Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1843)
- Article
- Mannheim: Zustand der israel. Schule in Baden
- Date
- 1843-07-18
- Page
- Seite 225 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studien und Kritiken N'r r S£ Mische Geschichte und Literatur. Man abonnirtbei allen löbl. Postämtern und Herausqeqeben allen solid. Buchhand- < ö lungeir auf ein Jahr. ^on Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 189. Leipzig, den 18. Juli 1843. Deutschland. Mannheim. Zustand der Israel. Schule in Baden. (Forts.) Leipzig. Die D. A. A. über die Civilehe zwischen Juden und Christen. Waren. Das ,,Abendblatt" über die synagogalen Verbesserungen im Herzogthume Meklenbnrg- Schwerin. Verdienste des Rabb. Holdheirn. Hamburg. Wochenbericht. Breslau.-Schluß des Berichtes über dasWirken des jüd. Lehr- und Lesevereins. Schwerin. Jüd. Zustande im Großherzogthum Meklenburg - Schwerin. — Lickt - u. Schattenbilder aus d. jüd.. Geschickterer Vergangenh. u. Gegenwart. Der jüd. Volkscharakter. V. Dr. Lowositz. — Miscellen. ■— LB. des Or. Deutschland. Mannheim, l6. Juni. (Fortsetzung.) Wie wir diese erfreulichen und anerkeunungswerthen Fortschritte in unseren jüdischen Schulwesen'zunächst und vornehmlich der väterlichen Sorgfalt und weisen Leitung unserer hohen Staatsregierung verdanken l), so dürfen wir ebenfalls nicht verkennen, daß der innerhalb der. jüdischen Gemeinde einmal geweckte und immer mehr sich kundgebende Lichtgeist, sowie der hingebende Eifer für das zu erstrebende Gut einen guten Lheil mir zur.Erreichung dieses Zieles beigetragen haben; denn das Opfer, 'das nt diesem Behuse von Seiten der Juden gebracht werden mußte, ist wahrlich nicht genug zu achten. Neben dem ansehnlichen Auswande für den Kultus^ das Rabbinat, die Armen- und Krankenpflege u. a. m., welchen eine jede jüd. Gemeinde für sich allein zu tragen hat, übernahm man noch bereitwillig die Kosten einer eigenen öffentlichen Schule, so daß nicht selten eine Gemeinde von 15—20 jüd. Familien für ihren Bedarf 6—700 fl. jährlich aufzubringen hat. So befriedigend wir. indessen das jüd. Schulwesen und seine. Leistungen iw Allgemeinen befunden haben, so woht- 1) Mt besonderer Verehrung und Dankbarkeit gedenken wir hier der hohen Verdienste, wie in den jüd. Angelegenheiten überhaupt, so ganz vorzüglich in Beziehung aus die günstige Gestattung des jüd. Schulwesens, des ehemal. Mim'sterial - Kommissärs beim -Israelit. Oberrathe, Herrn Beck, dessen edles, segenreiches Wirken seitdem seine Nachfolger fortsetzten. thuend der Eindruck sein, mag, welchen der Ueberblick des wohlgeordneten Ganzen verschafft, so wird doch dieses Gefühl getrübt,- sobald man vom Ganzen ab aus das Einzelne, von der Oberfläche Ln das Innere sieht, und hier Mängel und Unvollkommenheiten entdeckt, die von dem schädlichsten Einflüsse sind. Solchen Mängeln und Unvollkommenheiten begegnen wir aber. manchen in der jüd. Schule, gerade beim wichtigsten und einflußreichsten Lehrgegenstande, bei dem . Religionsunterrichte. Fern sei es von uns,, behaupten zu wollen, daß, während der übrige Elementarunterricht einen so erfreulichen Fortgang genommen, der Unterricht in der jüd. Religion allein jeine alte Form beibehalten habewir erkennen vielmehr gern an, daß auch hierin eine bedeutende Umwandlung und wesentliche Fortschritte geschehen ftnb. Noch weniger möchten wir mit dem starren Anhängern des Alten und den Verächtern alles Neuen, der früheren Lehrmethode — sit venia vei’bo — in der jüd. Religion, vor der nunmehr gültigen, den Vorzug geben; wir müssen vielmehr einräumen, daß die jetzige Lehcweise sich nicht allein vortheilhast vor der srühern auszeichnet, sondern hatten uns sogar überzeugt, daß die letztere von Ansange schon ganz (ver)fehlt, nun aber völlig unbrauchbar geworden ist. Ja, wenn wir uns mit dem gegenwärtigen Verfahren beim jüd. Religionsunterrichte nicht ganz zufrieden geben können und uns zu manchen Ausstellungen genöthigt sehen, so rührt ein großer Theil derselben eben daher, daß man die alte, einmal zweckwidrig befundene Lehrsormnoch nicht ganz.ausgegeben hat, sondern sie theilweise neben der neuen fortbestehen läßt. Die ehemaligen jüd.' Schulen, ausschließlich auf den Un- 29