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Der Orient · 1843-07-04 · Heft 27 (4.7.1843) · p. Seite 214

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 27 (4.7.1843)
Article
Der Emancipationskampf im Friesenland
Date
1843-07-04
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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- 214 - sich m christliche Bethäuser verwandeln. Sind sie förmlich, ohne irgend einige Clauseln, als Staatsbürger ausgenommen, sind sie, wie jedes christliche Staatsmitglied, befugt, Gewerbe zu treiben, Grundbesitz sich zu erwerben, Staatsä'mter zu bekleiden, so werden sie sich ankaufen, industrielle Lhätigkeit entwickeln, zu öffentlichen Aemtern sich befähigen und bei ihrer Regsamkeit und ihrem Thätigkeitstriebe werden sie in jeder Beziehung geschickte und nützliche Staatsbürger werden. In diesem ihren neuen politischen Verhältnisse werden sie sich den Christen am ehesten und am besten nähern, sich ihnen anschlleßen, Ehen mit ihnen eingehen und mannigfaltige, bürgerliche häusliche, geschäftliche und Familienverbindungen mit ihnen anknüpfen. Und so wie dadurch nach und nach, und wenn auch nicht in der ersten doch in der zweiten Generation, ihre Nationalität verloren geht, so wird auch ihr religiöser und kirchlicher Charakter bald verwischt werden. Dann erst wird der Mosaismus sich völlig überleben und aufhören und das alte Jerusalem, das nur noch in Erinnerung und in schönen Träumen einer längst entschwundenen Zeit bestand, zum zweiten Mal ohne Schwertschlag und Brandfackel untergehen, um niemals wieder aufgebaut zu werden. Nannten wir früher die Emancipation der Juden für sie nachtheilig, so stellt sich doch jetzt klar heraus, daß aus diesem Nachtheil für sie, selbst in religiöser Hinsicht, ein großer Vortheil erwächst, indem sie dadurch Genossen einer Religionsgesellfchaft werden können, die in ihrem Glauben an Jesus, als den Weltheiland, eine unversiegbare Quelle der Wahrheit, der Kraft und des Trostes hat. Aber auch im Interesse der Christen liegt die Juden-Emancipation; denn dadurch können wir eines Theils dem Reiche Jesu eine bedeutende Anzahl neuer Unterthanen zuführen, ohne die Kosten und Gefahren einer Mission zu bestehen, andern Theils auch dem lästigen Verkehr mit einem uns bisher fremden Volke enthoben werden, welches aus den angeführten Gründen nur feindselige Gesinnungen gegen uns hegen konnte. Es sollte daher über die Emancipation der Juden in allen christlichen Staaten nur Eine, und zwar eine bejahende Stimme sein. *■) —n. 4) So weit der erste Artikel. Das hohle Raisonnement desselben, welches hinter dem Scheine der Begünstigung der Emancipation die Bekehrung sucht, den Glaubenshaß und die leidenschaftlichen und unbegründeten Anschuldigungen gegen die Juden zu verstecken vergeblich bemüht ist, wird durch die Replik des Herrn H. gebührend ans Licht gezogen. Red. Es sind auch nicht eben goldene Tage, die wir uns als nie goldener sein, als die 'aller übrigen Staatsgenossen — k Juden überall von der Emancipation erhoffen, von Fesseln, ihre Geister beugen, die ihre Gemüther beengen; Fesseln, die l tereffen dabei bestehen können? Sie sagen klüglich, sie w e rden Land und Fürst verrathen, denn Sie wissen selbst, daß sie es bis jetzt noch nicht gethan. Was sie aber thun w erden, das müssen sie auch bereits gethan haben, dafür müssen laut ünd bündig und unzweideutig die Zeugnisse zweitausendjähriger Vergangenheit reden — oder das Votum ist eine Verleumdung. Und der Verleumdung wird und muß jeder Rechtschaffene dieses Votum anklagen, wenn diese seine Insinuationen nicht entweder in optima forma widerrufen, oder dafür die vollgültigsten Beweise aus der Geschichte der Vergangenheit dargelegt werden. Denn die Juden sind nicht erst von gestern in der Mitte der Völkerentwickelung. Keine Kombination kann die Zukunft bringen, die sie nicht längst schon mit durchgelebt. An der Wiege und dem Grabe aller Staaten seit 2000 Jahren haben die Juden gestanden, haben Nationen steigen und fallen gesehen, — wo ist der Fürst, wo das Volk, wo ist der Staat, der sie des Verraths anklage? — Welche Dolche haben sie geschliffen, welche Complotte haben sie geschmiedet, welche Städte haben sie verrathen, welche Empörung haben sie gefördert, welchem. Bubenstück haben sie als ewig bereite Handlanger feil gedient — ja, welchem Staate, der auch nur den Aufenthalt ihnen gegönnt, haben sie selbst das kärglichste Gasirecht je mit schnödem Undank vergolten, gegen welchen Staat es je vergessen, daß selbst für Egypten, das ihre Leiber doch geknechtet, das ihre Säuglinge doch ertränkt, daß selbst für Egypten die Gotteslehre von ihnen fordere: „Feinde nie den Egypter an; denn Gast bist du gewesen in seinem Lande"?!!! Aber nicht nur. die Bekenntnksschriften der Juden und die Geschichte der Vergangenheit scheinen dem Votum ein versiegeltes Buch geblieben zu sein, auch die Zeitgeschichte unserer Gegenwart kennt es nicht« Ist denn die Emancipation noch ein so nirgends verwirklichter Traum, daß man über ihre Resultate nur solchen visionairen Träumereien sich hingeben dürfe? In Frankreich sind die Juden bereits seit langer Zeit vollständig emancipirt: haben die französischen Juden, oder vielmehr die jüdischen Franzosen, haben sie dadurch aufgehört, Juden zu sein? In England sind sie seit langer Zeit fast vollständig emancipirt: ist dadurch dort auch nur ein Blatt der ewig grünen Zeder jüdischer Religion welk geworden? In dem benachbarten Holland genießen die Juden bereits seit langer Zeit vollständiger Emancipation: blühet nicht dort eben jetzt jüdisches Leben in Synagoge und Schule auf? Auch im deutschen Vaterlande ist die Emancipation nicht' überall mehr problematischer Traum. In Hessen sind die Juden vollständig, in Baden, Württemberg und andern Staaten großtentheils emancipirt, und nirgends sehen wir Erscheinungen, die den Behauptungen und Prophezeiungen des Votums das Wort reden. Erfolge der Emancipation träumen — sie können ja überhaupt ohl aber ist es die Befreiung von e isernen. Fesseln, diedie die ihre Schritte hemmen, die ihre Thätigkeit begrenzen, die >en Juden in der Wiege wegen Verbrechen verdammen, die er

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