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Der Orient · 1843-05-09 · 19 (9.5.1843) · p. Spalte 293-294

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
19 (9.5.1843)
Article
Dogmatische Literatur [Rezension]
Date
1843-05-09
Page
Spalte 293-294 (sequence 2)
Language
German
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293 Die Meffiaslehre der Juden in Kanzelvortragen. B. Dr. S. Hirsch. 294 Hausworin es lebt, wird so eingerichtet sein, daß es die ihm geziemende Heiligkeit stets vor Augen hat und immer mehr zu ihr aufgefordert wird. Der Hauptzweck der Beschneidung ist endlich drittens, Israels Beruf in der Weltgeschichte anzudeuten; Israel soll nur für den Herrn leben, und die Völker sollen durch dieses Leben den Herrn erkennen und Israel achten; Israel soll nicht auf irdische Macht sich stützen, sondern blos auf sein gottgeweihtes Leben, das Böse in der Welt gegen sich anstürmen lassen, aber durch sein Gottvertcauen, seine Ausdauer und Standhaftigkeit, die Nichtigkeit des Bösen zur Aneckmntniß und so das allein Wahre zu allgemeiner Geltung bringen. — Eine der vorzüglichsten Predigten dieser ganzen Sammlung ist dem Referenten die zehnteüber die Speisegesetze. Der Text, welcher derselben zu Grunde gelegt ist, befindet sich im Gen. 32, 32: Darum essen die Kinder Israels nicht die Sehne, welche am Gelenke der Hüfte, bis auf diesen Tag, weil er verwundet das Gelenk der Hüfte Jakobs, die Sehne. Hier ist das erste Speisegesetz, und dies ist gegeben bei der Gelegenheit, wo Jakob den Namen Israel bekommt, den wir heute noch führen, nachdem er mit einem Manne gekämpft, der ihn verwundet und dem er dennoch obgesiegt. Hierin ist wieder der 'weltgeschichtliche Beruf Israels ausgedrückt, trotz seines körperlichen Untertiegens dennoch im Kampfe mit der Welt zu bestehen und zu siegen. Es sind daher die Speisegesetze gleichfalls heilige Mittel zu einem heiligen Zwecke, und als solche zu begreifen. Im ersten Theile widerlegt der Verfasser mit großer Evidenz und Klarheit alle die Gründe, auf welche sich diejenigen zu stützen vorgeben, welche sich nicht mehr an die Speisegefttze binden. Im zweiten Theile weist er auf spekulativ historischem Wege nach, wie dies blos ersonnene Gründe sind, entstanden erst, nachdem man sie nicht mehr beobachten wolltewie der wahre Grund der Nichtbeachtung der Speisegesetze so wie der meisten andern jüdischen Ceremonien kein anderer sei, als die verwerfliche Scham, im Leben als Jude zu erscheinen; er zeigt, wie diese Scham durch die Schwäche der menschlichen Natur entstanden, jetzt aber durchaus zu verwerfen sei. Im dritten Theile endlich giebt der Verfasser die Bedeutung der Speisegesetze an; sie sind eine immerwährende Mahnung als Juden zu leben und die jüdische Ausgabe ganz zu lösen. Die Juden sollen wie Jakob in der Welt kämpfen und zwar für das ewige Heil der Welt; sie sollen dem Bösen irr der Welt entgegentreten, der Sünde sich kühn widersetzen und zur Tugend aufbieten. Wie Jakob seinen Bruder Esau nach einem alten Midrasch dreifach gerüstet entgegentrat, mit Geschenken, Waffen und Gottvertrauen; so könnten auch den Juden zur Durchsetzung ihres Werkes dreifache Mittel zu Gebote stehen: Geschenke, Krieg nnd Vertrauen auf Gott. Die erste dieser Waffen hat Israel treulich angewendet: es hat der Welt das größte Geschenk gemacht, das je ein Volk machen konnte, mit seiner heiligen Geschichte und dem Buche, das von der Heiligkeit dieser Geschichte Zeugniß ablegt; es hat durch seine Schicksale und Erlebnisse die Welt belehrt, daß Gott nicht die Lüge des Heidenthums, sondern die Wahrheit allein will, und daß ec die Menschheit zu dieser Wahrheit, Freiheit und Gottseligkeit immerwährend erzieht. Die Welt aber kam Israel selbstgenügsam entgegen und wollte dieses Geschenk von ihm nicht un verkümmert annehmen; da hätte man die Kriegswaffen anwenden und die Welt zwingen können, den Gott der Wahrheit anzuerkennen und sich von der Lüge und Bosheit loszusagen; Israel aber geziemt das Schwert nicht: als Jakob auch seinem Bruder kriegsgerüstet entgegenziehen wollte, vernichtete ein Mann seine Körperkraft und dieser körperlich schwache Jakob ist das geistesstarke Israel. Denn die Wahrheit laßt sich der Welt nicht aufzwmgen, der Mensch besitzt sie nur dann, wenn er ihr freiwillig sein Herz öffnet; und zu dieser freiwilligen Aufnahme der Wahrheit die Welt zu veranlassen, sollte Israel das Mittel dienen; dazu sollte es schwach an Körperkrast und stark durch die dritte Waffe, durch Gottvertrauen sein. Israel sollte den Haß des Bösen ohne Widerstand ertragen, damit das Böse siege und in seinem Siege sich als das Nichtige zeige; es sollte zeigen, daß die Wahrheit der weltlichen Waffen nicht bedürfe, um allen Anfeindungen zum Trotz ewig zu bestehen. In den Speisegesetzen sollen die Söhne Israels sich immer zu erinnern wissen, daß nicht körperliche Stacke, sondern geistiger Muth sie stark mache , daß ihr Beruf ist, freudenvoll zu leiden, bis das Böse seine Nichtigkeit einsehe und daß sie gegen den Haß der Welt nur die Waffen des himmlischen Geschenks, und die der Geduld und des Gottvertrauens anwenden möchten. Sowie diese Aufgabe Israels in diesem ersten Speistgesetz angedeutet ist, so sieht'sie auch der Vers, in den spätern symbolisirt; denn was nicht gespaltene Klauen hat und nicht Wiederkäuer unter den Tieren, ist dem Juden unrein. Alles aber, was keine gespaltene Klauen hat, wehrt sich im Kampfe, gebraucht seine Hufen zur Selbstvertheidigung; die Juden aber sollen sich nicht wehren im Kampfe gegen die Welt, sondern nur durch das Vertrauen aus die Kraft der Wahrheit, die iw ihnen lebt, den Sieg erringen. Eben so verhalt es sich mit den Thieren, die nicht Wiederkäuen, diese erhalten sich von Mord und Raub; die Juden aber sollen in ihrem Verkehre mit der Welt Niemanden angreifen und Niemanden verletzen, sanstmüthig und friedfertig leben, und nur Liehe und Wahrheit als Waffen benutzen. Referent muß gestehen, daß diese Predigt sowohl in Inhalt und Form eine der trefflichsten ist, die er je gehört und gelesen hat» und werden Juden und Nichtjuden,-wenn sie sich von diesen Gedanken durchdringen lassen, eine ganz andere 19*

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