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Der Orient · 1843-06-13 · 24 (13.6.1843) · p. Spalte 381-382

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
24 (13.6.1843)
Article
Was man nicht Alles aus den Propheten heraus interpretieren kann
Date
1843-06-13
Page
Spalte 381-382 (sequence 3)
Language
German
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381 382 Literarische Nachrichten und Miscellen. ja daß in diesen unschuldigen Stellen > sogar auf Paulus — der weil er sich aus dem Stamme Benjamin zahlt3), welches er gar nicht wissen konnte 4) — angespielt wird! Dieser guter Pentateuch, wozu muß er sich nicht alles gebrauchen lasse 11! Darum giebts keinen ärgeren Feind für die Wissenschaft als den Pietisten, keine unerhörteren Verdreher als den Pietisten, keinen abgeschmackteren Exegeten als den Pietisten. Dies schrieb Referent zur Mahnung an manchen deutschen pietistischen Lesern H. I e l l i n e k. Wie man jüdisch-philosophische Werke l»eurtheilt. Nachdem die Juden endlich die Lehrjahre zurückgelegt und sich bereits die Meisterschaft erworben, b. h. nachdem sie sich ihren christlichen Brüdern keck an die Seite stellen dürfen: müssen die Juden sehr darauf sehen, daß das von ihnen wissenschaftlich Geleistete, von christlicher Seite, insofern es besprochen wird, auch gehörig gewürdigt werde. Die Wissenschaft will überzeugen, beweisen, Jrrthümer aufdecken, Illusionen zerstören, und was sie beweist, wissenschaftlich darlegt und motivirt, das muß dem Christen wie dem Juden als wahr gelten. Dies hätte der Recensent der Hirsch'schen Religion sphilosophie (s. Gersdorfs Repertorium u. fl w. 1843. S. 485—488.) wohl in Erwägung ziehen mögen. Hat H. bewiesen (und das hat er auch nach meiner Ueberzeugung), daß das Christenthuw nur eine Episode in der jüdischen Geschichte ausmacht, so mußte der Recensent diesem Beweise seine Zustimmung nicht versagen, denn die Wissenschaft ist ja die letzte Instanz. — Hat es H. nicht bewiesen,' (welcher Ansicht der Recensent ist), so wäre es billig gewesen, Hirschs Schwäche an den Lag zu legen, und ihm nicht blos mit einigen Worten abzuspeism. Der Recmsent des genannten Werkes wird doch wohl wissen, daß das der Mittelpunkt der Hirsch'schen Religionsphilosophie ist, die eigentliche Seele seines Werkes, und sollte der'Seele .das Leben fehlen, sollte mit andern Worten dieser Beweis nicht gründlich geführt worden sein, dann ist das ganze Unternehmen verfehlt, dann ist das Judenthum ein untergeordneter Standpunkt, dann ist es nicht die absolute Religion. H. hat aber, wie gesagt, diesen Beweis gegeben, nur har der christli.che Recensent ihn nicht billigen wollen. Wenn ferner der Recensent H. schmeichelhaft ins Ohr flüstert, daß bei seinem Grade religiöser und philosophischer Bildung er doch hätte wissen sollen, daß das Christenthum mit dem Judenthum schon längst fertig ist, so erscheint diese Behauptung für den Kenner der genannten Religionsphilosophie sehr gewagt und unwissenschaftlich. Gerade hierin besteht das große Verdienst Hirsch's, wissenschaftlich dargelegt zu haben, wie das Judenthum mit dem 3) Philipp. 3, 5; vergleiche noch zu den angeführten Stellen aus dem Pentateuch Deut. XXX11I, 12, 27. 4) S. Anekdota zur neuesten deutschen Philos. 2c. S. 192, 193, dir interessanten Bemerkungen Wauer's. — Christenthum, aber nicht wie das Christenthum mit dem Judenthum schon längst fertig ist?) Er hat die irrthümliche und falsche Auffassung des Judenthums im B e g r ü n d e r und U r h e b -e r ’* **)) der christlichen Kirche nachgewiesen (s. Relig. p. 722— 767), und daß sich diese falsche Auffassung durch die ganze Geschichte des Christenthums wie ein rother Faden hindurchzieht 5 wie also das Christeuthum nur meint mit dem Judenthum fertig zu sein, es aber in der Lha.t nicht ist. Der Recensent versichert uns, er könnte das wahre Verhältniß dieser beiden Religionen zeigen, um dadurch dem Judenthum seinen untergeordneten Standpunkt nachzuweisen; aber, wie gesagt, „Versicherungen" werden in der Wissenschaft nicht acceptirt. Somit hatte ich dem Recensentm gezeigt, wie er eigentlich das Gerügte gar nicht motivir t hat, und H's. Beweise, daß das Judenthum mit dem Christenthum fertig ist, ihre Kraft und Energie behalten. Hätte der Recensent bewiesen, dann hätten H's. Beweise an Kraft verloren. H. Jellinek. . Literarische Nachrichten und MiseeAen. Nachträgliches zu dem in Nr. SO des Or» mitgetheilten Gedichten. Nachdem die von uns im bozcichnetm Blatte mitgetheilten Gedichte abgedruckt waren, machte uns der verehrliche Redakteur dieses Blattes einige richtige Bemerkungen über das fünfte und sechste Gedicht, die wir dem Leser nicht vorenthalten wollen. Im fünften Ged. Z. 2 muß für OJfcO gelesen werden 102, wodurch sowohl das Versmaaß als die Lesart unsrer Handschrift hergestellt wird. — Die letzte Strophe desselben Ged. erhält durch folgende sehr richtige und einfache Emendarion einen .richtigen Sinn: N'nj? \sirs : 'Mni iW '2m '&tr Der Dichter spielt nämlich auf Gen. 16, 9 an, und ruft, indem er sich noch auf das vorhergegangene fcnö oder die Araber) bezieht, Gott an, daß er dem Jismavl oder dessen Nachkommen dasselbe Zurufen lassen möge, was er einst der Ha gar durch einen Engel sagen ließ. Durch diese Emen - dation wird die von uns vorgezogene Lesart gerecht- *) Die Entstehung des Christenthums hat Feuerbach in seiner Bearbeitung Bayles — gründlich nachgewiesen. **) Hier ist nicht Christus, sondern Paulus gemeint. Das Christenthum ist das Werk — Produktion Pauli aber nicht Christi. Die moderne absolute Kritik hat evident bewiesen, daß das Christenthum nur den Ra men von Christus entlehnt hat — siehe Bauer —, Christus war nach Hirschs Ansicht die Konsequenz des Judenthums — also ein klassischer Charakter des Monotheismus, ein erhabener plastischreligiöser Charakter.

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