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Der Orient · 1843-05-16 · 20 (16.5.1843) · p. Spalte 311-312

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
20 (16.5.1843)
Article
Dogmatische Literatur
Date
1843-05-16
Page
Spalte 311-312 (sequence 2)
Language
German
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312 311 Die Messiaslchre-der Juden in Kanzelvorträgen. B. Dr. S. Hirsch. nachdem wir uns mit Gott am Versöhnungstage versöhnt haben, wahrhafte Freude genießen, das Irdische recht gebrauchen und die Früchte der Erde einernten können; im zweiten Theite weist er nach, wie das Hüttenfest uns ferner lehrt, daß wir die Früchte dieser Erde nicht eher einernten und genießen können, bis alle Menschen mit Gott versöhnt sind, denn wir sollen in Hütten wohnen, als Fremdlinge umherwandern und uns Gott zum Eigenthurn haben, damit alle Welt es sehe, wie Alles Gott gehört und nur für ihn leben soll; dann wird, wie im dritten Theil gezeigt wird, endlich auch jene schöne Zeit kommen, wo alle Menschen mit Gott versöhnt sind und in seinem Geiste auf dieser Erde wandeln werden. Nun ist die Messlaszeit da, das Ziel der jüdischen Geschichte erreicht, der Beruf des Judenlhums erfüllt, die ganze Erde und alles Weltliche Gott geweiht. Diesen. Abschnitt über die Form des Judenthums beschließt der Verfasser mit dem achtzehnten Vortrag, welcher über nrt'Lt ÜIUD J'Sdh handelt und worin er, nachdem er die Bedeutung der wichtigsten Ceremonien mitgetheilt hat, insbesondere nachweist, wie nothwendig die Beobachtung der Eeremonien für den Einzelnen, für das Haus, so wie für die Erfüllung von Israels Beruf ist. Im Schlußabschnitt behandelt der Verfasser in zwei Predigten endlich noch zwei Gegenstände, die von höchster Wichtigkeit sind und namentlich in der neueren Zeit bei der Emancipationssrage häufig zur Sprache, kamen. Es sind dies der Glaube Israels an seine Nationalität und Rückkehr nach Palästina und sein Glaube an einen persönlichen Messias. Diese bilden den Schlußstein der ganzen jüdischen Lehre, sind der Inhalt der eigentlichen Messiaslehre, und beschließen somit auch diese Predigtsammlung, welche mit ihnen als ein Ganzes sich abgeschlossen zeigt. In der erstem zeigt der Verfasser, wie wir die Hoffnung auf eine einstige Wiederherstellung Israels nicht aufgeben dürfen, ohne zugleich das Recht unsrer gegenwärtigen Existenz aufzugeben, wie aber auch auf der andern Seite diese Hoffnung keineswegs die Emancipation hemmen darf, weil sie uns durchaus nicht hindertuns als eifrige und treue Bürger dem Staate, dessen Mitglieder wir gegenwärtig sind, anzuschließen und am allgemeinen wahren Staatsleben Theil zu nehmen, da ja, wie in der dritten Predigt gezeigt ist, der Zweck der jüdischen Religion und des israelitischen Volksdaseins kein anderer ist, als wahres, heiliges Leben überall zu befördern. Auf spekulativ historischem Wege weist nun der Verfasser nach, wie aus Israels Vergangenheit die Art seiner Hoffnungen für die Zukunft zu begreifen sind, und zwar zeigt er 1. daß demnach Israels Hoffnung auf die Wiederherstellung Zions rein religiöser und nicht politischer Natur ist und daher mit allen Fragen, die unser bürgerliches Streben in der Gegenwart betreffen, Nichts gemein hat; da Israel nie an weltlicher Macht groß war, sondern immer nur im Gottesdienst sein Glück fand, es auch unmöglich danach streben kann, je ein Staat werden zu wollen, der sich weltlich auszeichnet und andern Staaten feindlich gegenüber tritt, sondern nur hoffen kann, unter allen andern, einst auf wahre Heiligkeit gegründeten Staaten, gleichfalls ein Staat zu sein, worin es nur für Gort zu leben habe. 2. Daß die Hoffnungen der Juden auch die Hoffnungen aller andern Menschen sind, da Israels Geschichte ja jedem Einzelnen und jedem Volke als Vorbild dienen soll, daher Nichts in Israel geschehen kann, was nicht alle Völker mit genießen sollen; denn Israels Erwählung hat ja keinen andern Zweck, als die ganze Welt zu wahrhaft göttlichem Leben zu führen, und somit kann Israels Gott kein Nationalgott sein, da er die ganze Welt zu sich gebracht wissen will. Zu diesem Zwecke ist Israel unter die Völker zerstreut und deshalb darf es auch nicht durch irdische Mittel nach einer Wiederherstellung Zions streben, well es weiß, daß Jerusalem nicht eher wieder aufgebaut werden kann, bis sein Berus erfüllt ist, bis alle Völker dem Herrn gehören und nichts Böses mehr thun werden, bis also gleichsam alle Völker am Gottesfrieden, der dann in Jerusalem herrschen wird, Theil haben; 3. daß die Hoffnungen Israels und aller Menschen keine andern sind, als daß wirklich die Zeit kommen wird, wo Gott als Herr des Himmels und der Erde von Allen erkannt sein, wo alle Menschen zu wahren Söhnen Gottes erzogen sein werden; daß dann Israel, um die Welt vor neuen Abfall zu bewahren, in dem wieder ausgebauten Zion der Welt durch seine Festrage und sinnbildlichen Gebrauche immer die Erziehungsgeschichte der Menschheit, die Offenbarung Gottes in der Geschichte (die jüdische Geschichte ist das Vorbild aller Geschichte) vergegenwärtigen wird. In der letzten Predigt giebt der Verfasser endlich die Ansicht des Judenthums über den persönlichen Messias, und zeigt wie dieser nicht den Anfang, sondern das Ende der Erlösung bezeichnet, wie er erst dann in Wahrheit herrschen kann, wenn alles Böse von der Erde verschwunden ist, und alle Menschen nur das Rechte wollen und daher gern und freudig auf die Stimme desjenigen hören, der ihnen stets die Wahrheit verkündet, den sie sich selbst zu dem Zwecke wählen, damit er sie immer auf dem von ihnen erkannten und gewollten Wege nur Wahrheit erhalte. Da alle Völker dann erkannt haben werden, daß Israel von jeher keine weltlichen Interessen zu vertreten hatte, sondern nur die Lehre der Wahrheit zu tragen und überall zu bewähren sein Beruf war, so werden die Völker auch dieses Volk und in ihm das alte David'sche Kömgsgeschlecht für das geeignetste halten, um aus ihm sich jenen Richter der Wahrheit zu wählen.

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