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Der Orient · 1843-05-30 · Heft 22 (30.5.1843) · p. Seite 176

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 22 (30.5.1843)
Article
Der Emancipationskampf im Friesenland
Date
1843-05-30
Page
Seite 176 (sequence 3)
Language
German
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Aber hatten sie denn Recht, diese Kammern und Publicisten und Theologen und Schwärmer? Gründet sich ihr Haß und Abscheu gegen die Juden auf sichere und feste Basen, auf Gerechtigkeit und Billigkeit, auf die Aussprüche der Dernunft und — Jesu, in dem wir den göttlichen Urheber und Stifter unserer Religion und unseres Glaubens verehren? Billigte .dieser den Wunsch seiner Apostel, daß Feuer vom Himmel fallen möge, die' Feinde zu vertilgen? (Lucas 9, 54—56). Gebot er den Jüngern bei seinem Abschiede von ihnen, zwar die Heiden, die Griechen und Römer, nicht aber die Juden zu sich und zu der von ihm gestifteten Gemeinde heranzuziehen, vielmehr letztere mit Härte und Lieblosigkeit von sich wegzustoßen? Und handelten etwa die Apostel wirklich in diesem feindseligen Sinne gegen die Nachkommen Abraham's, jeden bürgerlichen und gottesdienstlichen Verkehr mit ihnen vermeidend? — Nein, von dem Allen geschah gar Nichts. Sowohl Jesus selbst als auch seine Apostel predigen die Liebe gegen Jedermann, selbst gegen die Feinde, mithin auch gegen die Juden, wenn sich diese als solche gegen die Christen zeigen. Der Apostel Paulus hatte es sich ja zur Hauptaufgabe seines Wirkens gestellt, die Juden zu bekehren; warum wollten wir denn nicht ein Gleiches thun? Warum wollten wir denn das aus seiner ursprünglichen Heimath vertriebene unglückliche Volk Israel immer nur von uns abstoßen und kein bürgerliches und sociales Band zwischen uns und ihnen bestehen lassen? — Man sage nicht, die mosaische Religion hindere diese Annäherung an die Juden/ diese mit ihnen zu^ schließende Vereinigung. Wäre dies wirklich der Fall, so hätten weder Christus selbst, noch die Apostel sich der Juden annehmen, sondern nur zu den Heide!» wenden müssen. , Aber eben darum mußten sich Jesus und seine Jünger beider Völker annehmen, weil die christliche Religion — das lag in dem Plane ihres göttlichen Stifters, liegt noch jetzt und immer in ihrer Lehre — die allgemeine Weltreligion werden, der Jude seinen Particularismus und der Heide seinen Götzendienst durch die Erkenntniß der christlichen Religion, ablegen und somit Ein Hirt und Eine Heerde werden sollte. kläglichste Verirrung dem -Juden wol von Hand und Fuß die Fessel lösen will, aber aus Motiven, die nichts Geringeres, als den geistigen und sittlichen Tod des barmherzig zu erlösenden. Juden enthalten; aus Motiven, die das Werk der Emanckpation der Juden, das nur als reiner Akt gottverehrender Menschengerechtigkeit freudig zu begrüßen wäre, und nur als solcher die tausendjährigen Versündigungen' sühnend beschließen könnte, die dieses Werk der Sühne selbst nur aus einseitigen, selbstsüchtigen Rücksichten zur Uebung anpreisen; — aus Motiven, die den, Emancipation anstrebenden, Juden als seiner Religion Abtrünnigen willkommen heißen und den nicht emancipirten Juden als stattsgefahrlichen Verbrecher brandmarken. Denn das ist die Summa des Votums, das Dir, lieber Leser, die Frisia in Nr. 29 und 30 brachte: politischer und religiöser Partikularismus sei das Wesen des Judenthums. Politischer Partikularismus (Theokratie) verbieten dem Juden, einem fremden Könige und dessen Gesetzen und Vorschriften zu gehorchen; denn er dürfe nur von seinem Gotte Befehle., annehmen und sich regieren lassen. Religiöser Partikularismus verpflichtete den Juden, ewig — Jude zu bleiben. Der Jude könne daher nicht Bürger eines andern Staates werden, ohne daß er damit sein ganzes Wesen aufgebe. In der Verbannung und der Gefangenschaft mußten sie freilich der weltli- .chen Macht, die Gewalt über sie habe, gehorchen, weil sie in ihrer Ohnmacht nicht anders könnten, aber nimmer würden sie in dem Sinne wie Paulus sprechen: „die Obrigkeit ist von Gott." So lange sie, von dem Staarsverbande christlicher. Völker ausgeschlossen, an ihren theokratischen Ideen und ihrer alten angestammten Religion halten, werde man daher die aus dem Patriotismus und der allgemeinen Menschenliebe hervorgehenden Tugenden vergeblich bei ihnen suchen. Sie werden, wenn sie auch noch so schön thun u. s. w., dennoch Fürst und Land verrathm, wenn nur ihre materiellen Interessen dabei bestehen können. So lange aber ihre politische Absonderung bestehe, werden sie niemals ihre Religion fahren lassen und zum Christenthum übergehen. Werde aber, durch förmliche Aufnahme derselben in den Staatsverband das Wesen des Judenthums .selbst erschüttert, und der Boden, in dem ihre Religion wurzelt, hinweggenommen, so werde diese von selbst verdorren und ihre Synagogen werden sich in christliche Bethäuser verwandeln, — sie selbst aber, in jeder Beziehung geschickte' und nützliche Staatsbürger werden, ag folgt.) Personalchronik und Miseellen. Ungeachtet der Hamb. Senat cs verschmäht hatte', auch die Juden zu einer Erinnerungsfeier m ihren Synagogen und im Tempel aufzufordern, hat doch eine solche Feier'in den jüdischen Gotteshäusern am 6. Mai (gerade am Jahrestage des Brandes der Synagoge in der Alten-Wallstraße) stattgefunden. Im Tempel hielt nach einer besonders angeordneten Feierlichkeit Hr. Dr. Salomon die Predigt, die ein Bild der vorjährigen Schicksale Hamburgs und der (noch immer in sehr geringem Maaße erfüllten) Hoffnungen, der Hamburger Juden enthielt. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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