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Der Orient · 1843-05-23 · 21 (23.5.1843) · p. Spalte 329-330

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
21 (23.5.1843)
Article
Philosophie des Judenthums
Date
1843-05-23
Page
Spalte 329-330 (sequence 2)
Language
German
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329 Philosophie des Judenthums. 33Ü zu werden, und solch' ein Mann nennt Andere, welche vielleicht nur ihm geschadet Haben awta und DnDlDfl 5) 5) Da Ew. Hochwürden vas Nathsel nunmehr lösen wollen, wage ich zitternd, ALHem zu schöpfen. Was soll ich dazu sagen! Ehe Sie das Näthsel lösen wollen, lösen sie dasselbe schon. Solch' ein Mann nennt Andere, welche ihm vielleicht geschadet haben „D'O^O und qhdüD''. Aber Hochverehrter Herr, erlauben Sie mir mehrere Fragen: 1. Halten Sie mich für ein solches gefährliches Scheusal, warum haben Sie bis heute gewartet, mich zu entlarven? Sechs Monate, wenn nicht nochmehr, sind, seitdem ich dieses öffentlich ausgesprcchen haben soll, verflossen und Sie schwiegen! Mußten Sie nicht gleich gegewmich auftreten? Mußten Sie nicht dagegen protestiren, daß ich im Judenthum ein Wort mitsprechen sollte? Wie viel Unheil konnte ich während dieser Zeit nicht anrichten? 2. Bin ich nur ein ohnmächtiger Jude, wozu dieser Zorn und Haß? Sie, der Sie die kerngesunde Mitte, die Ihre Religion des Geistes bekennt auf Ihrer Seite haben, konnten alsdann meinen Angriff mit Stillschweigen übergehen? Welche Heldenthat ist es denn einen „Excollegen" völlig zu vernichten, moralisch todtzuschlagen? Was hilft es nun mir, wenn ich Sie versichere, daß meine im Orient entworfene Schilderung vom heutigen Zustand der Juden gerade auf Dessau nicht paßt? Was hilft es aber auch Ihnen , jetzt gegen mich so aufzutreten, jetzt, wo nzeine -Religionsphilosophie der Juden vorliegt, aus die ich nur zu verweisen brauche, um den Vorwurf von „Haß und Verachtung gegen alle meine Glaubensgenossen als —. Doch, Sie mögen das "Privilegium haben zu verdächtigen, zu verläumden, zu verketzern. (Or. L. A. f. d. S.) Gottlob! Ich schöpfe wieder reine Luft! Dieses Privilegium, das ich Ihnen, Herr Dr„ hiermit ertheile, laßt mich wieder Ruhe finden; denn ich gestehe, es war weder Zorn, noch Gereiztheit, was mich beim Durchlesen Ihres ersten Ausfalls bewegte, aber tieferer, bitterer Schmerz, daß ein jüdischer Theologe sich so weit vergessen kann, zu verdächtigen! Nun, da ich Ihnen das Privilegium ertheilt habe, nun bin ich wieder froh! Nun fällt es mir ein, daß noch kein einziger wissenschaftlich gebildeter Rabbiner sich dieser Waffe bedient hat, also Sie mögen fortfahren auf dieser Bahn, ich will Sie uicht stören. Ja froh bin ich, froh aus dem Grunde meines Herzens! denn es fällt mir ein, daß mir wohl Beifallsbezeugungen über jene Recension zugekommen sind, aber noch kein Tadel! Es giebt so viele wahrhaft hochgesinnte und tüchtige Männer in Israel, so viele tüchtige Mitarbeiter des Orients und kein Einziger hat meine sein sollende Verläumdung der Juden mit den wenigen Worten zurückgewiesen: „Glaubt ihm nicht; es ist nur eine fieberhaft gereizte Galle, die ihn mit Haß und Verachtung gegen alle seine Glaubensgenossen erfüllt, die er hier abzukühlen sucht/' Also schließe ich: Der Unbefangene sah in jenem Aufsatz nur das, was er sein sollte, nämlich eine Aufmunterung für Hrn. Dr. Formstecher, eine Anerkennung seines Srrebens, eine Ermunterung zum Fortsahren auf dieser Bahn, denn nur von gründlicher Wissenschaft erwarte ich Heil! Ja eine Entschuldigung selbst für mißlungene Versuche, wollte ich mit jener Darlegung geben, denn ich dachte mir, daß Sie unter sehr schwierigen Verhältnissen gearbeitet hätten. Jene Entschuldigung lassen Sie nun nicht gelten; Sie sind glücklich, zufrieden