Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 19 (9.5.1843)
- Article
- Die Geologie und die Bibel
- Date
- 1843-05-09
- Page
- Spalte 291-292 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897857-2369244--2759-2369284- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
291 292 Die Mefsiaslehre der Juden in Kanzelvortragen. B. Dr. S. Hirsch. stellung der Tradition von den verschiedenen Völkern über die Urgeschichte und das .dritte hat die Geologie zu ihrem Hauptgegenstand. — Nr. 5 ist von einem Prof, der Mineralogie und Geologie zu Montpellier verfaßt und wenn auch die versuchte Ausgleichung originell und geistvoll ist, so reicht es doch zur Charakterisirung desselben hin, daß der Pabst ihm in einem eigenhändigen Schreiben für den Dienst dankt, den er der katholischen Religion geleistet. Dogmatische Literatur. Die Messiaslehre der Juden in Kanzelvortragen. Zur Erbauung denkender Leser herausgegeben von Dr, Samuel Hirsch, Rabbiner. Leipzig, 1843. 8. Heinrich Hunger. (Fortsetzung.) Der Zweck der Erscheinung Gottes auf dem Sinai ist kein anderer, als in diesem Wunder aller Wunder die innerlich geistige Bedeutung der Wunder, überhaupt demnach nichts Anderes, als den Inhalt der ganzen Lehre .zu geben. Ist dieser Zweck der Prophetie anerkannt, so werden auch die Zweifel gegen dieselbe bald verstummen. Dann werden wir aber auch den Inhalt der Prophetie begreifen und würdigen. Die Propheten haben die Nichtigkeit des Heidenthums und den Einen Gott als Herrn und Schöpfer des Himmels und der Erde gelehrt, sie haben verkündet, was Religion fei/ und daß der Mensch nur geschaffen sei, um in der Gottesfurcht zu leben, frei über die Natur zu walten, das Thierische in ihm dem Geiste dienstbar zu machen, es mit dem Geiste, der ihn vom Thiere unterscheidet, zu durchdringen, zu veredeln und zu vergöttlichen; die Propheten haben aber auch ferner begriffen und vorausgesagt, daß Gottes Zweck mit der Schöpfung des Menschen trotz seiner Sünde erreicht werden wird, daß das Böse in seiner Nichtigkeit erkannt werden und eine Zeit kommen wird, wo jeder Mensch das wahre Ebenbild Gottes sein und sich als sein freies Kind wissen wird. Die Propheten haben ferner erkannt, daß Israels Geschichte, die ihm geschehenen Wunder und Wohlthaten, sein ganzes Volksdüsein, keinen andern Zweck habe, als die Träger dieser Wahrheit zu sein und sie zuerst in Israel zur allgemeinen Geltung zu bringen, daß aber endlich diese Wahrheit durch Israel allen Menschen gebracht werden und alle Völker durch seine Heiligkeit zur gleichen Heiligkeit bewegt werden sollen. Im achten Dorttage endlich behandelt der Verfasser die Offenbarung Gottes ui Israel und deren Bedeutung. Er bekämpft zunächst diejenigen, welche eine Offenbarung Gottes leugnen und weist nach, wie der Grund dieses Läugnens darin liegt, daß sie die Offenbarung nicht verstehen, daß sie glauben, die Offenbarung sei blos eine wundervolle Mittheilung von Lehren, während sie doch Nichts weiter ist, als die göttliche Erziehung Israels zu den Wahrheiten, die dieVernunft niemals hätte vergessen sollen; mit andern Worten, die ganze Geschichte Israels, von Anfang an bis auf den heutigen Tag, ist die Offenbarung Gottes m Israel, welches im Textt (Jesaja 63, 9) ausgedrückt wird: Gott hat sie genommen und getragen alle Tage der Welt. Diese Erklärung der Offenbarung liegt, wie der Verfasser meint, in den beiden ersten von Gott gesprochenen zehn Worten, welche die ganze Religion umfassen, die Erklärung und das Ziel der ganzen jüdischen Geschichte und der Zweck aller Weltbegebenheiten sind. In dem ersten derselben wird nämlich Gott als freier Herr und Schöpfer von Allem und im zweiten die Nichtigkeit jedes Götzendienstes, sowohl im Kopfe als im Herzen, erklärt, und dies umschließt schon die ganze Religion; zugleich liegt aber auch in den Worten: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Egypten geführt, aus dem Hause der Sklaverei, der besondere Volksberuf Israels angedeutet, der Träger jener Wahrheit immer zu sein und zu bleiben; dieser besondere Beruf Israels, in seinem heiligen Leben den Völkern Vorbild zu sein und den Völkern die Heiligkeit zu zeigen, wird durch die jüdischen Ceremonien, deren Erfüllung nur dm Juden vermöge ihres Berufs obliegt, symbolistrt, und hängen deshalb auch diese gewissermaßen mit dem Wesen des Judenthums zusammen, indem sie nichts Anderes beabsichtigen, als die Aufgabe des israelitischen Volksdaseins auch äußerlich darzustellen. Ver Verfasser macht daher nun den Uebergang zum dritten Abschnitt: die Form des Judenthums, und behandelt dieselbe in zehn Predigten, von denen Referent zwar alle dem Titel nach und der Haupttendenz angeben, aber nur einige ganz besonders hervorheben will. Nachdem der Verfasser in der Einleitung zur neunten Predigt die jüdischen Ceremonien überhaupt als nochwendig zur äußerlichen Darstellung des israelitischen Gedankens nachgewiesen hat, betrachtet er zunächst die Beschneidung als das Bundeszeichen , das unsre zarteste Kindheit empfängt und uns niemals verläßt, worin uns gleichsam das Siegel unsres israelitischen Berufs aufgedrückt wird. Sie ist zunächst das Zeichen der Heiligung Israels, und daß Israel sein ganzes Leben dem Herrn heiligen wolle, und wie könnte der Mensch, wenn er das Zeichen, daß er ganz Gott gehört, an seinem Fleische betrachtet, ja sich zu ssleischlicher Smnenlust erniedrigen, und nicht sein Fleisch und sein ganzes Dasein Gott, dem Geiste unterwerfen und sein Leben heiligen, da schon die Quelle seines Lebens geheiligt ist. Zweitens wird die Beschneidung zur Heiligung des Familienlebens nicht wenig beitragen; denn wenn man sein Kind dem Herrn geweihet hat und geweihet weiß, so wird man sich selbst dem Herrn weihen und die ganze Umgebung des Kindes, das