Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1843)
- Article
- Dresden: Prüfung an der israelitischen Gemeindeschule
- Date
- 1843-05-16
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
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156 bin her Ewige dein Gott, der ich dich aus Mizrajim geführt", auf die Schöpfung deiner Lebensgeschichte, und nicht auf eine andere wird hingewiesen, bei diesem Pfeiler der ganzen Religion. Je mehr wir es verstehen die innere und äußere Welt der Jugend, ihr als Religionsspiegel vorzuhalten, desto anschaulicher und nachhaltiger wird dieser Unterrichtsgegenstand werden. Mit nicht geringerem Erfolge sahen wir die Schüler in der Geschichte der Israeliten sehr gut gefördert. Auch hier war es wahrzunehmen, daß der Lehrer, dieser noch neuen Disciplin in den israelitischen Schulen, ebenfalls Hr. Dr. Landau, aus den ersten Quellen zu schöpfen vermag. Denn wie sehr arm wir noch an entsprechenden Lehrmitteln für die Schule in dieser Wissenschaft sind ist jedem bekannt. 2) Diesem folgte: Naturlehre, vorgetragen von Herrn Hantsch. Von den allgemeinen Eigenschaften der Körper, ging derselbe zu den übrigen Lehren über; und es wußten die Schüler eben so gut die Begriffe klar zu entwickeln, wie durch Zeichnungen auf der Tafel anschaulich zu machen. Da sich mit diesem Gegenstände so zweckmäßig und höchst vortheilhast, namentlich für die zweite Klasse, Denkübungen durch Formenlehre verbinden lassen, so wünschten wir der Schule zu diesem Behufe die ersten dazu nöthigen, mathematischen Körper, als: Kubus, dreikantiges Prisma, Parallelepipedum, Pyramide, Tetraeder, Oktaeder, Dodekaeder, Ikosaeder, Cylinder, einen Kegel, eine Kugel, u. s. w. Zeichnungen sind lange nicht so geeignet klare Anschaulichkeit zu verschaffen, wie selbstständige Körper. Daß nicht eine Prüfung des mathematisch geographischen Unterrichts hiermit verbunden wurde, hat sicher die Kürze der Zeit bedungen. Die hierauf folgende Prüfung in der deutschen Sprache und im Styl, leitete wieder Herr Dr. Landau. Während er mit der zweiten Klasse einen kurzen Abriß der Grammatik durchging, arbeitetedie erste Klasse, über ein so eben gegebenes Thema, einen Aufsatz aus , und so wurden alle Anwesende zur höchsten Zufriedenheit überzeugt, wie gründlich die Schüler auch in diesem so höchst wichtigen Unterrichte belehrt und fortgeschritten sind. Wenn auch die Heysersche Methode noch vorwaltete, und dafür die neuere, bewährtere Wurst-Becker'sche zu empfehlen wäre, so sind wir doch der Meinung, daß diejenige Methode am Besten zum Ziele führt, welche ganz vorzüglich des Lehrers Eigenthum geworden ist; und daß die Wahl jener, mehr wohl bei dem Elementarlehrer zu beachten steht, als bei einem Manne, dessen Geist in den morgen- und abendländischen Sprachen groß gezogen worden. Und in der That ist uns hier die Zweckmäßigkeit der angewandten Methode und ihre Probehaltigkeit dadurch gegeben, daß die in Gegenwart der Anwesenden angefertigten Aufsätze, sehr gut aussielen, und daß die Sprache der Schü- 2) Möge Hr. Dr. Landau Muße finden, diesem Mangel in der israelitischen Schulliteratur, durch Veröffentlichung seines Lehrganges, recht bald abzuhelftn. ler in allen Antworten korrekt, frei von jedem Dialekte und fremdartigen Accent, sich zeigten. Ja, wir wagen die Behauptung sagar, und getrauen sie uns im Falle zu beweisen, daß in letzterer Beziehung, dieses Institut vor manchem nicht jüdischen, einen großen Vorzug erworben hat. — Unsere Zeit wollte es nicht gestatten, bei der Prüfung der übrigen Gegenstände anwesend sein zu können; allein wir waren schon oft so glücklich, bei dem Unterricht selbst hospitiren zu dürfen; und sind daher im Stande, im Ganzen ein wahrheitlkches Urtheil abzugeben» Die hebräische Sprache wird so unterrichtet, daß nicht etwa einige Bücher des Pentateuchs und einige Deklinationen und Konsugarionen gelehrt werden, wie das so oft geschieht, und wovon den Schülern, nachdem sie einige Zeit die Schule verlassen, so viel wie Nichts übrig bleibt, sondern es hat, namentlich die erste Klasse, den ganzen Pentateuch mit den zweckdienstlichsten Stellen des Raschi- Kommentars so erlernt, daß diese Grundlage des israelitischen Religionsunterrichts, ein Er'genthum ihres Geistes geworden ist. Hierbei, so wie beim Unterrichte der Psalmen, welchen ebenfalls Herr Dr. Landau ertheilt, kommen demselben seine gründliche, theologische und rabbinische Bildung zu statten. Auch Französisch wird von demselben noch vorgerragen, und sind die Schüler auch hierin, rn dem Grade, wie in andern höhern Bürgerschulen, fortgeschritten. Der höchst bildende, für das praktische Leben so nützliche Unterricht des Rechnens wird von Herrn Landau Len. — der auch in mehren andern Unterrichtsgegenständen vielfach beschäftigt ist — ganz vorzüglich ertheilt. Es hat sich derselbe die neuesten Methoden eines Diesterwegs u. A. bemächtigt und versteht es sehr gut sie zu handhaben. Ein Gleiches können wir auch von Hantsch, als Lehrer der Geographie und Weltgeschichte rühmen. Auf einem besondern Tische lagen die stylistischen und kalligraphischen Arbeiten, die von Hand zu Hand gingen und ungetheilten Beifall erhielten. In einem geöffneten, anstoßenden Zimmer, lagen auf mehren Tischen zahlreiche weibliche Arbeiten, wobei namentlich und sehr lcbenswerth zu bemerken war, daß mehr auf das Nützliche und täglich Brauchbare, als auf das Schöne und Künstliche gesehen war, obgleich auch dieses nicht fehlte. Die -anwesenden gebildeten Damen lobten vorzüglich die Ordnung und Akkuratesse dieser Arbeiten. Sehr gerühmt wurde die Lehrerin, Fräulein Bella W in te rbe rg, die sich durch eine liebevolle Behandlung der Schülerinnen und beharrliche Ausdauer in ihren Berusspflichten überhaupt, und durch geeignete, den weiblichen Geist und Charakter bildenden Lehren insbesondere, auszeichnet. Sämmtliche Zuhörer verließen die Prüfung höchst befriedigt und in der That war dasallgemeine Lob dieser Anstalt, einige Tage Gegenstand der Unterhaltung; ja zuverlässigen Mittheilungen zu Folge, soll sich sogar ein hohes Ministerium dadurch veranlaßt fühlen, den jährlichen Beitrag aus Staatsmitteln, zur Bestreitung des jüdischen Kultus, resp. zum Gehalte des geistlichen Beamten,