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Der Orient · 1843-06-13 · Heft 24 (13.6.1843) · p. Seite 187

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 24 (13.6.1843)
Article
Die russischen und die polnischen Juden
Date
1843-06-13
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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- 187 — Nation unterwarf sich demüthig seinen Gesetzen. Mit einem? Worte schuf Peter der Große eine Flotte und brachte Rußland mit Europa eigentlich erst in Berührung. Das sind geschichtliche Vorgänge, welche Ihnen darthun können, was man von dem festen Willen der russischen Herrscher erwarten darf. Verlanget also viel von einem mächtigen Souverän, welcher die Beschwerden Eurer Glaubensgenossen hören will, seid sparsam mit Lobeserhebungen und zeiget Euch nur dann befriedigt, wenn man an Euch Gerechtigkeit, volle Gerechtigkeit geübt haben wird. Sie verkündigen, mein Herr, daß die Anstrengungen der russischen Regierung daraus abzielen, die Israeliten zur bürgerlichen Emaneipation vorzubereiten, daß dies die Mission des gelehrten Rabbiners ist, der das Vertrauen des russischen Monarchen besitzt. Wenn Sie mir Ihre Spalten öffnen, indem Sie mir zugleich die volle Unabhängigkeit meiner Ueberzeugung lassen, so werde ich Ihnen beweisen, mein Herr, daß alle angekündigten Maaßregeln in ihrer Grundlage verfehlt sind und daß man, um das Rechte zu leisten, gerade damit endigen muß, womit man anfangen will. Ich werde Ihnen in meinen folgenden Briefen beweisen, daß Ihre Glaubensgenossen besser als drei Viertheile, der übrigen Bewohner Rußlands dazu vorbereitet sind, der Wohlthaten der Civilisation theilhaftig zu werden; daß, weit entfernt, die Israeliten vorzubereiten, man die russischen Großen und die polnischen Adeligen dazu vorbereiten muß, die'Israeliten als ihre Brüder und Mitbürger zu betrachten. Ich habe keinen andern Zweck, als den, einiges Licht auf eine Frage zu werfen, die ich seit vielen Jahren studire; ich werde mich glücklich schätzen, wenn meine Bemerkungen und Untersuchungen den Israeliten, die zu lange schon Opfer des Aberglaubens und der Unwissenheit gewesen sind, nützlich werden können. Czynski. Deutschland. Posen, Ende April. (Monatsbericht.) Es sind in diesem Monate von Seiten der Regierung neue Im struktionen in Betreff der Elementarschulen erlassen worden, die auch auf die jüdische Schule ihre Anwendung finden sollen, und die sich wohl sehr nützlich ausweisen dürften. Ich halte es indessen nicht für geeignet, sie Ihnen speciell mitzutheilen, da sie kein direkt jüdisches Interesse haben. — Der Antrag auf Emaneipation der Juden Seitens der Posen'schen Stände, der Ihnen aus .den Zeitungen bekannt sein wird, hat hier zwar Verwunderung erregt, aber keine Sensation gemacht. Man war verwundert, daß man den liberalen Sinn, der diesen Landtag durchdrang, selbst den Juden angedeihen lassen wollte, was sonst bei den Liberalen nicht der Fall war, da sie die Juden immer als Ausnahme betrachteren. Da man jedoch von der Unbedeutsamkeit der! ständischen Beschlüsse zum Voraus überzeugt war, und dazu diese Berathung noch nicht einmal zu einem Beschluß erhobenwurde, so sind die Worte der Versammlung ohne Teilnahme verklungen. Jedenfalls wollen wir öffentlich den hochherzigen Männern dieser Stände- Versammlung unfern tiefgefühlten Dank darbringen; ihre edle Gesinnung verdient alle Anerkennung. — Es werden jetzt, wie man hört, Anfragen an die Gemeinden und Rabbinen, betreffend das Gemeindewesen und den Kultus, vorbereitet und versendet werden. Die Antworten sotten als Grundlage für die Anfertigung des neuen Reglements dienen, um dem von Tag zu Tag fühlbar werdenden Bedürfniß einer gesetzlichen Ordnung des Judenwesens zu genügen. Sie sollen in zweierlei Formen, für die Rabbiner in einer und die Gemeinden in der andern abgefaßt werden. Ein besonderes Interesse dürfte wohl schwerlich sich an diese Aktenstücke knüpfen, um sie Ihnen in ihrer ganzen Ausdehnung zukommen zu lassen. Mögen mindestens die Antworten in solchem Sinne ausfallen, daß eine Regulirung erleichtert werde, und wir recht bald für die anarchischen Zustande unseres Gemeindewesens eine regelmäßige Ordnung bekommen. — Unser Obecrabbiner war nach Kosten gefahren, um den dortigen jüdischen Sträflingen die Gestattung des Sabbats- und Festtagsfeier zu erwirken; seine Mühe soll aber vergeblich gewesen sein. — Ueber die zu unserm Festungsbau verwendeten jüdischen Militärflüchtlinge aus Polen, verlauten die Nachrichten, daß sie nach Polen zurücktransportict werden. Hier ist man ihnen mit aller Milde und Duldung entgegengekommen, und hat ihnen ihre Anwesenheit und Arbeit so angenehm und so leicht als möglich zu machen gesucht. Ja, man hat ihnen selbst gestattet, auf der Festung sich eine apparte Küche zu machen, in welcher einer von ihnen die Speisen für alle zubereitet, und ihnen Ruhe am Sabbat und Festtagen gegönnt. — Da die Ereignisse in unserer Provinz gegenwärtig nicht einen monatlichen Bericht erheischen, und wie Sie wissen, ich ohnehin für die nächsten Monate gehindert bin, Ihnen regelmäßig fortlaufende Nachrichten zukommen zu lassen, so werde ich bis auf Weiteres meine Monatsberichte einstellen, und somit mich Ihnen aufs Beste empfehlen. — Gegen ein Misverständniß ein für allemal die Erklärung, daß diese Artikel hier verfertigt werden. A. O. Hamburg, 1. Juni. Ueber „das Lazarus-Gumpel's Stift" in Hamburg enthalten die W. G. Nachrichten v. u. für Hamburg vom 25. Mai einen sehr anerkennenden Artikel. Aus demselben geht hervor, daß bereits 41 Familien (Parthieen) mit einer Seelenzahl von fast 200 Individuen hier freies Logis haben und der Sorgen, welche die halbjährige Miethezeit veranlaßt, überhoben find. Von den bis jetzt vermietheten Wohnungen desselben Hauses werden jetzt wiederum 4 an arme Familien überlassen werden. 24

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