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Der Orient · 1843-05-02 · Heft 18 (2.5.1843) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 18 (2.5.1843)
Article
Posen: Monatsbericht
Date
1843-05-02
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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138 Trost den Trauernden, Frieden der Asche des früh Hingeschiedenen geben!'— Von diesem Trauerfall werde ich nun zunächst auf einen andern in dem Iudenthum viel bedeutungsvollern Fall geleitet, der Ihnen übrigens wohl schon anderweitig berichtet sein wird, auf den Tod des Obecrabbiners S. Ti kt in zu Breslau. Erstarb an der Gelbsucht, in Folge der Ergießung der Galle, wie man sagt, m seinem 54. Jahre,, so viel hier bekannt ist. Sein Tod hat hier eine Liefe Sensation gemacht, und den Eindruck, von dem ich letzthin in Betreff seiner Krankheit sprach, nur noch vergrößert. Es ist schrecklich bei der Beerdigung eines Seelenhirten von dessen leiblichem Sohne gegen einen hochgestellten Mann die Worte ausstoßen zu hören: „Fort Mörder meines Vaters". Wenn auch unschuldig, wenn auch in biblischer salbungsreicher Rede gerechtfertigt, und fromm-mystisch als ein Zeichen Gottes betrachtet, es bleibt ein moralischer Mord, und schwerlich wird bei diesem Geschlechte nach solchem Ereigniß der Frieden in die Breslauer Gemeinde einziehen. Es sind über die jetzigen Vorgänge in Breslau .viele Gerüchte und manche sich widersprechende im Umgänge, von denen ich keines zu berichten wage. Sie werden wohl direkte Nachrichten von Breslau erhalten. — Die Herren Deutsch haben gegen Dr. Geiger eine Streitschrift erlassen, die so viel ich davon beurtheilen kann, da ich in diese Angelegenheit nicht eingeweihet bin, viel Treffliches und manchen tüchtigen Angriff auf G's. Charakter an den Tag legt. Schweigen von seiner Seite scheint daher nicht gerathen zu sein. Wir wollen den Erfolg abwarten. — Der Regierungsrath Minutoli hat in diesem Monate unsere Stadt verlassen, um in das Ministerium als Rath einzutreten. Er hat die Angelegenheiten der Juden geleitet, und Milde, Menschlichkeit und wahre wohlwollende Menschenliebe, vereint mit einem vorurtheilslosen Blick stets bewiesen. Seinen Abgang bedauern wir hier sehr, denn seine Freisinnigkeit und Güte haben die Herzen Aller gewonnen. Wir wollen, um jede Schmeichelei zu vermeiden, nicht ferner von seinem Lobe reden, doch den Wunsch nicht unterdrücken, daß sein Nachfolger in seine Fußtapfen folgen und Gerechtigkeit und Milde, wie er, in schöner Harmonie paaren möge. Gott, der den Gedrückten nah ist, wird sicher diejenigen, die uns den Druck so mancher auf uns lastenden Beschränkungen erleichtern helfen, mit seiner Gnade segnen. — Das neue Edikt, betreffend den Umzug der Juden in andern Provinzen, hat hier einen wohlthuenden Eindruck gemacht; doch habe ich nicht umhin können die Engherzigkeit, die in der Bedenklichkeit der Fragesteller liegt, betrübten Sirunes anzustaunen, als wären wir nicht von Blut und Fleisch, wie jedes andere Menschenkind, als lebten wir nicht in demselben Land und athmeten nicht dieselbe Luft. Doch — es ist immer gut, daß wir mindestens durch einen Felsencitz die Herrlichkeit der lichten Menschlichkeit schauen! Das Edikt haben Sie bereits m Händen. — Die Anstellung des Rabbiners zu Schmiegel als Rabbiner in Fordon scheint wieder rückgängig zu sein. Es geschehen Wahlen in öffentlichen Versammlungen, und werden dann wieder durch manche Umtriebe vereitelt. Dasselbe scheint auch hier der Fall gewesen zu sein. Denn man hört von dem weitern Erfolg dieser Angelegenheit Nichts; gleichwohl bestätigt es sich, daß er die meisten Stimmen hatte. — Herr H. Jolowicz, Herausgeber des Kusari, hat hier einige Zeit geweilt, und in einer Synagoge und dann in der Nachbarstadt Kurnik gepredigt. Der Beifall war getheilt. Wir wollen aber ihm darum seine Talente und ihre mögliche Ausbildung für die Zukunft nicht absprechen; im Gegentheil bewundern wie seine innere Energie. Schön ist's aber, wenn sie mit Bescheidenheit und Klugheit auftritt, und nur dann ist sie nachhaltmd. Auch glauben wir eine glückliche Zukunft seinem Redetalente prognosciren zu dürfen, wenn er Selbstständigkeit errungen haben wird. — Hamburg, 17. April. (WB. vom 9—16. April.) Alle 4 Hamburger politischen Journale, sowohl die beiden Morgenblätter (Wöch. gemein. Nachrichten und Hamb. Corespondent) als die beiden Abendzeitungen (Hamb. Neue Zeitung und Börsenliste) enthielten am 11. d. M. folgenden, vom Tage vorher datirten gleichlautenden Artikel: Am heutigen Zage überreichte eine Deputation der Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe, dem Herrn Salomon Heine das Diplom der Ehrenmitgliedgesellschaft, welche jenem hochverdienten Manne in einer der letzten Deliberationsversammlungew jener Gesellschaft einstimmig votirt worden war. — Die Deputation legte dabei die Gefühle der Verehrung an Lag, welche Herrn Heine gebühre, „der zu allen Zeiten, und ohne jemals zu ermüden, wie im Kleinen, so im Großen und Größten, Werke der Menschenliebe und des Patriotismus vollbracht habe." Es laßt sich nun zwar nicht in Abrede stellen, daß die obengenannte Gesellschaft, hier gewöhnlich die patriotische genannt, einer Pflicht genügt und sich einen Mann von echtem Verdienste beigesellr hat. Dennoch muß das Ausland davor gewarnt werden, daß es diese Auszeichnung und Ehrenbezeugung nicht etwa allzuhoch anschlage. Die' patriotische Gesellschaft zahlt nämlich zwar viele Ehrenmänner in ihren Reihen und umfaßt eine große Anzahl von hiesigen Notabilitäten und Staatsbeamten; aber sie besitzt, wie dies das ungünstige Schicksal ihrer beiden vorjährigen Suppliken an den Senat in Betreff der Einführung mehren dringend nothwendiger Reformen in der Verfassung und Verwaltung des Staates sattsam bewiesen hat, weder einen bedeutenden politischen Einfluß (zu welchem sich die ähnlich gestaltete, aber energischere und gleichartigere Lübecker gemeinnützige Gesellschaft, besonders, in dem letzten Jahre emporgeschwungen hat), noch kann sie in ihrer Eigenschaft als Privatrerein auf

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