Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1843)
- Article
- Jerusalem: Bericht über d. Chasidim, Karaiten und Rabbaniten
- Date
- 1843-04-18
- Page
- Seite 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360273-2369015--3250-2369053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Vierter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirtbei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für ■ ' Geschichte »nd Literatur. das .Literaturblatt mit- Herausgegeben - gerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem von Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst« JLO» Leipzig, den 18. April 1843» Orient. Jerusalem. Bericht über d. Chasidim, Karaiten und Rabbaniten. Buchdruckerei des Rabbi Israel. — Deutschland. Berlin. Einweihung der Nauen'schen Erziehungsanstalt. Rede des Hrn. Oettinger. Grundsteinlegung zur Alterversorgungsanstalt. Ansprache des Oberbürgermeisters Krausnik. Das Rabbinat. rc. Altona. Zustände d. jüd. Gem. in Friedrichstadt. Hamburg. Wochenbericht. — Frankreich. Metz. Kollekte für die Verunglückten auf Guadeloupe. — Rußland. Kos los. Karaiten. — Oesterreich/ Prag. Fortschritte und Misbrauche. —- Licht- und Schattenbilder aus der jüd. Geschichte der Vergangenheit und Gegenwart. Urkunden des Mittelalters.-— Bibliographie. — Personalchronik und Miscellen. —■ LB. des Or. D r i e n t. Jerusalem, Febr. Die Zeitschrift „das Morgenland", die wir unseren Lesern schon oft empfohlen, theilt in dem zweiten Monatshefte ^dieses Jahres uns Folgendes über die Juden in Jerusalem mit. - „Nicht nur die rabbinischen Juden haben fortwährend ihr Feuer und Licht, in Jerusalem, sondern auch die, im Schooße des heutigen Judenthums vorhandenen Sekten haben einen Sitz in der heiligen Stadt. — Ueberdie Chasidim i) schreibt Missionar-E w a ld 2)♦ Die Chasidim vertheidigen allen Ernstes die Lehre von der Seelenwanderung. Einer von ihnen suchte sie zu rechtfertigen durch die Stelle im Buche Hiob: „Sieh e, das Alles th ut Gott zwei oder drei Mal mit einem Mann, daß er seine Seele herumhole aus dem V erderben, (wörtlich: daß er seine Seele zurückbcinge aus dem Grabe), und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen (Hiob 33, 29. 30.). Er behauptete, Gott gestatte einer Seele drei Körper von Menschen oder Thieren zu bewohnen, um gebessert zu werden, geschehe aber dieses nicht, so werde die Seele vernichtet. Diese Sekte ist in Jerusalem nur in kleiner Anzahl vorhanden, bildet aber eine geschlossene Körperschaft und hat drei Synagogen. Von den Geldbeträgen, welche in andern Ländern sür die hiesige Judenschaft gesammelt werden, bekommen sie Nichts; sie erhallen sich blos durch die Unterstützungen ihrer Gleichgesinnten, die hauptsächlich in dem österreichischen Staate wohnen. Sie beschäftigen sich mehr mit dem Studium der Kabbalah, als mit dem des Talmuds; besonders schätzen sie das Buch Sohar. 3) Ihr oberster Rabbi in hiesiger Stadt ist 1) Fromme/ D-TDn, 2) Jewish Intelligence. Der. 1842 3) Der umfangreiche Talmud enthält die wissenschaft- Mvse Ben Aaron. Ihre Hauptbeschäftigung ' besteht darin, Segenssprüche (Amulett) zu schreiben, denen sie eine große Wirkung beimessen. Ich theile hier eine solche Formel mit. Der Spruch ist auf Pergament geschrieben, und wird auf der linken Seite getragen, und muß dem Inhaber Glück in Geschäften bringen. Die Worte lauten: „Es möge dir gefallen, Herr, Gott Israels, den dienenden Epgeln Befehl zu geben, daß sie 'gehen in das Haus des N« N., Sohn von N. N., daß sie ihn begleiten, und ihm Glück verschaffen in allen seinen Unternehmungen bei Tag oder Nacht,' zu Hause oder auswärts; durch deinen Namen und durch deinen heiligen Eifer gib Glück dem N. N., Sohn von N. N. — Amen. Selah." . Durch solche Segensformeln haben sichdie Chasidim einen großen Namen gemacht. Nach ihrem Vorgeben wissen sie die Zahl der Engel, kennen ihre Namen und ihre verschiedenen Geschäfte und Verrichtungen, und sind auch im Stande, wann sie wollen, dieselben vor sich erscheinen zu lassen. Wenn" sie ein Geheimniß entdecken wollen, so müssen ihnen die Engel dazu helfen, und sie verfahren dabei folgender Maaßen: drei Tage vor dem Neumond meiden sie alle starke Getränke und baden sich vor Sonnenaufgang. Dann nehmen sie zwei weiße Turteltauben, und tödten sie mit einem zweischneidigen Messer; das Messer ist von Kupfer, und mit einer Schneide wird die eine Taube, mit der andern die andere geschlachtet. Das Eingeweide wird 'herausgenommen und in Wasser gewaschen; ein wenig alter Wein mit Weihrauch und Honig wird auf das Opfer gestrichen/welches dann in Stücke zerschnitten lichen, rechtlichen, exegetischen und dogmatischen Bestimmungen der Rabbinern Die Kabbalah ist eine theologischmystische Geheimlehre; das älteste und bedeutendste Buch derselben ist der dunkle, räthselhaste Soh ar, dessen Abfassung ins dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung fallen soll. (?) 16