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Der Orient · 1843-05-09 · 19 (9.5.1843) · p. Spalte 295-296

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
19 (9.5.1843)
Article
Dogmatische Literatur [Rezension]
Date
1843-05-09
Page
Spalte 295-296 (sequence 3)
Language
German
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Lit. Analekte. — Ein Lied der Arvalen. 296 295 Idee von den Speisegeschm bekommen; ja die Trefflichkeit derselben muß den Juden wieder einleuchten. — Die elfte Predigt handelt über die rechte Sabbatform und ihre Bedeutung und weist nach, wie gerade im Sabbat das Princip des Judenthums äußerlich dargestellt wird, und wie der Sabbat die Idee, welche das Judenthum vom Heidenthum unterscheidet, verkörpert. Denn wenn der Heide die Natur als eine ihm feindliche Macht betrachtete, der er zu entfliehen suchte, so lehrt der Sabbat den Juden, daß Gott die Natur, die Erde und Alles in sechs Tagen geschaffen und sie am siebenten Tage vollendet habe, daß die Natur von Gott gut geschaffen war, daß also der Mensch das Irdische nicht verachten, sondern Gott gleich die Erde bearbeiten solle, um seinen Geist in ihr zu bewahren; wenn auf der andern Seite der Heide die Natur als Gott verehrte und sich ihr ganz preiszugebm suchte, nur Irdisches und Sinnlichkeit zu verehren wußte, so lehrt wiederum der Sabbat, daß die Erde nicht Gott ist, sondern daß sie von Gott geschaffen und daß Gott, da er seinem Schöpfungswerk aus freiem Willen wieder Grenzen zu setzen wußte, freier Herr derselben sei, daß daher der Mensch sich nicht dem Irdischen preisgeben, das Irdische verehren, sondern Gott gehorchen und im Irdischen das Geistige bewahren solle. Endlich lehrt uns der Sabbat noch die Ebenbildlichkeit Gottes erwerben, und vertheidigt das Judenthum somit gegen die Angriffe, welche von Seiten, des Ehristenthums gegen dasselbe gemacht werden; denn wenn das Christenthum behauptet, erst in ihm sei es zum Bewußtsein gekommen, daß Gott dem Menschen nahe, daß der Mensch Gottes Kind und Gott ihm Vater, daß der Mensch göttlichen Geschlechts sei, so tritt dieser Lüge der Sabbat mit seiner Lehre-entgegen: Gott hat sechs Tage gearbeitet und Himmel und Erde und alles Natürliche geschaffen und am siebenten hat er dem- Werke seiner Hände Grenzen gesetzt und deswegen hat er uns geboten, sechs Tage zu arbeiten und am siebenten dem Wecke unserer Hände Grenzen zu setzen, denn wir sollen ja Gott gleich auf Erden wandeln, und nur dann können wir vollkommen werden. . Der Sabbat ist zugleich auch die Bestätigung des ewigen Bündnisses, das Gott mit Israel geschlossen hat, denn die in der Sabbatsidee enthaltene Wahrheit sott Israel der Welt dringen, die Wahrheit, das Gott Herr ist über alle seine Geschöpft, daß er Alles vollkommen und gut in seiner Art gemacht hat, daß kein Geschöpf als Gott verehrt werden kann, daß kein Geschöpf Macht har gegen seinen Gott, daß der Mensch Gottes Ebenbild ist, daß er wie Gott frei auf der Erde wandeln soll, daß Nichts ihm verkümmern kann diese seine Freiheit, daß Nichts Macht har, ihn von Gott zu trennen, daß die Sünde zwar lauert vor der Thüre, er aber überall ihr den Kopf zu zertreten die Kraft hat". Eine weitere und genaue Ausführung dieser Sabbatsidee findet man in des Verfassers oben erschienener Schrift: Das Judenthum, der christliche Staat und die moderne Kritik, Briefe zur Beleuchtung der Judmfrage von Bruno Bauer (S. 31— 35 u. f.), auf welche Referent noch besonders aufmerksam macht, da in derselben das jüdische Princip mit seiner historischen Fortentwickelung trefflich dargestellt und nachgewieftn wird, wie der wahrhaft christliche Staat nur im jüdischen Princip seine Wurzel haben kann und gerade der christliche Staat deshalb die Juden uothwendig emancipiren muß. — Die folgenden sechs Predigten, welche Referent, um nicht zu weitläufig zu werden, zusammenfaßt, betrachten Israels Festtage, und zeigen wie die Aufgabe derselben nur Eine ist, wie sie die Geschichte Israels darstellen und zugleich jedem Israeliten vergegenwärtigen wollen, auf welche Weise Israel zur Verwirklichung seines Princips erzogen, und wie dadurch am Ende auch die Messraszeit für alle Menschen, das Ziel der ganzen jüdischen Geschichte erreicht wird. Das Pesachfest ist nämlich die Kindheit Israels, wo ihm das Heil nur angedeutet wird, wo Gott mit ihm kindlich spricht, es durch Gebrauche und symbolische Handlungen belehrt, wofür Israel aus Egypten gegangen ist, und von Gott zu seinem Sohne angenommen ward; welche Gesinnung Israel ziemt, um diesen göttlichen Zweck zu erfüllen und wie Israel sich in Leben zu benehmen hat. (Beschluß folgt.) Literarische Analekte«. Ern Lied dev Mrvülen. Auf einer der zwei im Jahre 1777 zu Nom ausgegrabenen Marmortaseln fand sich auch ein Lied der Arvalen, das seiner Form nach — wo besonders die dreimalige Wiederholung eines und desselben Verses bemerkenswert!) ist — Vieles mit der Form mancher jüdischen Gebetstücke gemein hat. Wenn nun an einen Einfluß des römischen Volkes auf das jüdische oder des jüdischen auf das römische, in diesem Falle, gar nicht zu denken ist, so kann wenigstens das Lied beweisen, wie eine ähnliche Anschauungsweise denselben adäquaten Ausdruck hervorruft, und wie ein enger Jdecnkreis mannigfache Formen ausfchließt. Es lautet folgender Maaßen*): Ihr Laren, helfet uns, Ihr Laren, helfet uns, Ihr Laren, helfet uns.' *) Diese Übersetzung ist einem in Stuttgart bei Karl Göschel erschienenen Buche: „Die Dichter des Römischen Alterthums, in einer organischen Auswahl aus ihren Meisterwerken, von Prof. Dr. K. Fr. Borberg" entnommen.

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