Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1843)
- Article
- Frankfurt a. M.: H. Lehren und die paläst. Spenden
- Date
- 1843-07-11
- Page
- Seite 220 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360285-2369858--3645-2369900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
220 weil seine blindest Anhänger uns immer glauben machen wollten," sein persönliches Auftreten am hiesigen Orte, in der einen Hand seine Bücher und in der andern die i -Korrespondenz, werde seinen Gegnern selbst zu dem Be- : 'kenntniß zwingen: daß seine Amtsführung die musterhafteste, sein Wicken segenreich und heilbringend für unsere Bruder in Palästina sei. Wir haben aber zu 'unserem aufrichtigen Bedauern 'dieses BekeUntniß nicht -abzulegen;-denn Herr L. ist; wohl hier, hat jedoch weder öffentlich 'Rechnung abgehetzt, noch die Kontribuenten zu einem Einsi'chtnehmen von den Büchern und der Korrespondenz aufgefordert, sondern sich bisher darauf beschränkt, -einigen gläubigen Seelen seinen ckasidischstt Segen zu ertheilen. - Der Zweck von Herrn L's. Anwesenheit ist aber, 1. -mittelst des wohlbekannten Nimbus seiner, von ihm selbst unbegriffenen, chasidaischen Lebensweise, und durch -den 'Glanz seines Reichthums die frühem Kontribuenten WM spatem Streitenden ffür die Fortsetzung ihrer Beitrage zu gewinnen; 2. das von der hochherzigen Rothschild'schen Familie bestimmte Kapital zur Errichtung eines Hospitals und einer Schule in Jerusalem für einen hohem, großem und humanern Zweck zu reklamiren, nämlich dieses bedeutende Kapital als Grundstück der von ihm so musterhaft verwalteten Unterstützungsgelder in Anspruch zu nehmen. Seine Ansprüche hierauf sind in der Thal schlagend und unabweisbar; Kranke fanden nämlich schon im englischen Misflons-Hospital Aufnahme und Pflege, oder konnten ungestört auf ihrem Lager —sterben; die Jugend konnte lehrreichen Unterricht genießen in den „ban-; kerreichen^ Lehr Hausern, in denen der Sohar und das! Psalmenlesen Geist und Herz hinreichend veredle und bilde, um nützliche Menschen heranzuziehen; aber die noch füglich nach Palästina wandernde Schaar von heiligen Männern und polnischen Chasidim, die weder: Handwerker noch Feldarbeiter noch Handelsleute sind, diese müßten doch erhalten, genährt und gepflegt wer- den, damit die Banke nicht leer, und Sohar und -Psal-! men fort tecitirt werden rc. Emen gleichen Zweck hatte Hm. L's. Reift nach! London, woselbst b ed e u t ende ' S u m men *) zur Ec-j richtung des Hospitals gezeichnet wurden, aber weder! hier noch dort vermochte er die für Humanität und wahre! Religiosität bezeichneten - Männer für sein e Zwecke zu! gewinnen. Ob die hiesigen Remitenten sich von seiner! Persönlichkeit zu deiner Fortsetzung der Spenden bestim-! men lassen, 'steht nun freilich 'dahin, da der biedere Mon-! *) Sir Montefiore hat verflossenen Winter, wie uns be-' richtet wurde, ergends eine Reise nach Paris unternommen,! um Vas Haus Rothschild für die Gründung des Hospitals zu gewinnen, wozu er-selbst 800 Pfund Sterl. Unterzeichnete, und seine Mitbürger ihm hierin nicht nachstandm. tefiore bereits die Besorgung und richtige Vectheilung der ihm zu diesem Zwecke zukommenden Gelder in einem Schreiben an Herrn L öwen stein bereits zugesagt har. Es dürste aber kaum nörhig sein, auf die Vorzüge einer solchen Besorgung vor dem holländischen Chasidim- Kanal hinzuweisen , da. hier , wenn wir auch von . allem andern abstrahiren, der materielle Vortheil hervorttitt, daß alle Gelder Spesenfrei remittirt werden, wahrend das holländische Komitv bedeutende Spesen in die Ausgaben aufbringt. So sahen wir z. B. .auf einem kleinen Zettellchen des Hrn. L. als Rechnungsablage, der unter dem Namen nwiri-riDnrv, für die bei einem Erdbeben verunglückten Städte Zefat und Tiberias veranstaltete Kollekte, hierhersandte, einen Posten von -592 fl. für virpn (Porto) aufgebracht. Fm diejenigen jedoch, welche ihre Beitrage dem amst. Komito anvertrauen, dürfte es vor Allem wenigstens ge- 'rathen erscheinen, 'folgende Bedingungen an die Uebergabe von 'Geldern an Hm. L^und Konsorten zu knüpfen: a. Von jetzt an keine neue ohne Nahrungsguellen oder Ernährungsfahigke'it nach Palästina Wandernde zu unterstützen, hingegen jüdische Handwerker und Feldarbeitec rc. allen möglichen Vorschub zu leisten, und 1). über Einnahme und Ausgabe öffentlich Rechnung abzulegen-; da 'der ^richtige Abschluß der Bücher,' die noch dazu nur Wenigen zu Gesicht kamen, an und für sich durchaus kein Beweis von der richtig gebuchten Einnahme und der zweckmäßigen und richtigen Verwendung der Gelder im Sinne der Kontribuent e n zu liefern vermag. Herr Lehren, der in seiner asketischen Lebensweise von jedem frömmelnden Polen Lehre annimmt, sollte es wenigstens nicht unter ffeinec'Würde halten, von dem -hochherzigen Montefiore zu lernen, wie man öffentlich e G e l der -v-er-w alt e t. Derselbe hat bekanntlich, außer der auf seine Veranlassung in -den jüdischen Blättern abgedruckten osficiellen Abrechnung der zur Erbauung einer Synagoge nach Jerusalem gesandten Beitrage , der kleinsten jüdischen Gemeinde, wenn' sie auch nur Einen Schilling hierzu kontnbuirt chatte, eine Originalqmttung von den Synagogenvorstehern in Jerusalem, mittelst des hiesigen Rothschild'schen Hauses zugefenbeti — Hr. L hat ferner zu lernen, wie man die -Achtung vor dem Publikum nicht verletzen-darf, und selb stg esch [offene Do kum en te,!die in wer Originalschrist vorliegen, auch in einer Ueberfetzungltreu -und NB. re dli ch wiedecgeben müsse. Wir -chatten nämlich jüngst im „Orient^ gerügt, daß in dem berüchtigten jerusalemitanischen Sendschreiben -nur - das Siege l des Räbbinatsassessors Gagi n abgedruckt ist, dessen Unterschrift aberdie allein das Sieget der Echtheit tragen könne, fehle. Herr L. ließ daher m der Ueberfttzung jenes Sendschreibens das Siegel hinweg, und'dafür ohne Weiteres die auf dem Original nicht befindliche