Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1843)
- Article
- Der Emancipationskampf im Friesenland
- Date
- 1843-06-27
- Page
- Seite 208 (sequence 3)
- Language
- German
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208 den christlichen Staatsbürgern gleiche Rechte und Freiheiten genießen, ohne zu-, ahnen,, daß damit ihre ganze Nationalität und ihre Religion verloren gehen. mindert euch nicht. Und suchet das Wohl der Stadt, wohin Ich euch geführt und betet für sie zum Herrn, denn nur in ihrem Wohle wird euch wohl sein!" (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseellen. Ein geistreicher Engländer John Paget erzählt in seinem Büche über Ungarn folgenden höchst charakteristischen Zug von einem ungarischen Juden. „Während wir vor der kleinen Judenkneipe in der Tyerhova nächsten Station auf frische Pferde warteten , kam einer vom Stamme Israel hinzu und fragte uns, ob wir vielleicht einige merkwürdige Felsen sehen wollten, die nur eine Viertelstunde weit vom Dorfe lägen. Während wir ihm nach der Stelle folgten, stellte er an uns jene Fragen, woher wir kämen, was wir trieben und wohin wir gingen,, die in den meisten Ländern so gewöhnlich sind, außer in England, wo sie vermieden werden, als wenn Jemand etwas triebe, dessen er sich schämte oder das er zu verbergen wünschte. Als er hörte, wir wären Engländer, fragte er mit großer Teilnahme, ob ein gewisser Walter Scott noch lebe, und drückte sein größtes Bedauern aus, als er seinen Tod erfuhr. Ueberrascht, ein solches Gefühl bei einem solchen Manne zu finden und einen Jrrthmn argwöhnend, forschte ich, was er von Scott wisse, worauf er ein abgegriffenes Exemplar einer deutschen Uebersetzung von Jvanhoe — gerade des Romans des verfolgten Judentums — hervorzog, und mich versicherte, daß er dies und viele andere seiner Werke mit großem Vergnügen gelesen habe. Ich fühlte nie die cklm- Versalgewalt des Genies stärker, als da ich den Barden Schottlands von einem armen Juden in den Gebirgen von Ungarn verehrt sah." Der ausgezeichnete hebr. Dichter, Herr Sal. Cohen (Sckjolem Cauhen) in Hamburg, hat zu 'der näherbeschriebenen Feier des Herrn I. A.. Jsle.r, mit dem er durch seinen Sohn verwandt ist, ein hebräisches GratulationsgedichL verfaßt. Eines der schwierigsten Probleme der Gegenwart ist die Anordnung eines für alle Konfessionen passenden Volksunterrichts. Am Schärfsten tritt die Schwierigkeit einer solchen Ausgabe jetzt in England hervor. Aber auch.in Deutschland ist sie in hohem Grade vorhanden. . Es, reicht nicht hin, paritätische Schulen zu empfehlen (die Humanität empfiehlt sie ohnehin); man muß genauer in die Achnlichkeiten und Verschiedenheiten der Dogmen selbst eingehen. Ein Aufsatz im Bad. Bolksschulblatt Nr.-: 5 1. Mai behandelt, ebenfalls dies Thema. Die Leser des Orients dürste.folgender Passus interesfiren: „Daß wir die israelitischen Schulen nicht auch szu den kathol. und Protest.) mit einbegreifen können, wird wohl Jedermann sogleich erklärlich finden , wenn wir bemerken: daß, da der Sabbat auf einen Schultag fällt, eine Lücke im Elementarunterricht (was durchaus zu vermeiden ist) bei den israel. Schülern entstünde; daß man nicht verlangen kann, an diesem Lage den Unterricht ganz auszusetzen und nur an 5 Wochentagen Schule zu halten; daß der Schulplan der Israeliten auch noch die hebräische Sprache als Lehrgegenstand vorschreibt, und daher mit dem Lehrplan der christl. Schulen nicht Harm onirt. Besuchen auch israel.Schüler die Gelehrten- und höheren Bürgerschulen, so hebt dieser Umstand die angeführten Gründe nicht auf. Denn diese Schüler haben schon die lerste Elementarbildung erhalten, sie können z. B. schon Lesen, rechnen und schreiben, können, da sie, der, Erfahrung zufolge, auch am Sabbate mit Ausnahme etwa einer Stunde und- Unterlassung des Schreibens (was jedoch immer den Lehrer, besonders in der Elementarschule geniren muß) dem Unterricht beiwohnen, gleichen Schritt mit den übrigen hatten." Nr. 2 des Ministerialblattes für die innere Verwaltung des preuß. Staates enthält u. A. eine Verordnung , daß die Sekretäre jüdischer Korporationen nicht als Civllbeamtn anzusehen und daher nicht von der Schuldhast zu exi'miren fein. Das Journal des Debats vom 11. April enthält in seinem Feuilleton einen Artikel des Akademikers G. Libri über Silvestre de Sacys Bibliothek, die vom 18. April ab zur Versteigerung kommt. Er holt etwas weit aus, indem er zuerst von der Nothwendigkeit orientalischer Studien überhaupt und von ihren wichtigen Ergebnissen für asiatische und europäische Geschichte' insbesondere spricht, dann den Takt, die Umsicht, die Kenntniß, von der Silvestre de Sacy's.Auswahl zeuge/ rühmt, auch seines Wunsches, die Zerstreuung dieses Schatzes möge die oriental. Studien in Frankreich befördern und verbreiten helfen, erwähnt, den Fleiß und die Mühe des Herausgebers des'Katalogs rühmt, sich über Anfertigung nützlicher und werthvoller Bücherverzeichnisse ausläßt und '-zuletzt auch auf die zahlreichen r a b b i n i f ch e n Werke, die de Sacy's, Nachlaß enthalten, im Interesse der jüd. Wissenschaft aufmerksam macht. Der in Leipzig herauskommende Komet (Beilage: Literaturblatt Nr. 14 venr 8. April) enthält .einelesenswerthe Recension von I. K. (I. Kaufmann?) über-die Schmähschrift von Marcard: „Die Möglichkeit der Judenemancipation im christlichen Staate." Die Spen. Zeit. Beilage 'zum 10. April enthält einen Artikel über die Wahl eines Nachfolgers für den kürzlich verstorbenen Arzt am jüd^ Krankenhause, Dr. Fürst. Fast alle jüdische und 2—3 getaufte Aerzte Berlins bewerben sich um die vakante Stelle, die der Vers, des Artikels jedenfalls einem Juden zuerkannt wissen will. Er zählt überdies die Requisite eines guten Hospitalarztes aus. Im Regierungsbezirke Trier wohnen ',4721 Juden, davon kommen 364 auf die Stadt Trier (Ende 1842).;. . / Verlag von C. L. F vi tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.