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Der Orient · 1843-05-09 · 19 (9.5.1843) · p. Spalte 301-302

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
19 (9.5.1843)
Article
Geschichte
Date
1843-05-09
Page
Spalte 301-302 (sequence 2)
Language
German
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BOI 302 Skizzen aus der jüd. 'Geschichte. A. Der Apostat. starrte mit Recht, und alle erstarrten mit lRecht, und der Erzählerin) erstarrte mit Recht, daß ihm;die Haane zu berge stiegen, und ich erstarre mit Recht. Doch der König war ein Mann, er ermannte sich bald, rief einen andern Geistlichen einen Namensvetter 15) von sich, einen Clemens Henrieus zu sich, und befahl ihm, mit dem Apostaten in Disputation zu treten, ob es ihm vielleicht gelänge dieses verirrte Lämmlein zur Weide zurückzuführen. Der Unrechte Apostat war aber ein frecher Bude, er schrieb an den Henrieus einen scharfen 16) Brief, worin er sich kurz vertherdigt, folgenden Inhalts: „Was widersprichst du Thor einem Gerechten? Dies dem Propheten Habakuk 17), dort spricht der Ewige: „ich bin Gott und wandele mich nicht". Wenn er aber, Eurem verfluchten Glauben gemäß doch sich wandelte und einem Weibe sich zugesellte, so wäre ja das Princip seiner Worte nicht die Wahrheit. Es sagte der Herr zu Moses: „Es wird mich kein Mensch sehen, der lebt" 18). Welchen Menschensohn hat er angenommen? Es sagt der Prophet David 19): Wollet nicht Vertrauen haben auf Fürsten, auf Söhne des Menschen, bei denen kein Heil wohnt ") und Ezechiel sagt20): „Verflucht ist der Mensch, welcher auf einen Menschen vertraut und macht das Fleisch zu seinem Arme) denn 21) er wird 14) Alpei'tns cap. 22. „Sed in promissione ipsa exsolvenda Lotus eontremeo et> et horrentibus pilis capitis terrore concutior diabolum potuisse homini persuadere“ etc. 15) Cap. J. „atque illius passione unus discipulorum suorum nomine Henrieus , aequivosus regis.“ Ich muthinaße, obschon im Alpertus Nichts davon steht, daß von den beiden Briefen, die erwähnt werden sollen, schon eine Disputation, oder noch wahrscheinlicher, ein Schreiben an Wecelinus erlaffen sei) wenigstens verlangt schon vorher irgend eine Verhandlung oder einen Angriff auf den Wicelinus, der Anfang des Wecelinischen Briefes: „ Quid contradicis justo insipiens“? Was widersprichst!du Thor dem Gerechten. Ich glaube also mit Recht zu behaupten, daß der erste Brief, den Heinrich vielleicht an ihn richtete, auf Befehl des Königs, nicht der sein kann, den Alpertus bietet; dieser ist ja erst eine Antwort auf Wicelins Vectheidigung gegen eine Contraditio. 16) Cap. 22 5,Seripserat enim funestis literis ijufelicissmus illecc. Man beobachte, der Brief des Wecelin enthalt 12 Zeilen, -er des Henrieus 160 sage 160. Und da soll man nicht bekehrt werden! 17) Es irrt sich der Schreiber des Briefes. Die Stelle steht nicht im Habakuk sondern in Maleachi cap. 3 y. 6. *0" ittOttf nin\ Er übersetzt es: „Ego sum Deus et non mutoi,c‘. Nun hat dies aber auch nicht der Gegner gemerkt und spricht unten, von Habakuk. 18) Exodus, 33, 20 13 133 nix' ntW? bin N'b -ON’l,/ ,/sm DINSI N1? „Non enim videbat me homo et vivei’e potest.“ 19) Psalm. 146. v. B. DIN p3 DTO-to, Irttonn btft, t'nyWCl ]\W „Nolite confidere in principibus , infiliis hominum, in quibus non est salus.s< 20) Wieder ein Irrthum, den beide nicht bemerkten. Der Vers steht nicht bei Ezechiel sondern bei Jeremias cap. 17. v. 5: "?jnt “TO um DI^O HDm “DJin “TW,, „Malcdietus homo, qui confidit in homine et ponit carnem brachium suum.