Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 24 (13.6.1843)
- Article
- Apologetik [Rezension]
- Date
- 1843-06-13
- Page
- Spalte 369-370 (sequence 1)
- Language
- German
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Lrteraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Jüdische Geschichte und Literatur. JVI M* Leipzig, den 13. Juni 1843. Apalögetik. rl"hci Coneil iator of R. Manasseh ben Israel ete. — Talmud. Tractatus Maeot cum seholiis hermeneuticis etc. auctore Dr. H. S. Hirsck>feld, Rabbiner. — Religiöse P o esi e. Religiöse Gedichte. Nach einer Handschr. auf der L. Rathsbibl. nn'tgerh. v. A. Ink. — Literarische Analekten. Was man nicht Alles aus den Propheten herausinterpretiren wird. Wie man jüdisch-philos. Werke beurtheilt. Von H. Jellrnek. — Lit. Nachrichten und Miscellen. Nachträgliches zu den in Nr. 20 des Or. mitgeth. Gedicht. Von A. Ink. — Literarische Ankündigungen. Apologetik. The Coticiiiator of R. M aiiasseh ben Israel; a reconcilement of the Apparent Contradictions ia Holy Scripture, to which are added explanatory notes, and biographieal notices of the quoted authorities. By E. H. Lind o., author of the Jewish Calendar. Vol. 1. and II. London, 1842. 8. Üebersetzungen und Kommentirungen exegetischer und philosophischer Werke aus den frühem Jahrhunderten haben im Allgemeinen und Ganzen blos einen relativen Werth; einen absoluten Werth können wir ihnen darum nicht beilegen, weil sowohl der exegetische als philosophische Standpunkt der jüdischen Gelehrten in früherer Zeit ein befangener war. In der Exegese ging man von der Einheit der Bibel aus, sowohl von der Einheit der einzelnen Bücher unter einander als von von der einzelnen Beftandtheile eines und desselben Buches. Man dachte sich ferner die ganze Bibel als eine Kreislinie, deren einzelne Punkte von dem Centrum — der göttlichen Inspiration — in gleicher Entfernung liegen, und wenn auch die vier und zwanzig Punkte der Peripherie in einander untergeordnete Klassen — in Tora, Nebiim und Ketubim — gruppirt wurden, so ließ man dennoch jeden einzelnen Punkt vom Centrum wieder angezogen werden. Die einzelnen Verfasser der heiligen Schrift wurden alle ohne Ausnahme als Instrumente zur Manifestation Gottes angesehen, daher auch die Individualität des Schriftstellers in den Hintergrund treten mußte. Daß man bei einer solchen Anschauung auf häufige Widersprüche in der Bibel stoßen mußte, war eine nothwendige Konsequenz. So würden uns z. B. die Widersprüche zwischen np. 9, 2 und 106, 2; zwischen Hohel. 5, 10 und Dan. 7, 9, zwischen Koh. I, 10 und y. 19, 9 und mehre andere, welche Menaffeh und die von ihm angeführten Schriftsteller zu lösen versuchen, nicht im Mindesten befremden; denn abgesehen davon, daß 9 von einem andern Verfasser herrührt als ap. 106, daß die verschiedenen Autoren von Koh. Dan. und dem Hohenl. auch verschiedene Ansichten haben können, so würden uns die Widersprüche zwischen einem philosophischen, einem poetischen und einem historischen Werke, selbst wenn diese Werke einem Verfasser angehörten, gar nicht auffallen, und wir würden schwerlich eine Lust in uns verspüren, die Lösung dieser Widersprüche zu suchen..— Auf ähnliche Weise verhält es sich mit den philosophischen Werken. Die Juden, welche philosophirten, schloffen sich, ebenso wie die jetzigen, den herrschenden philosophischen Systemen an, und wenn sie' auch in manchen Punkten von denselbem abwichen und eine Selbstständigkeit zu behaupten suchten, so geschah dies nur, weil ihre Anschauung von der Bibel sich nicht mit dem ganzen Inhalte des angenommenen Systems vereinigen ließ. Die Kritik nun, welche die Illusionen der altern Systeme und der alten Anschauung von der Bibel aufgedeckt hat, hat zugleich den jüdisch-philosophischen Werken ihren absoluten Werth entrissen. Der relative Werth aber, den die Erläuterung älterer exegetischer und philosophischer Werke besitzt, ist ein doppelter: ein kultur-historischer, indem wir dadurch in den Jdeenkreis der verschiedenen Zeiten eingeführt werden, da sie die Bildungsstufen der Repräsensanten eines gewissen Zeitabschnittes uns zeigen und als Beweise der literarischen Regsamkeit und Thätigkeit der Juden gelten; ein literarisch-sördernder, indem der Einfluß dieser Werke sich auf die spätere Fortbildung und Fortentwickelung erstreckte, spätere Werke auf die ihnen vorangegangenen fußen und wir das consequens nur durch das antecedens begreifen können. Noch einen andern, aber blos untergeordneten Werth bietet uns die Erläuterung bezeichneter Werke in sprachlicher Beziehung, indem wir nämlich neue hebräische Formen, Konstruktionen und Metapher wahrnehmen und überhaupt 24