in solchen Anstalten keine Rede sein konnte,, glauben wir, nach dem Bisherigen, kaum erwähnen zu müssen. Es Hehlte nicht nur an Lehrbüchern und Lehrern für den Unterricht, sondern derselbe wäre auch ganz überflüssig und zwecklos gewesen.. Das jüdische Kind durste nicht erst belehrt : werden über die Grundwahrheiten der jüd»-Religion: von Gort, seinen Offenbarungen und seiner Weltregierung, von dem Berufe und den Hoffnungen Israels, da es aus dem Buche Gottes selbst seine eigenen Worte hörte, dessen Gebote Verheißungen und Warnungen vernahm, dessen . wunderbare Leitung der menschlichen Schicksale gleichsam mit Augen sah und solchergestalt von Gottes Sein und Watten ganz erfüllt wurde. Zweifel aber an der Wahrhaftigkeit des heiligen Buches konnte in dem jungen, unverdorbenen Gemüthe nicht von selbst aufkeinen, und von Außen ihn hineinzutragen war weder Veranlassung noch Gelegenheit vorhanden; der Glaube bedurfte somit nicht zu seiner Stütze der Krücken des menschlichen Verstandes, noch desselben Rüstzeuges und Waffen, um die etwaigen Angriffe der Skepsis und des Unglaubens abwehren zu können. Wie man indessen auch über das bisher dargelegte Unterrichtssystem denken und was man dagegen Vorbringen mag, immerhin war es konsequent und hat seinen Zweck vollkommen erfüllt. Wie es in dieser Hinsicht mit dem gegenwärtigen Lehrverfahren stehe, wollen wir nunmehr untersuchen. (Forts, folgt.) Leipzig, 4. Juli. Die D. A. Z. vom 25. Juni enthalt einen gewaltig breiten Artikel aus- Straßburg über die Civilehe zwischen Juden und Christen. Der Verfasser scheint Anfangs nicht recht gewußt zu haben, ob er sich pro oder contra aus sprechen' soll; allmalig scheint indessen seine Courage durch den bekannten Spruch: clocenäo dLscismus etwas gewachsen zu sein, denn, wenn wir ihn wirklich verstanden haben, so dekretirt er zu guter Letzt: „Es dürfen zwischen, Juden und Christen Civilehen geschlossen werden". — Man merkt der D. A. Z. nur zu sehr an, daß sie über Preußen nicht sprechen darf, über Constitution, Geschwornengerichte re. nicht sprechen will; da sind die Juden vortreffliche Lückenbüßer; über die kann man ja das Ungereimteste und Zerfahrenste ungestraft drucken lassen. 0 8ancta simplicilas!