“ ■2i) v. 6,: nia Nin’ '2 nicp ronjn ijnjo N'ill „Erit enim fquasi mirica in deserto et non videbit fructum cnm venerit donurn." gleich sein einem einsamen Baume in der Wüste und nicht die Frucht sehen, wenn das Gute kommt. 'Was sperrst du dagegen das Maut auf Thier? 22) Welchen Sohn eines Sterblichen nahm ec aus? Petrus etwa oder Johannes oder Martinus und die anderen Dämonen, die ihr Heilige nennt? In allen Orten wird gelesen Gott Israels, und nicht ist er Gott der Völker. Wo ist Euer Verstand? David 23) sagte: Eingedenk wird der Herr fein für die Ewigkeit seines Bundes, des Wortes, welches er aufgetragen an 1000 Geschlechter, welches er gegeben an Abraham, und seines Schwures gegen Isaak. Denn das ist sein heiliges Gesetz nebst der Beschneidung, die er gegeben Moses seinem Knechte. Henrieus erwiderte in einem sehr langen Schreiben, worin er das in dem vorigen sehr kurzen Schreiben Ausgestellte, widerlegt und das ich auch mittheilen werde, ohne fürchten zu müssen, durch diese Mittheilung irgend einen gefährlichen Einfluß auf die Juden auszuüben und so einen Nachdruck der von den wohllöblichen Missionsgesellschaften erlassenen Traktärlein zu vollbringen z er sagt darin, daß er die hartnäckige 24) Rechtlosigkeit der jüdischen Malice kenne, und daß es leichter sei Steine 25) zu erweichen, als die Herzen der Juden zur Erkennung der Wahrheit zu bringen. Ich muß doch zeigen, von welcher Art die Widerlegung sei, die in der That von ihrem Standpunkte aus mit Beredsamkeit und — Mäßigkeit geleitet ist, die aber unglücklicherweise sich immer erst auf die Dinge basirt, die aber der streitige Punkt sind. Die Widerlegung setzt voraus, was bewiesen werben sollte, und von diesem Vorausgesetzten aus, beginnt sie dann ihr widerlegendes Moment zu entwickeln. Jemanden zu befehlen, daß er glauben solle, ist keine Ueberzeugung und die Überzeugung muß kommen - vor dem Glauben und der Glaube nicht vor der Ueberzeugung. Glauben, sagt Louis Bautais 26), ist der Wahrheit anhangen, mag sie eine reine sein oder eine solche, die als reine angenommen wird) ganz recht! wir setzen die Wahrheit voraus, um glauben zu können, und zur Voraussetzung der Wahrheit, gehört nicht wieder Glaube, sondern Ueberzeugung, sei es nun wiederum eine reine, oder eine als solche angenommen. Henrieus daher hat seine Meinung recht gut ausgesprochen, insofern bei ihm die glückliche Voraussetzung da istseine Worte bleiben ganz wirkungslos bei dem, der diese Voraussetzung nicht anerkennt. Einen gläubigen Christen können seine Worte befestigen, einen Juden nimmer überzeugen. Daher glaubt man, wenn man die Widerlegung liest, gar keine Schrift des 11. Jahrhunderts zu lesen, noch heute und ewig werden das die Punkte sein worüber Christ und Jude ewig disputiren ewig devergiren werden. Aber ich kann nicht umhin, eine sehr kühne Konjeclur über beide Worte selbst zu äußern. Daß der erste sehr klein ist, habe ich schon bemerkt, der zweite 13mal langer beschäftigt sich, uns die wenigen 22) Quid contra hiscis'animal? 23) Psalm 105. 8. 9. rf}nb Hlä ~Ol 1N'-Ü 121 prerb inywi dton hm rro : in „Memweris Dominui in seculum testamenti sui, yerbi, quod mandavit in mille geiierationes, quod disposuit ad Abraham et juramenti sui ad lsaac.“ 24) Epist. Henrici v. 12. „Judaicae malignitatis obstinata improbitas.“ 25) v. 3. „facilius esset saxain mollitiem converti, quam corda restra ad accipiendam verÜtatem descindi.“ 26) Philosophie du Christianisine p. 293. ft*. Cf. Zeitschrift für historische Theologie herausgegeben von Jllgen. 7* Wd» Jahrg«. 1837. 2. Heft pag. 165.

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