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Der Orient · 1843-05-02 · Heft 18 (2.5.1843) · p. Seite 139

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 18 (2.5.1843)
Article
Hamburg
Date
1843-05-02
Page
Seite 139 (sequence 2)
Language
German
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139 Billigung ihrer Schritte durch die Behörde mit Sicherheit rechnen. Vielmehr dürste sie, wenn es ihr vielleicht gefallen sollte, sich mit dem Senate in Opposition zu setzen, schwerlich auf irgend einen Erfolg rechnen können, schon darum nicht, weil selbst die einflußreichsten Mitglieder derselben weder über den Begriff des Patriotismus unter einander einig, noch selbst der Entwickelung einer ächt-patriotischen, das persönliche Interesse gänzlich 'verläugnenden Lhätigkeit fähig sein dürsten. Doch hat die Gesellschaft, die übrigens früher, wenn auch nicht auf so öffentlichem Wege in Herrn Eduard Michaelis ein jüdisches Ehrenmitglied in sich ausgenommen hat (wobei beiläufig gesagt, eine Interpretation des charakteristischen Unterschiedes zwischen ordentlichen und Ehrenmitgliedern zu wünschen wäre und die fast ironische Bezeichnung eines jüd. Ehrenmitgliedes als eines Mitbürgers besser wegfiele) — die Gesellschaft, sage ich, hat jetzt die beste Gelegenheit, ihren Patriotismus, ihre Toleranz und ihre Intelligenz zu bewähren. Eine von ihr gewählte Kommission hat nämlich vor Kurzem die Reformvorschläge, die in ihren beiden Suppliken von 1842 angedeutet waren, ausgearbeitet und binnen wenig Wochen werden dieselben gedruckt den Mitgliedern, wie den übrigen Unterzeichnern jener Bittschriften und dem Publikum vorgelegt werden. — Warten wir nun ab, in welcher Weise dabei der Juden und der ihnen zu zugestehenden Rechte gedacht werden wird! Bestätigt sich eine früher umlaufende Nachricht, so ist allerdings auch ihren Einsprüchen in dem Llomoil'e Rechnung getragen worden und das damit beauftragte Kommissionsmitglied, der Richter am Niedergerichte, Dr. jur. Baumeister, hätte sich, wie früher in einem Artikel der Neuen Hamb. Bl., als Anwalt der gerechten Sache ge- ^et^tl — Dann erst läßt sich beurtheilen, ob die Gesellschaft einer großen Idee und ihrer Durchführung fähig ist, und was sie unter dem „Großen und Größten, was sie eigentlich unter Patriotismus versteht. Sollte nicht Herr Heine schon vor der ihm gewordenen Auszeichnung ein besserer Patriot gewesen sein, als Viele, die seit Jahren der Patriot. Gesellschaft angehLren? Aber den Patriotismus kann freilich nur der Staat selbst oder das Volk, in unserem Falle der Senat und die Bürgerschaft, krönen. Der Staat aber als solcher ist Herrn Heine zu dem größten Danke verpflichtet und hat bis jetzt nicht das Geringste gethan, um seine Schuld an ihn abzutragen. Und wie wäre dies auch überhaupt möglich/ ohne das Princip des sog. christlichen Staates zu zerstörend — Dies aber muß aufgegeben werden, ehe eine würdige Belohnung für die dem Gemeinwesen geleisteten'Dienste möglich ist. Diese Belohnung würde dann aber konsequenter Weise jedem Verdienste ohne Unterschied zu Theil werden müssen und also nicht als Ausnahmsfall erscheinen können. So wäre es, un-. geachtet der größeren Dringlichkeit anderer Reformen, ein wahres und wirkliches Zugeständniß, wenn von nun an Juden im Allgemeinen ins Commercium ausgenommen und zu den Handelsrichterstellen u. s. w. zugelassen würden. Dann hätte der Staat Gelegenheit, auch Herrn Heine die ihm gebührende Anerkennung zu Theil werden zu lassen und er hätte zugleich einen Weg eröffnet, auf dem das in merkantilischer Hinsicht für die Gesammtheit Geleistete gehörig geschätzt und gewürdigt und ein. immer erneuter Sporn zu ähnlichen patriotischen Anstrengungen geschaffen würde. — Eis jetzt haben wir indessen Nichts als fromme, und trotz öfterer Täuschung ungeschwächte Hoffnungen. Beides — die Täuschung, und die Hoffnung, die Erwartung und die Enttäuschung, der Durst nach Freiheit und die fortdauernde Nichtbefriedigung derselben können wohl kaum mit echteren Farben gezeichnet werden, als dies Herr Dr. Gotthold Salomon 'in seiner gestern, als am zweiten Feiertage gehaltenen Predigt gethan hat. Licht und Schatten sind hier so meisterhaft vertheilt, daß ein wirklich ausgezeichnetes Gemälde der Gegenwart des Judenthums sich vor unfern Augen aufrollt. — Daß die Predigt diesmal ausnahmsweise unmittelbar nach dem Gottesdienste gedruckt in die Hände des Publikums gelangen würde, war bereits mehre Tage vorher in den Wöchentl. Gemeinn. Nachrichten durch den Verleger angekündigt worden. Uns fiel dies auf, zumal wir aus dem für die Predigt gewählten Titel: „Das verklärte Bild der Freiheit" auf einen politischen Inhalt schloffen. Auch hatten wir uns weder in dieser Voraussetzung, noch in der andern, daß unsere ängstliche Censur vielleicht hie und da einen Einspruch thun würde, getäuscht. Wir haben vielmehr schon am Sonnabende aus guter Quelle erfahren, daß der hiesige Censor der dem Vortrage vorangedruckten Dedication zum großen Theile das Imprimatur verweigert habe und deshalb der Verleger zur milderen ALtonaer Censur, die nur eine Stelle strich, seine Zuflucht nehmen mußte. Es wird dies wohl künftig dem Verleger zue Warnung dienen, künftig ähnliche verführische Ankündigungen, die wohl auch Herrn Dr. Salomon nicht genehm sein dürften, zu unterlassen, da die Censur dadurch unnöthiger Weise einen Wink erhält, während das Publikum keines solchen bedarf, um bei Herrn Dr. Salomon's Predigt sich zahlreich einzufinden. Mögen mir Ihre Leser diese kleine Digreffion verzeihen und der mehr-erwähnten Predigt ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Ihr ganzer Titel lautet: Das verklärte Bild der Freiheit. Ein Kanzelvortrag am Paffahfest des Jahres 5603 (am 16. April 1842) von Dr. Gotthold Salomon, Hamburg 1843. Moriz Gebers Verlag. Sie umfaßt 23 Oktavseiten, von denen 17 den eigentlichen Vortrag enthalten; die ersten Seiten bringen uns die Widmung an Herrn Dr. Bernhard Beer in Dresden, dessen unveränderte Bestrebungen für die Emaneipationssache der sächsischen Juden auch in weiteren Kreisen nach Gebühr anerkannt werden mögen. Gewiß werden auch die Worte der Widmung zur Verbreitung dieser wohlverdienten Anerkennung das Ihrige beitragen. Ich theile sie hier mit, ungeachtet ich eigentlich gewillt war, der Wahl der Redaktion des „Orient", die hoffentlich nicht unterlassen wird, auch in ihrem Literaturblatte Auszüge aus dieser Predigt zu geben, nicht vorzugreifen. „Das Paffahfest", heißt es S. 5—7, „das Passah- 18 *

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