Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1843)
- Article
- Der Emancipationskampf im Friesenland
- Date
- 1843-07-04
- Page
- Seite 215 (sequence 3)
- Language
- German
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215 vielleicht einmal begehen könnte, die dem Jüngling und der Jungfrau eine Zukunft versagen, für die sie als Menschen geboren, die den Vätern und Müttern die Wege versagen, rechtlich und redlich für die Ihrigen zu streben; Fesseln, die für die Juden das zum Verbrechen stempeln, was allen übrigen Menschen der natürlichste und loyalste Gebrauch ihrer Kräfte ist; Fesseln, die das als des Glückwurss höchstes Loos den Juden sein lassen, was für alle übrigen Erdensöhne als freies Pathengeschenk in die Wiege fällt, die dem Juden das Recht, das von keiner Verjährung, von keiner Abstammung, von keinem Menschenwort dem Menschen zu raubende Recht verkümmern, auf dem Boden, der ihn geboren, seine geistigen und materiellen Kräfte frei in dem Wege des Rechts und der Pflicht zu üben. Solche Freiheit wird uns werden, und in solcher Freiheit wird das Judenthum aufblühen, wird der Staat gewinnen, aber des größten Gewinnstes — wir sagen es mit dem Votanten — wird sich das Christenthum zu erfreuen haben. Wird gleich kein Bekenner des Judenthums durch die Emancipation der Kirche zugeführt, ja werden die Geschäfte lockender Missionare noch weniger gelingen, da ihnen der Vortheil bürgerlichen Gewinnstes nicht mehr als Kaufpreis dienen kann — dennoch wird das Christenthum mehr noch als das Judenthum durch die Emancipation der Juden gewinnen. Denn höher noch als die Emancipation der Juden wird die Emancipation der Christen auf der Wagschale des ewigen Richters wiegen, die in der Emancipation der Juden ihren Ausdruck finden wird. Dem Juden werden die Bande von Hand und Fuß fallen , aber der Christ, der sie lös't, wird damit sich selber erlöset zeigen von der Schmach tausendjähriger Versündigung, wird damit zeigen, daß er selber den Sieg errungen habe über Engherzigkeit und Vorurtheil, zeigen, daß es ihm Ernst sei mit (in) der Erkenntniß und Verehrung des einigen allgerechten Gottes, und er in der Religion, die er so gerne die Religion der Liebe nennt, nicht verlernt habe, die Pflichten der Gerechtigkeit zu üben. Nicht wir Juden daher, alle wahren Christen sollten zu Gunsten der Judenemancipation unablässig wirken, und darum, sagen auch wir mit dem Vorum, sollte über die Emancipation der Juden in allen christlichen Staaten nur Eine, und zwar eine bejahende Stimme sein. Emden, im Februar 1843. Hirsch. (Fortsetzung folgt.) Politische Analekteu. I. Aufschwung des Judentums. (Aus dem Königsberger Literaturblatt, von Dr. Alexander Jung. Zweiter Jahrgang. Nr. 5. Sonnabend den 15. April 1843.*) Wir können es aus dem Gesichtspunkte der wahrhaft absoluten Religion (?), für die wir die Notwendigkeit einer ganz neuen philosophischen Fassung bereits früher angedeutet haben, nur ersprießlich finden, daß auch das Judenlhum sich in sich selbst fixirt, und dadurch zu einer geistigen Erstarkung gelangt. Es wird auch diese Erscheinung dazu beitragen, diejenige Richtung vollends in den Hintergrund zu drängen, welche durch die bloße individuelle Bildung alles eigentlich religiösen Lebens entbehren zu können wähnt. Es ist dieser Wahn der schwachköpfigste Rausch, den sich je eine schwärmende Jugend und einige alte Gesellen mit ihr zugezogen haben. Das wahrhaft klägliche Spiel einiger Eintagsfliegen, im Scheine eines Lichtes, dem sie, verblüfft genug, entgegenfliegen. — ') Das Könkgsb. Literaturblatt wurde gegen Ende des I. 1841 gegründet, aber im Jahre 1842 plötzlich und auf eine wirklich unerklärliche Weise verboten. Seitdem hat der Redakteur, Dr. A. Jung, der sich sichtbar zu Schelling hinneigt, aber doch dem polit. Liberalismus huldigt, die Erlaubniß erhalten, sein Blatt wieder erscheinen zu lassen. Seit dem J. April hat es denn von Neuem im Verlage von Gerhard in Danzig begonnen (wöchentl. 2 Numm ern in halben Bogen in 4). l Wir wollen nur wünschen, daß das Judenthum bei jenem > lobenswerthen Unternehmen sich nicht in einen Positivismus des Ueberlebten wieder einfangen lasse, zu dem eine falsche Verehrung der Antiquität leicht führen kann. Daß aber das Judenthum wirklich in einer organischen Weiterbildung begriffen ist, und sich stark genug fühlt, auch geistig, durch die Macht der Gedankenenrwickelung, auf sich selbst zu fußen, um eines der Hauptmomente religiöser Weltanschauung zu repräsentiren, und einen so wichtigen Volksgeist (?) zu erhalten, das beweisen viele Erscheinungen auf dem jüdischtiterarischen Gebiete. Speciell aber führen wir eine Schrift an, die uns Ln dieser Beziehung sehr wichtig zu sein scheint: „Zur Charakteristik des Religionswechsels. Sendschreiben an einen jüdischen Familienvater. Von Dr. Isaak B. L o wo sitz. Königsberg, bei A. W. Unzer, 1840".**) Was uns den Verfasser dieser Schrift so liebenswürdig macht, ist seine Entschiedenheit, ist die Gewissenhaftigkeit und Bestimmtheit, mit der er sein Credo ausspricht, und es in seiner Weise denkend motivirt. Vor Allem aber ist es die Lauterkeit **) Der „Orient" hat bereits im I. 1842 das obengenannte Buch verdientermaaßen empfohlen. Wir stimmen in das Lob aus voller Seele ein und bedauern nur, daß die Schrift zu wenig populär gehalten ist, um unter unfern Glaubensgenossen, wie sie meist noch in kleineren Städten befähigt sind, auf einen größeren Leserkreis hoffen zu dürfen. — Hr. Dr. Lowositz ist auch Mitarbeiter am Königsb. Literaturblatt (vgl. Nr. 5 u. 6 d. Jahrganges, wo sich ein gehaltvoller Aufsatz mit der Ucberschrift: „Hoffeste — Hofdichtung" von ihm findet). Red.