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Der Orient · 1843-05-02 · Heft 18 (2.5.1843) · p. Seite 137

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 18 (2.5.1843)
Article
Posen: Monatsbericht
Date
1843-05-02
Page
Seite 137 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Vierter tlt Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. JW4HJUJ£ Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. J%0 18. Leipzig, den 2. Mai _ 1843. Deutschland. Posen. Allgemeine Trauer um den Tod des Dr. Nathan L i e p m a n rt. Ableben des Rabb. T i k t i n zu Breslau. Streitschrift gegen Dr. Geiger. Regierungsrath Minotuli. Rabb. zu Schmieget. Rabbinatsccmdidat Dr. Jolowitz. Hamburg. Wochenbericht. Dresden. Verhandlungen der ersten Kammer in der Judensache. Stettin. Trauerrede des Dr. Meifel. Sondershausen. Libaralitat des Hofagenten M.Czarinkow. Berlin. Beschluß des posener Landtags hinsichtlich der Juden. D eßa u. Die Juden in Thatfangen. Pl eschen. Rabbinatsangelegenheit. Schule in Zerkow. — Oesterreich. Prag. 1. Geburtstag des Kaisers v. Oefterr. 2. Ein Judenmadchen auf dem christl. Friedhof begraben. Vortrage der HH. Dr. Sachs und Rapaport. 3. Intoleranz der christlichen Einwohner. — Deutschland. PyLerr, Ende Marz. (Monatsbericht. Verspätet.) Leider muß ich diesmal mit einem traurigen Eceigniß meinen Bericht anfangen, denn es beschäftigt zu sehr alle Gemüthec. — Ein harter Schlag hat unsere Stadt und besonders die jüdische Gemeinde getroffen. Wir haben eine Zierde nicht nur unserer Gemeinde, sondern des ganzen Judenthums verloren: Dr. Nathan Liepmann ist nicht mehr, er ist heimgekehrt zu Gott, dem Vater der Liebe und der Gnade. Er hat seit 7 Jahren als praktischer Arzt in unserer Stadt gewirkt, und sich durch sein menschenfreundliches Benehmen, seine gründliche Kenntniß und glückliche Praxis der Medicin des ausgebreitesten Zutrauens erfreut. Aber nicht gerade. als Arzt zeichnete er sich aus; sein frommer religiöser Sinn, seine anspruchlose Bescheidenheit, seine Herzensgüte und seine wahrhaft sittliche Bildung stellten ihn als Menschen und als Juden hoch. Selten hat darum ein Mann solche allgemeine Liebe und Achtung als er genossen, und selbst der Neid mußte ihn loben; denn trotz seiner außerordentlich großen Praxis haben doch seine Kollegen ihm aus vollem Herzen wohl gewollt und ihn innig geliebt. Er starb im noch nicht vollendeten 35. Jahre, und hinterlaßt alte, gebeugte Eltern, die in ihm den einzigen Sohn verloren, eine trauernde geliebte Gattin, mit der er kaum ein Jahr in glücklicher Ehe verlebte. Der Schmerz der theuern Zurückgebliebenen ist unendlich groß, nur Gott kann in seiner - Gnade die Gebeugten durch den wehmutsvollen Trost, den Er durch Worte des Glaubens in die Seele der Trauernden gesenkt, beruhigen und aufrichten! Möge aber auch dies ihnen zur Beruhignng sein, daß eine ganze Stadt ihren Schmerz theilt. Alle Bewohner dieser Stadt haben in ihm eine Freude ihres Herzens, und die ihn naher kannten, einen liebevollen Freund und Beistand verloren. Auch ich erfreute mich seines freundschaftlichen Umganges, und nie und nimmer wird sein Andenken aus meinem Herzen schwinden. Worte ermogen darum nicht meinen Schmerz zu bezeichnen, kaum, daß mir noch der Sinn bleibt, mit dürren Worten Ihnen die Begebenheiten dieses Monats zu berichten. Die Theilnahme bei seiner Krankheit, die nur wenige Tage dauerte, wie bei seinem Tode, war auch allgemein, und selten zeigte sich eine so herzliche Trauer. Menschen aus allen Konfessionen füllten die Straßen am Tage der Beerdigung, und auf dem Wege zum Friedhofe waren alle Laden geschloffen. Der hiesige Obecrabbinec hielt eine ergreifende Trauerrede und kein Auge blieb thränenlos. Ein Festball, der um diese Zeit angeordnet und alljahrig in der Ressource gehalten zu werden pflegt, und in einigen Tagen statthaben sollte, wurde abgestellt, auch Maskenumzüge fanden nur in sehr geringer Anzahl statt. Ein sehr würdiger Mann in unserer Gemeinde, Herr W. I. Eichborn, ließ einen Nekrolog über den Verstorbenen drucken, der viele Thranen erpreßte, und der Brüderverein nahm den Verstorbenen zum Ehrenmitgliede auf. Möge der Herr 18

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