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Der Orient · 1843-05-09 · Heft 19 (9.5.1843) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 19 (9.5.1843)
Article
Frankfurt a. M.: Anstellung des Dr. J. Auerbach an der Bürger- und Realschule
Date
1843-05-09
Page
Seite 148 (sequence 2)
Language
German
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148 eine Last und Bürde sein, die wir nach dem Gewichte bemessen, und eine solche. Last und Bürde ist er denen, die ihn erleichtern, und denen, die ihn erschweren wollen. Der freie Wanderer aber denkt nicht an das, was er mit sich trägt, sondern nur an seinen Weg und seine Botschaft. Der Glaube ist keine Münze, die wir zahlen und aufrechnm: für so und soviel Glaube und Gottesfurcht und Frömmigkeit und Sittlichkeit, je nachdem die eine oder die andere gerade im Kurse steht. Der 'Glaube ist keine Münze, die wir als Mittel befrachten dürfen, uns die Reise mehr oder weniger angenehm zu wachen,.da wir doch reisen und wandern sollen, eben um des Glaubens willen. Von der Kunst sagt man, sie dürfe nicht nach Brod gehen; aber der Glaube, die höchste Kunst des Lebens, geht darnach, und darum ist der Hunger und Durst nach Gottes Wort so selten geworden. Der Glaube ist keine Münze, wohl aber dem Gelde vergleichbar, und ein Schatz, der alle Schatze der Welt übersteigt, aber ein Schatz, den wir nicht von Außen sammeln, sondern im eigenen Innern aufgraben, ein Gold, das wir ein ganzes Leben hindurch in uns selber lautern müssen. Frankfurt a. M., 27. April. In unserer Gemeinde hat sich ein Verein gebildet, der nichts wenigerbezweckt, alseine allgemeine und vollständige Reformirung des Iudenthums. Diese beabsichtigte Reform soll aber nicht innerhalb der Synagoge bestehen, um alte abgelebte Formen durch eine Umgestaltung und Umformung des Aeußecn zu ersetzen, die alte inwohnende Idee aber schützend und deckend zu erhalten, sondern ein gänzliches Losreißen von allen positiven Haltpunkten, die störend und hemmend einer Anschmiegung an die große Mehrheit im Wege stehen, bezwecken. Die ehrwürdige Hülle und das historische Gewand desJudenththums soll fallen, um eine Religion des Geistes, unverschleiert und unverhüllt von Symbolen und Zeichen zu schaffen, und das Judenthum als eine Idee hinzustellen, die jeder, nach seinem subjektiven Denkvermögen, mit aller Wandelbarkeit und Veränderlichkeit des menschlichen Sinnes formen., modeln und bilden könnte. — An der Spitze dieses Vereins stehen, der berühmte Literat Dc. F. Creizen ach, der praktische Arzt und Geburtshelfer Dr. Schwarzschild, und andere Kaufleute und Laien. Von den auswärtigen Gelehrten sind beigetreten Dr. R.. und Dr. Stern. Theologen sind den zu Grunde liegenden Principien gemäß von jeder Theilnahme ausgeschlossen. Wernburg, 1. Mai. Der Befehl des hiesigen herzoglichen Konsistoriums an alle Pastoren des Landes, die Bibel des Dr. Herxheim er (die israelitische Bibel im Texte mir Uebersetzung, vollständiger Erklärung und homiletisch benutzbaren Andeutungen, herausgegeben von Dr. S. Herxheiwer. Berlin, bei Lewent. 1843) aus den'Kirchenkassen anzuschassen, hat unter den christt. Theologen des Auslands einen heftigen Kamps hervorgecufen. Den Reigen begannen die Hengstenberg'sche Kirchenzeitung, der Bremer Kirchenbote, die Frankfurter katholische Kirchenzeitung rc. Ohne gegen das Werk selbst sich ungünstig zu äußern, ja wahrend Einige von der Partei erwähnter Blätter sich öffentlich sehr lobend über dessen Werth ausgesprochen, suchten genannte Zeitschriften doch auf alle Weise jenen Hohen Befehl als unchristlich zu bezeichnen und das Hochlö bliche Konsistorium gar arg darob zu verketzern. Es ist merkwürdig, wie die Juden nicht das mindeste Bedenken tragen, die von Christen herausgegebenen Lese- und Lehrbücher in ihren Schulen einzuführen, während christliche Gelehrte das Christenthum in Gefahr glauben, wenn die Pastoren im Verstandniß des Alten Testaments durch das Werk eines Rabbiners gefördert werden. Doch ists erfreulich, daß, wie wir vernehmen, in der Kürze von tüchtigen christlichen Theologen die gedachte Einführung genannten Bibelwerkes aus der Gediegenheit und Nützlichkeit dieses Weckes selbst in den betreffenden Blättern gerechtfertigt werden wird. Wiesbaden, 16. April. Hier trat vor Kurzem die Familie des bekannten Banquiers Henoch zum Christenthum/ und zwar zur katholischen Konfession über. Wir ersparen jede Bemerkung, da wir früher, als die A. Z. d. I. acclamirte, geschwiegen und in diesem Blatte es nussprachen, daß die Handlungsweise des Banquiers nie den Juden Ehre gemacht. Hamburg, 25. April. (WB. v. 17—24. April.) Gestern traf hier aus England die Nachricht vom Tode des Herzogs von Sussex ein. Seit langer Zeit ist uns kein königlicher Prinz in der Geschichte aufgestoßen, der so viel edle und aufopfernde Humanität besessen, sich so ganz aller Geburts- und Standesvorurtheile entaußert, so konsequent als Weltbürger gedacht, geredet und gehandelt hatte. Segen feinem Andenken, das auch unter den Juden Großbritanniens und den Höhergebildeten des Kontinents niemals schwinden wird. Die jüdische Wissenschaft, die bürgerliche Gleichstellung der Juden und die jüdische Gotteslehre haben an ihm einen muthigen, beharrlichen Vertheidiger, Pfleger und Beschützer verloren. Er war ein stets bereitwilliger Protektor jüdischer Wohlthätigkeitsanstalten und gemeinnütziger Vereine und erhob seine Stimme für die Emancipation laut im Oberhause mitten unter einer theils aristokratischen theils frömmelnden Majorität. Und wie für das Ganze, so sorgte er auch für Einzelne, die in seine Nahe kamen; ich darf hier blos an den Beistand erinnern, den er den orientalischen Studien des Herrn Löwe angedeihen ließ. Möchten die Juden allenthalben einen so festen Hort besitzen, als ihn unsere britischen Glaubensgenossen an ihm gehabt und nun leider verloren haben. — Schon vor länger als einem Monate war von einem herrlichen Geschenke die Rede, welches die poln. Juden ihrem kaiserlichen Landesherrn zum Danke für die beabsichtigte Reform ihrer bürgerlichen

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