Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 20 (16.5.1843)
- Article
- Religiöse Poesie
- Date
- 1843-05-16
- Page
- Spalte 309-310 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897861-2369319--2784-2369350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
309 310 Die Messraslehre der Juden in Kanzelvorträgen« B. Dr. S. Hirsch. VIII, ,m'n nns -d$> : mg pao F)io p« ni33 3 3 u/y ’nnbj) Hin vbjy 'M nns pan ”933 Dogmatische Literatur. Die Messiaslehre der Juden in Kanzelvorträgen. Zur Erbauung denkender Leser herausgegeben von Dr. Samuel Hirsch, Rabbiner. Leipzig, 1843. 8. Heinrich Hunger. (Schluß.) Das Wochenfest bezeichnet der Verfasser als das Knabenalter Israels, in welchem es sich das Heil anzueignen strebt; an ihm empfängt es daher die Lehre, welche es nun zu tragen und der ganzen Welt mitzutheilm hat; sein Beruf fürs Leben wird ihm nun angekündigt, nämlich ein Priestecvolk zu sein; da aber die Lehre selbst nus Geist und Leben ist, so können auch nicht äußerliche Eeremonien sie ausdrückm, es kann höchstens Ein die ganze Lehre umfassendes Symbol verordnet sein, und so ist es auch: blos gesäuerte Brode werden vor den Herrn gebracht, und dies heißt nichts Anderes, als: die Gährung und Zwietracht ist überwunden und alles Irdische soll nicht verachtet, sondern nur Gott gewährt werden; dies aber ist die ganze Aufgabe Israels, alles Irdische, alle weltliche Verhältnisse als heilig darzustellen und als göttlich zu lehren. —- Das Jünglingalter Israels wird vom Verfasser mit dem 9. Ab bezeichnet, in ihm findet er Israels Erziehung zum Heil ausgedrückt» Nachdem Israels Kindheit von Gott wunderbar geleitet war, nachdem Israel als Knabe von seinem Vater die Lehre erhalten hatte, sollte es nun auch hinaus in die Welt, um als Jüngling sich zu bewähren, die Lehre zu verbreiten und somit seinen Beruf zu erfüllen; aber nur zu bald zeigte es sich, wie Israel die Lehren seines Vaters vergessen hatte, wie das Vertrauen auf Gott, trotz der Wunder, ihn nicht beseelte, wie die irdische Kraft der heidnischen kanaanitischm Völker ihn wankend machte, so daß er wieder nach Egypten sich sehnte. Gott aber, der ihm einmal seinen Beruf für die Menschheit ertheilt, und ihn erwählt hatte, sein erstgeborener Sohn zu werden, ließ ihm das Leben nur eine Schule werden/ und Entbehrungen und 33) Dieses Gedicht, von dem, wie die Leser sehen, sich bloß 2 Strophen in unserer Handschr. befinden, fanden wir nicht bei Dukes angegeben. bittere Leiden, eine leidensvolle Geschichte mußte Israel endlich belehren, daß nur die väterliche Lehre sein Eigenthum sein könne und daß es nur in ihr sein Glück und die Wahrheit zu finden habe; durch seine Lebenserfahrungen mußte Israel zur Erkenntniß und Erfüllung seines wahren Berufs erzogen werden. Im fünfzehnten und sechzehnten Vortrag behandelt der Verfasser den Tag der Posaune und den Versöhnungstag; beide zusammen bedeuten ihm das Mannesalter Israels. Der Tag der Posaune symbolisirt die Erneuerung im Heil; Israel soll seine Geschichte begreifen lernen, soll einfthen und sich es zum Bewußtsein bringen, was seine Leiden bedeuten, sott in ihnen die Erziehung Gottes finden, soll den Zweck derselben erkennen, der kein anderer ist, als ein vollkommnes Kind Gottes zu werden, und nun als Mann den kräftigen Entschluß fassen, fein Leben von Neuem zu beginnen, und von. nun an ein wahres Leben zu führen, wie es einem Kinde Gottes ziemt, um seinen Beruf, ein Vorbild und Muster allen Menschen zu sein, damit alle Menschen Kinder Gottes werden, in der That zu erfüllen. Im Versöhnungstage spricht sich die Bewährung des Heils aus; denn hier zeigen und bekennen wir durch Fasten und Entbehren jedes irdischen Genusses, daß das Irdische keine zwingende Macht für uns ist, daß wir nicht zu sündigen gezwungen waren, und daß wir daher von nun an sündlos sein können und wollen. Dann will Gott auch uns Verzeihung für das Vergangene schenken, und dadurch wiederum beweisen, daß die Sünde vor ihm ein Nichtiges ist, indem sie durch unser Bekenntniß und unser ernstes Besserungsgelöbniß zu einem Nichtigen wird; wäre aber die Sünde etwas Reales, eine Macht wider Gott, so hatte Gott nicht die Kraft, sie zu vernichten und für den Menschen als ungeschehen zu machen; dies aber und nichts Anderes ist das Prinzip des ganzen Judenthum: Die Sünde ist nichtig, derMensch soll und braucht nicht zu fündigen, und dies bewährt der Versöhnungstag für den Juden, daher dessen Wichtigkeit und Heiligkeit für ihn, weil er in ihm die Wahrheit seiner ganzen Religionslehre wiederfindet und nicht mehr blos äußerlich weiß, sondern sich zum geistigen, innern Bewußtsein gebracht hat. — Das Hüttenfest endlich, welches der Verfasser im siebenzehnten Wortrag behandelt, war das Greisenalter Israels und betrachtet es als das Erntefest des Heils, das deshalb, da das Heil nicht blos Israel, sondern allen Völkern zu Theil werden soll, auch ein Fest für alle Menschen werden wird; es wird das wahre Versöhnungsfest Israels mit der übrigen Welt sein, wenn endlich auch die übrige Welt Israels Beruf und Geschichte erkannt haben, und die Früchte derselben an ihrem Ziele miternten wird. Der Verfasser weist demnach im ersten Theile dieser Predigt nach, wie das Hüttenfest schon vermöge feiner Stellung in der Reihe dieser Feste uns belehrt, wie wir erst- 20*