Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1843)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1843-04-18
- Page
- Seite 125 (sequence 3)
- Language
- German
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125 Realisirung vieler und gerechter Wünsche hoffen, auch den Juden die ihnen gebührenden Rechte nicht langer vorenthalten; ja sie werden es um so weniger thun wollen, je geringere politische Gefahr ihnen von den Juden droht, die sich bald in Sprache mit den Magyaren amalgamirt haben werden, und bei denen es nie eine besorgnißerregende mächtige Hierarchie gegeben hat. — Diese Parallelisation des Judenthums mit einer christlichen Konfession (für Ungarn ließ sie sich sogar auf zwei aus-, dehnen) hat kürzlich auch der Schluß des Riefferschen Aufsatzes in den N. Hamb. Bl. vom -15. und 22. d. M. durchgeführt und mit einem Blicke auf das christliche Sektenwesen begleitet. — Immer schwieriger wird übrigens die Aufstellung einer vollständigen Bibliographie über die jüdischen Verhältnisse der Gegenwart. Zwar hat Hr. Sider mehre, in früheren Nummern des „Orient" enthaltene bibliographische Nachweisungen ergänzt aber es dürfte kaum den vereinten Kräften zahlreicher fleißiger Leser gelingen, ein Material zusammenzustellen, das Nichts zu wünschen übrig ließe. ^Dieses Unzureichende stellt sich jetzt um-so klarer heraus, da beinahe alle Lokalblätter in großem und kleinern Städten sich mit den Juden überhaupt oder speciell mit denen in irgend einem Staate beschäftigen. Einige Notizen dieser Art will ich hier anreihen. So fand sich schon in dem Programme der seit den 1. Jan. 1843 in >Oldenburg erscheinenden polit.-liter. Wochenschrift: „Neue Blatter für Stadt und Land" ein Artikel: Ueber die bürgerliche Gleichstellung der Juden angekündigt, und der wahrscheinlich schon erschienen ist; so brachte die Friesta, ein in Emden seit dem 1 Okt. 1842 alle 14 Tagen.'in" 2 Nummern herauskommendes Lokalblatt, kürzlich 'in 2 Nummern eine scheinbar der Emancipation günstigen aber mit Lügen und Entstellungen über Juden und Judenthum angefüllten Aufsatz, auf welchen dann -in einer Nummer eine sehr gelungene mit H. Unterzeichnete und aller Wahrscheinlichkeit nach, vom Hrn. Landesrabbinec Samson Hirsch in Emden herrührende Replik erfolgte, welche wir, sobald wir ein Exemplar derselben, erhalten habe, dem „Orient" zur Aufnahme zusenden werden. Eine andere Entgegnung ähnlicher Art findet sich in der (seit den 1. Jan. entstandenen) Königsberger Allg. Zeitung (die wir mit der alteren, sehr liberalen, Königsb. Kriegs- und Friedenszeitüng nicht zu verwechseln bitten) vom 8* Febr. d. I. — In dieser Nummer tritt nämlich H. L. (Dr. Lowo sitz in Königsberg) einem früheren Aufsatze in derselben Zeitung, welcher sich sehr gehässig über das Judenthum und die Juden aussprach, mit Kraft und Gründlichkeit entgegen. Ein uns gütigst von Herrn Dr. L. zugesandtes Exemplar dieser Nummer werden wir auf Verlangen dem „Orient" gern zur Benutzung überlassen. — Auch in der Rhein. Zeitung, der wir für ihre warme und konsequente Unterstützung der bürgerlichen Gleichstellung bei dieser Gelegenheit vielleicht leider den letzten, bei der wir dieses Organs des echten Liberalismus zu erwähnen haben werden, den aufrichtigsten Dank abzustatten, nicht unterlassen wollen, begegneten uns in der letzten Zeit mehre, die vom „Orient" reprasentirten Interessen berührende Artikel, so in der Nummer vom 20. Marz („von der Warthe") ein Refume über die Civilisationsprojekte in Betreff derpolnischen und russischen Juden, außerdem in der Beilage vom 19. März ein Inserat aus Frankfurt a. M., worin sich das dortige Sanitatsamt über die kürzlich in Betreff der Beschneidung erlassene Verordnung des Senats dahin ausspricht, daß die Behörde damit nicht gemeint gewesen sei, zu erklären, daß dadurch ein Religionsgesetz aufgehoben werden solle". Unterzeichnet ist das Inserat mit den Namen „Gerlach" und vom 16. Marz datirt. Es erwähnt einer von Seiten des Rabb. S. Fries (?—Trier) an das Sanitätsamt ergangenen Aufforderung zu einer authentischen Interpretation jener Verordnung. — Frankreich. Ntetz, 30. Marz. Äm Purim-Feste d. I. hielt ein gebildeter, sich vorrheilhaft auszeichnender Rabbinats-Candidat einen homiletischen Vortrag in der großen Synagoge zu Paris. Darauf hielt der Grand-Rabbin, Herr Emmery, eine kurze Ansprache an die zahlreich Versammelten, in welcher er zu einer Kollekte für Pointe-u-Pitre (auf Guadeloupe) aufforderte, die sofort veranstaltet und der sehr bedeutend ausgefallene Ertrag dem Hrn. v. Rothschild, als Veranstalter einer größer» Sammlung für die unglückliche Kolonie, zugesandt wurde. *) Rußland. Koslof. **) Zwischen Odessa und der Krim unterhalten Dampfschiffe eine Kommunikation und K Oslos ist der erste Ort der krimifchen Südküste, wo das aus Odessa kommende Dampfschiff anhält. Diese Stadt, in den öffentlichen Akten Eupatoria genannt, liegt am sandigen Ufer einer Bucht, welche, den Süd- und Weststürmen völlig geöffnet, den Schiffen wenig Zuflucht bietet. Unter allen Städten dieser - Halbinsel scheint das in baumleerer, dürrer Gegend gelegene Koslof die häßlichste. Kleine, armselige, baufällige Häuser, durch lange Mauern von einander getrennt, und traurige *) Auch in Hamburg, wo Herr Salomon Heine mit dem (christl.) Banquierhause H. I. Merk gemeinschaftlich einen Aufruf zu demselben Zwecke erlassen hat, haben viele Juden zur Linderung des ungeheuren Unglückes der franz. Antillen-Jnsulaner Leigetragen. Red» ") Nach „Ausland" Nr. 60.