mit Ihrer Umgebung — ich gönne es Ihnen von Herzen! Wenn ich unsere Verhältnisse, die Anarchie, die in unserm religiösen Leben herrscht, zu schwarz ansay, wenn mir dabei Fürth, Breslau, Hamburg, Frank¬ Das Räthsel aber: wie ein so gewesener Rabbiner, also Beschützer und Vertheidiger der Juden, zu. solch' einem Hasse und furt a. M. durch den Sinn fuhr, wenn ich mich dabei des in der Note anzuführenden Faktum's lebhaft erinnerte*), so hätten Sie meinen gerechten Schmerz dadurch zu lindern suchen sollen, daß Sie mir Offenbach geschildert; das wäre wenigstens liebevoll gehandelt gewesen. Ja, Hochgeehr, ter Herr wirklicher Rabbiner, Sie kommen zu spät mit diesem Theile Ihrer Antikritik. Daß Sie diese Antikritik nur als Antikritik angesehen wissen wollen, stehet fest. Wäre Sie vom heiligen Eifer entbrannt gewesen, daß ein „Excollege", dem nur sein verdientes Schicksal ward, seinenHaß u. seineVerachtung gegen alle seine Glaubensgenossen abkühlte; Sie hätten früher, gleich, Schlag auf Schlag, beim Erscheinen jenes Ausfalls, sich aussprech en müssen. Also Sie schreiben die Antikritik bloß als Antikritik, daß heißt, um Ihr Buch gegen meine Angriffe zu rechtfertigen. Nun kann es aber Ihrem Buche nicht das Geringste helfen, wer ich bin, ob ein Excollege, oder ein wirklicher College, oder auch gar Nichts, ob ich mit Galle oder ohne Galle schreibe, ob ich die Juden Haffe oder liebe, sondern nur ob ich richtig oder falsch in Ihrem Buche gelesen habe. Wozu also dieser Thnl Ihrer Antikritik, frage ich nochmals? Sie sind ein. ungeschickter Taktiker und verrathen sich selbst. Sie fühlen sich allzusehr getroffen von meiner Kritik, und suchen uun von vorne herein dadurch, daß Sie mich verdächtigen sich gehörig herauszustreichen, das Wohlwollen des Publikums zu erschleichen. Erst schleppen Sie Haufen Testimonia Ihrer Vortrefflichkeit herbei, freuen sich wie ein Kind mit dem Eindruck, den Ihr Buch „bei einem gelehrten Christen machte" u. fl w., dann gehet es auf mich los. Schlagt ihn tobt! rufen Sie aller Welt zu. Nicht einen Einzigen gönnen Sie mir; ich Haffe ja alle Juden, alle ohne Ausnahme; ich Haffe Sie nicht blos, ich verachte Sie ja sogar! Nicht blos die Masse, sondern auch die Rabbinen wollen Sie mir auf den Hals setzen! Zum wenigstens sollen diese mich injuria rum belangen — ich habe Sie ja „Schufte" genannt. Während Sie für das Alles und für noch weit mehr Raum und Zeit haben, suchen Sie sich es zu *) In Berlin trugen bis vor wenigen Jahren der Kantor und die übrigen Synagogenbeamten als Kopfbedeckung beim Gottesdienste entsetzliche Dreimaster! Daß dieser Anblick die intelligenteste unb auch ästhetisch gebildete Gemeinde verletzte, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Der Vorstand ließ also dem Vorsänger eine paffende Bekleidung verfertigen. Was geschah? Es bildete sich eine Partei, die bei des Höchstseligen Königs Majestät mit der Beschwerde emkam: Sie fühlten sich ob dieser Neuerung in Ihrem Gewissen verletzt. Se. Majestät, von der tiefsten Achtung für alles religiöse Leben beseelt und sich natürlich kein Urtheil darüber zutrauend, was im Judenthum erlaubt oder verboten sei, erließ noch auf seinem Krankenbette eine Kabinetsordre, wonach diese Neuerung abgeschafft werden mußte. Glauben Sie, Sie Hochgelehrter Herr Rabbiner denn wirklich, daß jene Partei in Ihrem Id. h. vom orthodoxesten Standpunkte aus angesehen) Rechte war? Und wenn ich nun solches Treiben, für das ich leider noch viel ähnliche Beispiele anführen könnte, auf das Religiöse, das darin liegt, dadurch aufmerksam mache undzur Besinnung zurückzusiihren suche, daß ich es beim rechten Namen nenne, haben Sie ein Recht, mich deshalb moralisch todt zu schlagen?

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