Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1843)
- Article
- Beleuchtung des Aufsatzes: Vorwärts oder Rückwärts in der Preußischen Judenemancipation
- Date
- 1843-04-04
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
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- 107 — t dete Religion, die den Gott Ahrahams/ Isaaks und Jakobs, den Gott, der die Väter einst aus Egypten erlöst, der seinen Willen durch Propheten kund gethan, manifestirt, wie eine solche Religion, indem sie sich von den Zuthaten einer finstern Zeit zu befreien versucht, der Apostel des Deismus zu werden vermag, das mögen, wenn nicht Moses und Jesus, doch die Zionswächter der Kirche zu beweisen wissen. Gegründeter mag eine andere Besorgniß sein, die nämlich, daß durch den Eifer der Bekehrüngsgestttschaften, durch die, den Neubekehrten vom Staate bewilligten Prämien an Aemtern und Würden, der Kirche mehr als ein mauvais sujet zugeflossen sein mag, daß das eben nicht beitragt, sie in ihrer Reinheit zu erhalten. Solche Abenteuerer mögen Ihnen auch den Jrrthum beigebracht haben, daß sie von ihren jüdischen Verwandten mit Haß verfolgt werden, nachdem das Lehr-, Tauf- und Pathengeld verzehrt ist, muß neues Interesse und Mitleid erweckt und in Ansvruch genommen werden. Ich kenne so ziemlich die jüdischen Verhältnisse einer ganzen Provinz, weiß aber auch nicht einen Fall anzugeben, der eine solche Anklage rechtfertigte, wohl aber viele, wo die neuen Jünger der Religion der Liebe, diese zu bekräftigen wähnen, indem sie um des Namens willen verlassen Schwester und Bruder, Vater und Mutter, und sprechen: ich kenne diese Menschen nicht. Wehe euch, heißt es Matth. 23, 15, Weh euch,,.Schristgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, das ihr einen Judengenossen machet; und wenn er es geworden ist, machet ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefaltig mehr denn ihr seid' * Doch lassen Sie mich fortfahren in Aufzählung der Hindernisse, welche die Negierung durch direkte V e rbote dem Fortschritte der Synagoge in den Weg gelegt hat. In Berlin, hört, hört! in Berlin wurde vom Ministerio dem Kantor die Anlegung eines Ornats während des Gottesdienstes untersagt, er muß in gewöhnlicher bürglicher Kleidung fungiren; in — ich weiß nicht gleich in welchem Reg. Departement, das Faktum aber verbürge ich, — ist die Konfirmation verboten, und in aller, allerneuester Zeit nimmt die Regierung in Breslau von dem Rabbinen L. Angebungen entgegen, und fordert vom Vorstande rechtfertigende Erklärung über Angaben, die wäre nur einiger guter Wille den Fortschritt zu fördern, oder auch nur geschehen zu lassen vorhanden, mit .der tiefsten Indignation hätten zuriickgewiesen werden müssen. Damit Sie aber nicht glauben, daß es Dinge betrifft, die um der Srrengläubigen Willen Berücksichtigung verdienen, füge ich die Punkte hier bei. Der Hr. L. zeigt an: 1) Daß Dr. Geiger allsabbatlich belehrende Vorträge in Der Synagoge hält—sonst wurden alljährlich nur zwei gehalten; 2) daß diese Vorträge in reiner deutscher Sprache, abgefaßt sind — sonst im jüdisch deutschem Jargon; 3) daß Dr. G.„ eine amtliche Kleidung ähnlich der der christlichen Geistlichen anlegt, sonst trat der Rabbiner im polnischen Gewände aus; 4) daß ein neuer. würdiger Kirchengcsang — eigentlich der wiederhergestellte Uralte eingefiihrt ist, sonst wurden die heiligsten Hymnen nach allerhand Melodien des Tanzbodens abgesungen. (Beschluß folgt.) Deutschland. Beek in, 22. Marz. Unsere Gesellschaft der Freunde, die seit dem fünfzigjährigen Jubiläum im vorigen Jahre nicht blos aus Juden, sondern auch aus getauften Juden besteht, hat sich durch eine reiche Sammlung für den Kölner Dombau sehr lächerlich gemacht, da jeder Vernünftige.in Deutschland es weiß, daß der Dombau - Enthusiasmus blos eine allerdurchlauchtigste Kaprice ist, die weder der Kunst noch der Einheit Deutschlands den geringsten Vorschub leistet. Diese Besteuerung ist so ganz, jüdisch-berlinisch, daß ich den Lesern das ausführliche Faktum nicht vorenthalten möchte. Als im vorigen Jahre das 50jährige Jubiläum gefeiert wurde, erhielt die Gesellschaft in einem Kabinetsschreiben des Königs und in einem des Prinzen von Preußen einige Schmeicheleien, die ungefähr so gedeutet werden konnten, daß der Verein sich glücklich schätzen könne, daß ihm für sein Geld erlaubt wurde, Gutes für Arme zu Ihun; die Berliner sind aber bekanntlich außer sich vor Freude, wenn sie das Glück haben, von einem Prinzen beachtet zu werden^ und vollends die dortigen Juden, wenn nur ein Christ sie ordentlich ansieht, und auch die Mitglieder der Gesellschaft waren höchst vergnügt, zumal als der Oberregierungsrach Streckfuß, der freilich damals über die Sache der Juden wenig, zu sagen hatte, der Gesellschaft ein Kompliment machte, daß sie keine Juden mehr waren. Ein Berliner Jude schwimmt in Wonne, wenn man ihm sagt, daß ec am ganzen Leibe nichts mehr Jüdisches habe; mancher jüdischer Familienvater hat sich dem Chrisienthume in die Arme geworfen, blos weit er durch einen jüdischen Namen kenntlich war und auch unsere Gesellschaft wußte dem Hrn. Streckfuß nicht besser zu .genügen, als daß sie einige beschnittene Christen aufnahm, um dadurch zu beweisen, daß die Gesellschaft gar keine jüdische, sondern über, das alte Judenthum ganz erhaben sei. Herr Carl Streckfuß, Mitvorsteher des hiesigen Vereins für den Kölner Dombau, überzeugt, daß die Gesellschaft es sehr hoch aufnehmen wird, wenn man sie als eine christliche ansieht, forderte sie zu einer Sammlung unter ihren .Mitgliedern auf, und die Gesellschaft, ohne zu bedenken, daß man selbst eine christliche Gesellschaft sein kann und doch dabei sehr klug handele, zum Dombau Nichts zu geben, vergaß über die eine Wonne als Christen angesehen zu sein Alles und gab seelenvergnügt sehr reichlich. Die Gesellschaft ccbiclt von dem Oberregierungsrach Streckfuß fot* gendes Schreiben als Dank, das aber die Gesellschaft 14*