Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 22 (30.5.1843)
- Article
- Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer
- Date
- 1843-05-30
- Page
- Spalte 349-350 (sequence 2)
- Language
- German
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350 349 Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer. rühmte Buch Megillat Kaanit im 2ten Kapitel, daß zur Zeit der Herrschaft der Hasmonäer D^D y>n D'iOpD j daher der R. Jehuda, der das wohl wußte, obgleich er in seinem Buche gegen die Karäer heftig polemisirt, ihnen doch nirgends eine späte Entstehung vorwirft, sondern vielmehr ein hohes Alter zugesteht; als er nämlich vom König Alexander Jcmnaus, von den Rabbmen Jehuda den Tabbai und Simeon Len Scherach gesprochen hatte, setzt er ausdrücklich hinzu : rmsnpn njn rfrnnn DiT^m und dasselbe wird wiederholt im Buche Juchasin: j-p p DJl H^Hnn ]DD7 □'»Dm» D'pm P DJJ liOpJI DWpn.- Abraham BenDaud erwähnt in dem Sefer ha-Kabbala, wo er vom Alexander JannäuS und seiner Familie handelt, dreimal der Karäer namentlich. Zuerst erzählt er, daß der König, nach Gesangensetzung der 800 vornehmsten Pharisäer, seinen Dienern aus dem Dache seines Palastes ein Gastmahl gegeben habe, und daß, während er mit den Häuptern der Karäer aß und trank, auf seinen Befehl die 800 Pharisäer aus dem Gefängnisse vorgeführt und vor jenen an Galgen aufgeknüpft worden seien. Dann sagt er, daß sein Sohn Aristobul, nach dem Beispiele des Vaters, die Karäer sehr geliebt habe; endlich aber habe seine Mutter Alexandra, als Königin, sei es aus politischen Gründen, oder weil sie abergläubiger gewesen, die Pharisäer so über die Karäer erhoben, daß sie ihnen die unbeschränkteste Willkür gegen sie erlaubte. Oer Einwand des Morin, daß die alten Sadducäer mit den Karaiten verwechselt worden seien, ist bei diesen Schriftstellern ungültig, denn sowohl Maimomdes, als der R. Jehuda im B. Kusari wissen beide Sekten sehr wohl zu unterscheiden. Doch hiervon spater in einem besondern Kapitel. Mir lassen zuletzt die Mischna reden. Da hier der. Karäer ausdrücklich erwähnt wird, so muß es außer Zweifel sein, daß sie schon vor dem N. Juda ha-Kadosch, dem Redakteur der Mischna unter Antonius Pius, ums Jahr 150, und nicht erst, wie Morin will, am Ende des 8ten Jahry. bekannt worden sind. Es findet sich nun in der Mischna in Megilla eap. IN. p. 24 die Stelle: DW)p"|Ti Hl Dil rr DB IN iTOSD rüiU Was thut nun Morin? Er greift die Lesart an, und behauptet, der richtige Text Heiße:. HIWI “pl HT nn, da nirgends, weder in einer Glosse, noch im Talmud selbst, der Karäer Erwähnung geschehe. Run ist es zwar wahr, daß in der editio Veneta des Talmud, welche unter allen die erste ist, nwO gedruckt steht; aber eben so wahr ist's, daß in zwei andern Ausgaben, der Baseler und der Amsterdamer, welche ich nachgeschlagen habe, o\\l“)p sich findet. Es konnte die eu'ttio Venota, obgleich mit schönen Lettern gedruckt, doch einem Manuskript folgen, das hier nicht genau genug war; es konnte den Herausgeber seine Ursachen haben, weil wenig Liebhaber unter den Christen waren, wollte er sie vielleicht für die Karäer kaufbarer machen; es konnte etwas 'Anderes für bestimmend wirken, worüber wir die Vermuthung dem Leser überlassen. Gewiß sicht in der Baseler und Amsterdamer Ausgabe nicht ohne Grund abweichend von der Venedig'schen Oi^ip und nicht niTQ gedruckt'; und. welcher könnte gewichtiger sein, als wenn man nach Vergleichung mehrer Handschriften ü\s'*ip gefunden hätte? wie denn die zweite Ausgabe meistens korrecter ist als die erste. Zu Amsterdam sind die gelehrtesten Juden; sie haben hier volle Freiheit und sind nicht genöthigt, wie anderwärts, zu verbergen und zu interpolirm. Wie es übrigens auch sein mag, müßte man auch lesen, es wären dennoch die Karäer gemeint, denn daß deren eigenthümlicher Beiname cpj'sft ist, lehren die größten Ausleger: Maimonides, Raschi, Bertinoro u. A. Die Sadducäer waren, nach Hironymus' Zeugniß, längst vorher untergegangen; es bleibt also dabei, daß in der Mischna die Häresie der Karäer, entweder ausdrücklich genannt, oder wenigstens bezeichnet wird. Es bleibt noch übrig, Einiges über den Gebrauch des Namens Karäer hinzuzufügen, obgleich diese Frage keine besondere Wichtigkeit hat, nachdem das Alter der Sekte nachgewiesen ist; denn die Namen wechseln mit der Zeit und werden häufig geändert. Daher wollen wir nur mit einem Worte andeuten, daß aus dem, was wir beigebracht haben, das Gegentheil von der Behauptung des Morin, es finde sich der Name Karäer erst nach Veröffentlichung des Talmud, als wahrscheinlich sich herausstellt. Das Andenken derselben geht nämlich in der Disputation des Königs Kusar mit dem jüdischen Lehrer dem Zeitalter der Abschließung des'Talmud, wie es voll Morm bestimmt wird, voraus. Wenn die Mischna den Namen enthält, wie es ziemlich sicher ist, so bleibt kein Zweifel mehr. Das Buch Taam't und Abraham Wen Daud führen schon in die Zeit des Alex. Jannäus die Karäer unter diesem Namen ein. Wenn Jemand sagt, dies sei ein Anochronismus, so muß er es nicht blos sagen, sondern beweisen. Sektmnamen, welche von einem Dogma hergenommen werden, pflegen mit der Entstehung des Dogma zu gleicher Zeit hervorzutreten; denn indem der Urheber im Anfang oft verborgen oder ungewiß ist, und doch nach entstandener Häresie ein unterscheidender Name erfunden werden muß, um davon reden zu können, so bietet sich Nichts eher und besser dar, als den Namen von der Hauptlehre herzunehmen, zu welcher sich die Partei bekennt. Dies war zu allen Zeiten gewöhnlich. Vielleicht darf man es auch nicht unbeachtet lassen, daß Maimonides bemerkt, der Name Karäer sei von Egypten ausgegangen, denn wie die Karäer erzählen, so sing der aus Atexandria zurückgekehrte R. Schimeon Ben Schetach an, die Mysterien des mündlichen Gesetzes auszubreiten und darauf einen Werth zu legen. Wahrscheinlich empfingen die Karäer, wie wir schon bemerkt haben, ihren Namen zum Spott; zum Spott aber waren die Egyptier, und vorzüglich die Alexandriner,. sehr geneigt. Es wurde ihnen also wahrscheinlich der Name zur Schande beigelegt, weil sie für das geschriebene Gesetz kämpften, und sie selbst kehrten ihn hernach zu ihrem Lobe. N. Elias Levita Germanus erwähnt eines gewissen R. Elieser, den seine Zeitgenossen nach seinem Tode unter dem ehrenden Beinamen ijnp betrauerten, d. h. Bibel-