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Der Orient · 1843-06-06 · Heft 23 (6.6.1843) · p. Seite 182

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 23 (6.6.1843)
Article
Berlin: Schreiben des Rabb. Dr. Frankel an den Minister Eichhorn
Date
1843-06-06
Page
Seite 182 (sequence 3)
Language
German
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182 Oberrabbiner der Mitglieder einer Confession vom Staate anerkannt und ihm die Leitung ihrer geistlichen Angelegenheiten anvertraut sei. Nur jo wäre der Anfang zu dem Werke des Rechts und der Billigkeit, der Anerkennung der jüdischen Confession gethan. Würden keine Aussichten zu einer solchen Anerkennung vorlicgen, würde die Wahl nur als ein Vertrag zwischen zwei Partheien angesehen und die Bestätigung sich nur auf die Gültigkeit des Vertrages beziehen; so müßte ich auch hier meiner Ueberzeugung fclgm und im Interesse der Confession selbst die Stelle zu Berlin als unannehmbar erklären. Ich trete nun aber noch mit einer Ansicht hervor, die Ew. Exellenz meine Gesinnung ganz offenbaren möge. Es erfreuet die Synagoge in Preußen sich nicht nur keiner Aufmunterung, sie wird nicht nur vom Staate ignorirt und läßt man sie ihrem Verfall entgegen gehn, sondern es wird auch dahin gewirkt, ihre Glieder von ihr loszureißen, und sie mit Zerstörung der heiligsten Bande zum Christenthum hmüberzuziehn; das Iuden-Missionswesen ist in Preußen am ausgebreitesten und verzweigtesten. Auch hier habe ich eine Ueberzeugung, von der ich nie abgehen werde; ich erblicke in diesen Missionen eine Herabwürdigung des Glaubens für den angeworbenen, und einen unverantwortlichen Eingriff in den Glauben, von dem abtrünnig gemacht werden soll. Es spiegelt sich in diesen Verführungen das Bild der moralischen Folter ab; es wird durch sie Unfriede und Unheil in den Schooß der Familien ausgestreuet und die Gewiffensruhe untergraben; und da man eine Reciprocität nicht zugestehet (unö die Synagoge würde auch hiervon keinen Gebrauch machen, würde Bekehrungen solcher Art mit dem tiefsten Unwillen zurückweisen), so gilt dieses System nur der gedrückten und verachteten Synagoge. Auch diese Schmach muß abgethan werden, wenigstens muß dem angegriffenen Theile die Abwehr sreistehen; und ich werde es zu meiner Lebensaufgabe machen, das Gewebe des Truges und der Verführung (denn welchen Händen ist oft das Missionswesen anvertraut!) zu enthüllen, die Künste der Lüge und der Täuschung und der Vorspiegelung, deren man sich bedient, aufzudecken, das schändliche von Missionären und Proselyten mit dem Heiligsten getriebene Spiel in seiner eigentlichen Gestalt darzustellen und auf das minder Verdienstliche der Beförderung solcher Kriegserklärung gegen die Synagoge aufmerksam zu machen. Der Wahrheit soll ihr Recht werden, und sie soll bekunden, wie unvereinbar jene Bekehrungsversuche mit dem eigentlichen Wesen der Religion seien; ich werde aber auch nicht ermüden von der Kanzel und in anderen Lorträgen, in öffentlicher und Privatunterredang meine Gemeinde zu warnen, zu belehren, zu ermahnen, wie sie vor der ihre Ruhe bedrohenden Bekehrungssuchc sich hüte. Denn bin ich auch weit davon entfernt Frömmlinge zu bilden, ist mir jede pietistisch - mystische Richtung im Zudeuthum verhaßt, so erkenne ich nicht minder, was ich dem von mir vertretmen Glauben schuldig bin, zu seiner Verteidigung, zu seiner Aufrechthaltung gegen äußere Eingriffe muß mir jedes rechtliche Mittel, muß mir vorzüglich die Belehrung, das Wort in seiner Ausdehnung zu Gebote stehen. Ich habe nun Ew. Excellenz meine Ansichten ganz offen dargelegt. Sie haben sich in mir zur Ueberzeugung gestaltet; ich werde von ihnen nie zurücktreten. Können Ew. Excellenz sie nicht billigen, so'wird mir das Bewußtsein Zurückbleiben, mich als redlicher Mann nach meinem ganzen Wesen gegeben, und jedem später nur schwer auszugleichenden Mißverständnisse vorgebeugt zu haben. Lasten aber Hochderoselben die Bestätigung erfolgen, so ist mir dieses eine ermunternde Wahrnehmung, daß meine Ansichten gut geheißen und auch von Seiten der hohen Staatsregierung als Norm angesehen werden, nach der ich meine Stelle antreten und in ihr wirken soll. Ich habe die Ehre mich mit tiefster Hochachtung und Verehrung zu zeichnen Dr. Z. Frankel, Oberrabbiner. Dresden, den 6. Febr. 1843. Berlin, 22. Mai. Die vorgestrige Nummer unserer Voss. Zeitung berichtet über die goldene Hochzeit, die das Born stein 'sche Ehepaar am 18. d. M. hierselbst gefeieet hat. Hr. Kaufmann Bornstein wohnt seit etwa 30 Jahren in Berlin und hat, wie seine Gattin, bereits das 70. Lebensjahr überschritten. Zehn Kinder' (2 von den Söhnen dienten schon im Kriege von 1813 —1815) und 36 Enkel umgeben den ehrwürdigen Greis, der ein sehr geachtetes Mitglied der hies. jüd. Gemeinde ist. Eine Deputation des Vorstandes derselben., so wie Herr Rabb.-Verw. Oettinger und Herr Bürgermeister Rehfeldt (Herr v. Krausnick, der Oberbürgermeister, war zu erscheinen verhindert) beglückwünschten den Jubilar. Bei einem zur Feier des Tages veranstalteten Festmahle hielt der humoristische Schriftsteller Hr. Dr. Weyl mehrere launige Vortrage. Wiesbaden, 14. April. (Verspätet.) Der Reichthum dieses Blattes an so wichtigen historischen Aktenstücken veranlaßt Ihren Korrespondenten, den Lesern dieses geschätzten Blattes folgendes amtliche^ Aktenstück mitzutheilen. Es möge zum Beweise dienen, daß in unserem kleinen Herzogthume im Verhältnisse zu andern kleinen Staaten Deutschlands sehr viel für jüdische Angelegenheiten geschieht. Das Aktenstück lautet: Instruktion für die Rechner der israelitischen Kultusgemeinden des Herzogthums. §. 1. Die Rechner der israelitischen Kultusgemeinden werden auf Vorschlag des Vorstandes von dem betreffenden herzoglichen Amte ernannt. tz. 2. Der Rechner besorgt die Einnahmen und Ausgaben für die israelitische Kultusgemeinde nach dein Einnahmen, Uebertragen und Ausgabe-Anweisungen des Vorstehers, unter dessen Aufsicht die Kasse steht, und dessen Aufträge der Rechner zu vollziehen hat. l

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