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Der Orient · 1843-06-13 · 24 (13.6.1843) · p. Spalte 373-374

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
24 (13.6.1843)
Article
Talmud [Rezension]
Date
1843-06-13
Page
Spalte 373-374 (sequence 2)
Language
German
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373 Tractatus Macot cum scholiis hermeneuticis etc. 374 CivilisaLlon und erheuchelte christliche Liebe hüllenden neunzehnten Jahrhundert den Schleier abriß? — Zn den Geistern von Regenten und Staatsmännern, von jüdischen wie christlichen Gelehrten bildete sich mehr und mehr die Idee, daß eine Uebersetzung des Talmud unumgänglich nothwendig sei, um dem ewigen Hin- und Herreden über-ungekannte Dinge ein Ende zu machen. Und diese Idee, den Talmud in die Wissenschaft einzusiihren, war das fruchtbare Samenkorn, das hier in dürren Sandboden, dort aus steinigen Fels, wieder dort auf fruchtbares Ackerland siel. Es fiel in die Seele eines Chiarini, und drohte in gefährlichen Giftvflanzen aufzuschießen. nDy pp pHH ' \ Es siel in die Seele eines Unkundigen, und schoß in dürren „von Ostwind ausgeblasenen" Halmen auf. jnb DnSD pN runD TTNI *6. Dem Jünger der Wissenschaft, demjenigen, dem nicht egoistische Ruhmsucht die Autorfeder reicht,, der unbefangenen, weil weiten, Blickes das Feld der Aufgabe übersieht, muß es Vorbehalten bleiben, der Boden zu sein, den das Samenkorn für den Seinigen erkennen muß. Wenden wir uns jetzt zu der vorliegenden Arbeit, die unter den genannten an Tendenz und Leistung bei weitem allein würdig ist, in einem literarischen Blatte besprochen zu werden. Es brauchten nicht gerade die vorhin angegebenen Motive, und wenigstens nicht diese allein zu sein, welche den Vers. bewogen, an diese Arbeit zu gehen. Warum sollte, wenn literarische Denkmäler der entferntesten Zonen mit außerordentlichen Mühen und Kosten an das Licht gezogen werden, gerade der Talmud ungekannt und ungeachtet bleiben? Kennt ja doch die Wissenschaft kein anderes und kein höheres Motiv als sich selbst. Es hat sich aber, besonders unter den Juden selbst, ein besonderes Borurtheil gegen Übersetzungen des Talmud erhoben. „Der Talmud kann nicht übersetzt werden^; „der Talmud soll nicht übersetzt werden". Der Talmud kann nicht übersetzt werden. Seine eigenthümlichen Wendungen, seine außerordentliche Brachylogie, die man vergebens einem konsequenten Gesetze zu unterwerfen versucht, die große Menge ihm eigenthümlicher Begriffe, ferner die Art und Weise, wie derselbe nicht in der Bibel enthaltene Gesetze und Verordnungen auf Wörter, Buchstaben, Zeichen des hebräischen Textes der Bibel zurückführt, sträuben sich gegen jede Uebertragung in eine fremde Sprache, oder bleiben doch, wenn sie übertragen werden, eben so unverständlich, wie im Original und lasten den des Textes unkundigen Leser an allem gesunden Menschenverstände der Talmudisten zweifeln. Aber, wenn er auch könnte, so soll der Talmud nicht übersetzt werben. Welch' Interesse hat die bis in die kleinste Kleinigkeit eingehende Durcharbeitung der Ceremonialgesetze und Rechtsbestimmungen für den Nichttheologen und gar für den Nichtjuden? Was muß sich ein solcher über so manche Hagada's denken, die alles gesunden Sinnes zu entbehren schienen, und das Iudenthum noch mehr herabzusetzen gedenken, als es schon ist? Dergleichen Reden Hort man sehr oft über die Talmudübersehungen, und — die Wahrheit zu gestehen — es laßt sich ihnen, wenn man einmal den Standpunkt der absoluten Wissenschaft aufgegeben, nichts Wesentliches erwidern. Und doch soll der Talmud der Wissenschaft geschenkt werden; und doch sollen auch solche Gelehrte, die nicht von Jugend auf in dem beliebten singenden Jargon und mit den ausdrucksvollen Kopf- und Handbewegungen gelernt haben, in dies Heiligthum eingeführt werden. Der Vers, hat in dieser Beziehung — wie wir glauben — den richtigsten Weg eingeschlagen, der an ein so schwer zu erreichendes Ziel führen kann. Er hat den Talmud nicht übersetzt. Wenn hier und da in öffentlichen Blättern gesagt wird, der Rabbiner Hirschfeld habe den Traktat Makot übersetzt, und wenn dabei gewisse Leute, die nur darin ihren Ruhm finden, daß sie andere verläumden, hämisch darauf hindeuten, es sei dieser Traktat schon einmal in früherer Zeit übersetzt worden, so zeigen alle diese Leute, daß sie vorliegendes Werk gar nicht gesehen, oder — nicht zu lesen verstehen, was bekanntlich nicht Jedem ein Hinderniß ist, ein Urtheil abzugeben. Absehend von dieser thorichten Anklage, weil wissend, von wem sie ausgeht, und warum sie ausgesandt wird, und weil dem Ruhme eines Boß Nichts dadurch geschmälert wird, daß schon vor ihm der Homer viele Mal in verschiedene Sprachen übersetzt worden, wollen wir betrachten, was Hirschfeld gethan, um den Talmud in die Wissenschaft einzubürgern. Er hat den Plan gefaßt, im Verein mit andern jüdischen Gelehrten, den Talmud durchweg mit einem lateinischen Kommentar zu versehen. Wie richtig dieser eingeschlagene Weg sei, braucht dem Talmudkundigen kaum angedeutet zu werden. Eine wörtliche Uebersetzung des Talmud ist — wie schon gesagt — entweder unmöglich oder unverständlich, also unnütz und sogar schädlich. Eine paraphrastische Uebersetzung verwirrt den Leser und erschwert ihm die Sache mehr als nöthig. Dagegen sollen auf einem rationellen, auf Grammatik und Lexikon beruhendem Wege dem Wißbegierigen selbst die Mittel gegeben werden, durch eigene Kraft in das ungekannte Dunkel Licht zu bringen. Lassen wir den Vers. Ln der Einleitung selbst sprechen, welcher Mittet er sich hierbei bedienen zu können geglaubt (wir geben sie in deutscher Uebersetzung): „Ich habe mich in diesem Werke bemüht, daß derjenige, welcher der biblisch-hebräischen Sprache kundig ist, und irgend eine Grammatik deschaldäischen Idiom's durchgelesen, den talmudischen Text leicht lesen und verstehen könne. Da dieser Zweck, den Text kennen zu lernen und zu verstehen, durch eine Uebersetzung nicht zu erreichen ist, weil derselbe durch Kürze und Schwerfaßlichkeit sehr dunkel ist, so habe ich nicht Wort für Wort wredergegeben, sondern btos den allgemeinen Sinn der Worte beibehalten, dagegen durch den Druck die Uebersetzung schwieriger Stellen hervorgehoben, im Allgemeinen blos als Erklärer der Sätze dem Leser nachgeholfen" rc. Um die Scholien nicht zu weit auszudehnen, haben sich diese blos auf die Hermeneutik beschränkt, dagegen 24*

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