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Der Orient · 1843-05-02 · 18 (2.5.1843) · p. Spalte 285-286

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
18 (2.5.1843)
Article
Geschichte
Date
1843-05-02
Page
Spalte 285-286 (sequence 2)
Language
German
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285 286 Skizzen aus der jüd. Geschichte. A. Der Apostat. sie und verführt sie mit teuflischer Lisi, daß sie Gottes, es ist schrecklich zu verkünden , daß sie — Juden werden, so daß sie Juden werden, ich rufe es noch einmal, daß sie Juden werden. Nein, das ist nicht möglich, sagt ihr, das thut kein Christ, so dumm ist er nicht, so konnte er ja Justizeathi), Hofrath, Regierungsrath, Assessor, Professor, Nachtwächter, Apotheker, Feldwebel und Meister werden, jetzt — kann er es bis zum Gemeinen bringen; sonst prügelte er, so aber wird er geprügelt; sonst ist er der Trommelschläger, jetzt wird er das Trommelfell, kurz sonst ist und bleibt er ein Gesalbter des Herrn, ein Christos, jetzt ist er ein Jude, ein Stiefkind der Natur. Nein, das thut kein Christ, das kann er nicht thun. So sagt ihr; und doch hat er es zu Stande gebracht der Teufel, daß ein Christ ein Jude geworden isE Aber ein Teufel hat es nur zu Stande bringen können diese scheußliche Schandthat, diese Sünde gegen sein eignes Fleisch und Blut, dieses Verbrechen gegen die Nachwelt, der er vielleicht ein Dutzend Second-Lieutenants entreißt. Heute freilich hat er es auch nicht gethan, dafür sorgt schon die Polizei, die solchen Teufeln , wenn sie ins Land wollen, den Paß abfordert und wenn sie den teuflischen Paß haben, sie wieder zum Teufel jagt. Dafür sorgt schon der Staat, der über seine Unterthanen väterlich wacht, sie am Bande des Wohlwollens leitet, daß nicht etwa Einer verführt, sein Glück von sich stoße, das der Glaube ihm bietet, er zwingt 'ihn daher, in dem Gleise zu bleiben, in das ihn die Vorsehung gestellt und duldet es nicht, daß ein Christ Jude werde. Er duldet es wirklich nicht, ihr könnt es glauben. Und hat er nicht Recht, daß er es nicht duldet? Verdient er nicht dafür eine Dankadresse von der Menschheit und von der europäischen Christmenschheit ins Besondere? Könnte nicht wirklich Einer so teuflisch sein, ein Jude zu werden? Aber er ist noch gütiger der Staat, er läßt sogar die Juden Christen werden; er bezahlt es ihnen sogar, daß sie glücklich werden, gerade wie die Eltern den Kindern Geldstücke geben, daß sie fleißig seien und was lernen. Aber vor Zeiten, als^es noch keinen Staat gab, wie heute, als es zwar christliche Könige, aber keinen christlichen Staat gab, als noch keine Polizei und noch keine Censur existirte, da kam cs vor zum warnenden Exempel für die Menschheit, wie der Mensch sich verirren könne, da kam's vor, daß ein Christ die verruchte, teuflische Idee einsog, ein Jude zu werden. Es ist fürchterlich, wenn man daran denkt, und mit Recht schauerte denen, die ein solches Phänomen der menschlichen Thorheit erlebten, die Haut. Es kam vor; und damit ihr mir es wirklich glaubt, will ich euch ein Beispiel ordentlich erzählen, wie es kam und wann es geschehen ist, damit ihr erkennet die Weisheit des Staates, der solche Schandthaten verhindert. Ich werde Euch den Herostraten nennen, der sich eine so traurige Berühmtheit errungen, und Euch kurz, nach den kurzen Angaben der. Erzähler, erzählen, daß ein Christ Alles hinweggeworfen hat, alle Vortheile und Bequemlichkeiten seiner Geburt, um ein Jude zuwerden, ein Mitglied jenes Pariastammes im christlichen Staate. Zürnet nicht ob der viele Worte, die ich hiebei gemacht.; es ist zu seltsam für die damalige Zeit, da. es vor