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Der Orient · 1843-07-11 · Heft 28 (11.7.1843) · p. Seite 221

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 28 (11.7.1843)
Article
Frankfurt a. M.: H. Lehren und die paläst. Spenden
Date
1843-07-11
Page
Seite 221 (sequence 3)
Language
German
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- 221 - Unterschrift Gagins beisetzen!! Wie heißt nun aber ein solches Verfahren in der offiziellen Sprache der Man- - ner des Gesetzes? Und wie , wird im gewöhnlichen Geschästsleben eine solche absichtliche Verfälschung getrachtet? Ist auch Herr L. weder Philosoph noch Theolog, weder ein Gelehrter noch ein Schciftkundiger, so ist er denn doch ein Geschäftsmann , und noch dazu ein Renomirter, und ein solcher soll und muß von Rechts- : wegen wissen, daß man mit fre.mden Unterschriften noch weit behutsamer verführen muß, als manche Leute mit fremden Spenden zu thun beliebten. Äüir verabschieden uns von Herrn L. unter dem aufrichtigen Wunsche, daß er die armen Brüder in Palästina nicht auf Kosten seines Stolzes und seines Eigensinnes aufopfern, und ebenfalls lerne, daß man Pri-; vatsympathien und Privatrücksi'chten für das Wohl seiner Nebenmenschen bei Seite setzen muß, wenn man nicht den Tadel der Selbstsucht auf sich laden will» ' Raphael Kirchcheim, Hamburg, 30. Juni. (WB. v? 22-^30. Juni.)! Das kürzlich erschienene Werk des Prof. Ad. Franck über die Kabbala ist, wie bereits erwähnt, durch den vormaligen 'Unterrichtsminister Cousin der Akademie der; politischen und moralischen Wissenschaften überreicht worden. Es geschah dies in der Sitzung vom 10. Juni. Herr Cousin erwähnte zuvörderst, daß kein europäisches- Land bis jetzt eine genügende Bearbeitung dieses reichen und interessanten Stoffes aufzuweisen habe, und daß; selbst Tennemann, der bekannte Geschichtschreiber der! Philosophie, wegen seiner Unkunde des Hebräischen und ' des Syrischen mit unkritischen und aus trüber Quelle fließenden Bemerkungen sich begnügt und seine Leser abgespeist habe. Herr Frnnck besitze einen eminent kritischen Geist, eine-große Kenntniß aller philosophischen Materien, und sei des Hebr. und Syr. in hohem Grade kundig. Schon früher habe er (Franck) zwei Denkschriften dem Urtheile der 'Akademie Vorgelege, nämlich 1) eine Diskussion über die Auchenticitöt des Sohar, und des Buches der Schöpfung (Hvre cle 1a erention)-; 2) eine Auseinandersetzung der -in diesen alten -Schrift denkmatern enthaltenen Lehre. Herr -Franck, fügte-Cousin hinzu, sei einer der ausgezeichnetsten 'philosophischen. Professoren der Pariser Zlkademie- und Israelit. Seit mehren Jahren als -Professor (am «College Charle-;j luagoe) angestellt, habe er seitdem seinen Ruf immer mehr!! gerechtfertigt und cerhöht. 'Nirgends lasse -er ln feinem Werke ein religiöses Vorurtheil blicken. So gebe auch ’j ec durch seine Person und seinen -Lehrstoff den sichersten Beleg dafür, daß die Pariser Universität und das gesammte höhere Unterrichtswesen in Frankreich über die in neuerer Zeit so oft wiederholten gehässigen Anschuldigungen erhaben sei.und daß.volle, wahre Lehrfreiheit existire. Wie sehr überhaupt die Toleranz dort Wurzel gefaßt, haben wir neulich erst aus dem Beispiele des polnischen Katholiken, Jean (eigentlich Jan d. h. Johann) Czynski gesehen. — Um indessen gerecht zn sein, müssen wir auch einen jüngst in Deutschland vorgekommenen schönen Zug der Duldung und Anerkennung nicht mit Stillschweigen übergehen. Im Monat März war in Berlin der Grundstein zu einem neuen jüdischen Hospitale gelegt worden. Bor einigen Wochen schlug nun einer der Stadtverordneten Berlins vor, man möge die neue Stiftung auch aus städtischen Fonds unterstützen. Er motivirte seinen Antrag zunächst dadurch, daß die Juden Berlins schon seit fast einem Jahrhunderte, -besonders aber seit den letzten 30 Jahren, ungeachtet sie die Last der Versorgung ihrer eigenen Armen und Kranken zu tragen gehabt hätten, stets gegen christliche Wohlthärigkeitsanstalten aller Art hilfreich gewesen waren. Besonders seien viele Legate aus jüdischem Wohlthatigkeitssinne entsprungen. Es sei daher' Pflicht der Kommune Gutes mit Gutem zu vergelten. — Die Stadtverordnetenversammlung (in welcher nur noch ein Jude sich befindet) nahm den Vorschlag mit großer Majorität an und beschloß, dem neuen -jüdischen .Hospitale -eine Summe von 2000 Thlr. zu -bewilligen. Dieser Beschluß -verdient auch, abgesehen von seiner Humanität, schon darum Beifall, weil bekanntlich hie städtische Verwaltung Berlins, eine nber sehr karge Mittel gebietende und ihre Ausgaben kaum zu decken -im Stande Ist. — Schwerin, Ende Mai. (Fortsetzung.) In-. Malchin ist der bisherige Synagogendiener wegen befundener Unfähigkeit von der dortigen Gemeinde seiner Funktionen enthoben worden. Das Resultat einer anderweiten Besetzung der erledigten Stelle ist mir bis jetzt noch unbekannt, doch läßt sich von der einsichtigen und religiös ge- .sinnten Gemeinde erwarten, daß sie für eine baldige zweckmäßige Besetzung nach Kräften Sorge tragen wird. In Laa ge. fungirte ein durch seine innern Fähigkeiten wohl qualificirtks aber wegen eines organischen Fehlers, Stotterns, zum Lehrfache ungeeignetes Subjekt, besten Entfernung die Gemeinde beschlossen. Von einer anderweiten .zweckmäßigen Besetzung ist mir bis jetzt noch keine Anzeige gemacht worden. In .Penzlin, wo es viele unverheirathete Mitglieder .giebt, hielten die wenigen Hausväter bis-jetzt einen Privat- Xfyxw, -ber nebst dem allgemeinen wissenschaftlichen auch den .religiösen.Unterricht der dortigen Jugend ertheilt, wobei noch außerdem rin Schächter und Vorbeter von Gemeinde wegen angestellt ist. In Boi zen b u.r g und Gad ebusch sind die Stellen eines Religionslehrers —- in letztgenannter Gemeinde mit einem Inländer — nur mittelmäßig besetzt. Jedoch sind, es sehr gelehrige und strebsame junge Leute, die manches Versäumte durch Fleiß im Selbstunterricht und in der Schule nachzuholen und auszugleichen suchen, Von den in Parchim und Malchow zu Michaelis v.

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