langer, langer Zeit geschah, und zu interessant für die heutige, die bms das Verständige umgekehrt kennt und ausübt, als. daß ich mich nicht vorzüglich darüber hatte wundern sollen und mich nicht gemüht haben sollte, jenem 1) Commerzien- und geheime Commerzienräthe sind die. Juden immer gewesen. Manne seine verdiente Schellenkappe aufzusttzen, daß sie laut erklingele und' es alle Juden hören mögen, soweit nur die Wissensgesellschaft ihre Apostel sendet, und soweit man heilige Trakä'tlein liest. Es war in den Zeiten Heinrichs des Zweiten , der da herrschte in Deutschland als König —Kaiser ist er später geworden —, da erfreuten sich die Juden in diesem Lande, das ebenso berühmt ist durch seine Judenverfolgungen als durch seine Reformation, einer ziemlichen Ruhe; wie denn überhaupt der Anfang des elften Jahrhunderts weit weniger sich um die Juden verdient gemacht hat, daß heißt, um ihre Bekehrung, als das Ende derselben. Sie wurden nicht gemordet oder durch Mord gezwungen, anders zu denken als sie zu denken Lust hatten, und erwarben sich Reichthümer und Wohlstand, s) Freilich muß man sich nicht einbilden, sie hätten gelebt wie die Juden heute leben (!), und hätten die Freiheiten gehabt, die sie heute haben (!); nein, es kam wohl vor, daß König Heinrich zu seinem hohen, heiligen Vergnügen die Kammerknechte aus Mainz«) jagte, daß der Bischof Hilduin^) die Juden aus Limoges zu ,wandern zwang, indem er ihnen die Alternative entweder Christen zu werden oder aus der Stadt zu wandern gestellt hatte. Es ereigneten sich auch einst würdige Wunder ums Jahr 1020, 2) da war ein großes Erd- 2) Freilich ist ihr Handel manchmal komischer Art gewesen, mit dem sie sich denselben erwarben. In Prag beklagte sich der h. Adalbert, daß die Christen den Juden Menschen verkauften und er mußte sogar davon träumen! (cf. Brunonis und eines Andern Leben Adalberts, die bei Canisius ed. Basnage 3. a. und bei Pertz im sechsten Bande der monumenta historiae Germanica stehen.) .Auch unser Henricus hat dies verboten, wie Lhietmarus erzählt lib. V!. p. 382. „Christianos gentilibus venundari.prohibuit.“ 3) Cf. Chron. Quedlinburg ap. Lübeck II. 289. seriptores rerum Rrunswicensium „Expulsio ludeorum facta est a rege Moguntiae“. 4) Adeniasi hist. lib. 3. ap. Pertz. mon. hist. German. VI. 136 „Eo anno HiLduinus episcopus ludeos Lemovicae ad baptisimnn contulit lege prolata, ut-aut Christiani essent aut de civitate recederent et per unum niensem doctores divinos jussit disputare cum ludeis, ut eos ad Kd ein cogerent et tres yel quatuor ludei, Christiani facti sunt. Cetera autem multitudo, per alias civitates diliugere cum uxoribus liberisque .-festinavit. (Der Cod. Paus. 59, 26. hat den Zusatz ,,Quidam etiam se ipsos ferro jugnlarerunt nolentes baptesimum accipere“; aber erstens ist es die Handschrift zweiten Ranges, zweitens ist auch schon in der Alternative kein Grund des Todes vorhanden.) „Der Bischof H. v. Limoges zwang die Juden zur Taufe unter der Alternative, daß sie entweder Juden werden oder die Stadt verlassen, und schickte Lehrer , denen er mit denselben zu disputiren befahl, aus daß sie zum Glauben bekehrt würden und Drei oder Vier sind Christen geworden, die übrige Menge wanderte aus". Modercne Hilduinus! Moderene Lehrer des Glaubens! Verstockte Juden!. 5) Dies erzählt derselbeAdemas bei Pertz. 6.139. „ klis diebus .... Roma terrae motu etnimio vento perieiitata est. Et confestim quidam ludeorum (Cod. Paus. 5828. hat den Zusatz als schola Grevia) intimavit domino papae, quia ea hora eludebant siuagogae ludeorum Crucifixi ftguram. Quod

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