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Der Orient · 1843-03-28 · 13 (28.3.1843) · p. Spalte 205-206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
13 (28.3.1843)
Article
Politische Literatur [Rezension]
Date
1843-03-28
Page
Spalte 205-206 (sequence 3)
Language
German
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205 200 Die Emancipaüorisftage auf der jüd. Kanzel. Liter. Ztnalekte.' nen Noch anerkennen, bei uns nichts Gutes finden wollen und es daher nicht suchen; die unsere Lugenden entstellen, jeder edlen Seite einen unedlen Bewegegrund abzugewinnen wissen, die Fehler geflissentlich hervor heben, über solchen Fund triumphiren, ihn vor die Augen Aller hinstellen und frohlockend ausrufen: „diese Fremdlinge sind unwürdig!" — Daß sie eine Lehre beherzigen, die diesen Fremdlingen als heilig anempfohlen ist: „Nichte Deinen Nächsten in. Gerechtigkeit" (Lev. 19, 15) „suche an Jedermann die bessere "Seite aufzufmden." (Spr. SS. 1 , 6.). Denn welche Unbilligkeit, sich zum Splitterrichter aller unserer Lhaten, unserer Handlungen, unserer Gesinnungen aufzuwerfen, cilö wenn dort schon die. Engelsleiter erklommen wäre, und man mit sündigen Sterblichen mehr keinen Umgang pflegen dürste, welche Verkennung des menschlichen Standpunktes, über uns mit einer Härte zu Gerichte zu sitzen, wie sie irdischen, von Schuld nie ganz befreieren Richtern nicht zukommt; welche Ungerechtigkeit, mit scharfer Rüge jede Schwäche aufzusuchen, und von uns eine Ladellosigkeit zu verlangen, wie sie weder bei Herrschenden, noch bei Beherrschten, weder bei dem, derben Boden sein nennt, noch bei dem von ihm als Fremden betrachteten je'gefunden werden kann! — „Dieses gedenken wir und unsere Seele weilt bange in uns;" (Ps. 42, v) Wenn wir die freisinnige, und vor jeder irdischen Furcht und Bänglichkett freien Sprache dieses wahrhaft würdigen Geistlichen in Israel betrachten; wie der sich von gewaltigster, innerster Kraft getriebene Waldstrom selbst sich Wahn bricht, dessen Redefluß aus des Herzen tiefster Liese gewahren; wie die Sonne mit ihren Strahlen kampfesmuthig und sieggekrönt das Wolkenmeer durchbricht und verscheucht — so werden wir unwillkürlich an den längstverhallenen Prophe- .tenstimmen erinnert; denn in der Lhat unerschrocken wie einst Jefcna vor Könige hintrat, die' die Religion schnöde zur Politika herabgewürdigt, so fahrt unser trefflicher Volkslehrcr fort: „Wir gewahren, wie man sich hier vereinigt und — Feste verkündet, um manchen Schwachen zu verlocken und ihn d e m G l a u b e n a b t r ü n n i g z u m a ch e n; — wie man dort uns dem Glauben zum Vorwurfe anrechnet, uns für unfähig hält —weil wir glauben, weil wir unsere Ueberzeugung von Gott, von seinem Schutze nicht aufgeben wollen." — Wir unsere Ueberzeugung aufgeben? Welchen Werth hätte dann noch das Dasein für uns, was könnte uns noch an das Leben fesseln? „Haben wir doch nur Eine Stütze, unfern Vater im Himutil." (Sora F. 49) ..... „Es ist der Herr mit uns in der Noch," so erzählen es unsere Väter, so verkündet es die Geschichte vieler Jahrtausende, wiederholen' es die Begebenheiten unserer Wanderungen, ruft uns die Kraft zu, die wir noch in uns fühlen, auszuharren und muthig einer bessern Zeit entgegen zu sehen. Sind wir verlassen, vereinsamt, da unser Vater im Himmel über uns wacht? Der Ewige ist Schutz den Bedrängten , Schutz in Zeiten der Leiden." (Ps. 9, 10.) 11. ..„Die Leiden waren eine Vorbereitung, eine Läuterung für Höheres. Und aus allen Stürmen, die an uns vorüber gehen, vernehmen wir solchen beruhigenden'Zuspruch der Gottheit; sie ruft aus der Gewitterwolke uns liebevoll zur „Für die Leiden von außen, der Glaube von Einem, für die Entbehrungen im Leben, die feste Zuversicht, für den Kampf mit Menschen, das innige Anschließen an Gott." Es toben die Winde mit Heftigkeit gegen die fest gewurzelte Eiche, sie drohen und brausen und .stürzen mit Wuth gegen sie an; doch sie bringen sie nicht zum Weichen, sie schlägt ihro Wurzeln tiefer, durch den Widerstand gewinnt sie an Kraft. Die Schule der Leiden, durch die wir gingen, hat in uns das Vertrauen gestärkt und befestigt; für uns bedarf es keines Beweises, wir fragen nicht nach äußern Zeichen, sind nicht vom Zweifel beängstigt. Unser Vater unser Gott lebt, dieses ist das Brustschild unseres Herzens, die heilige Aufschrift an unsrer Stirn; dieses Bekenntnis lebt nicht nur in unserm Munde, zu ihm treibt uns nicht abwägende irdische Rücksicht, nicht hauen berechnende, Himinlisches und Irdisches miteinander verwebende Pläne ihre Faden daran geknüpft: es lebt in jeder Falte unseres Herzens, schlägt in allen Fasern, ergießt sich wie ein Lebensstrom über unser ganzes Sein, ist der Gedanke, mit welchem wir in's Leben treten,, und aus ihm scheiden. Und es sprechen nicht minder die Stimmen der Zeit: daß der Ewige nicht auf i mm er verstoße. „Horch auf den Bergen die Tritte der Verkünder, Verbreiter des Friedens." Sprechen nicht'die Stimmen edler Männer laut zu unserem Herzen, wird uns nicht kund, wie sie für unser Recht in die Schranken treten? Sie kämpfen mit der Gotteskraft der Wahrheit und ermüden nicht! sie wägen nicht nach Menschengunst und der Eitelkeit verwerflicher Rücksicht und des Vorurtheils unedler Lriebfedern ad: sie treten hervor mit der Macht der Ueberzeugung, wie sie die Brust des Biedermannes durchglüht, mit dem gewichtigen Ernst des besonnenen Wortes, das treu sich bleibt. Und nicht lange werden sie vereinzelt bleiben: es bricht durch ihren Mund sich die Wahrheit Bahn, es dringt endlich die Sonne des Rechts durch die düstern Nebel des Vorurtheils und des Eigennutzes. And es hat sich schon die Erkenntniß vermehrt (Daniel 12, -5), der Haß, der Menschenrechte misachtec, wird als unedel und verwerflich verabscheut; er wagt nicht, mehr frei hervorzutreten und hüllt sich in einen Vorwand, der durchsichtig und leicht erkennbar, ihm noch mehr die Verachtung der Edlen zuzieht. Wird uns nicht aus solchen Anzeichen deutlich, daß die Hand Gottes dieses gethan? (Job. 12, 9). ...... Warum, o Leidensgefährten, entmuthigt sein? „Schauet hin auf den Weg, den ihr gegangen! Schlaget manches Blatt der Geschichte auf und Ihr müßt dankbar gestehen, daß die dichte Dunkelheit sich auskläre, die mitternächtliche Finsterniß allma'lig verschwinde: und es wird der Herr weiter für uns ausführen. Wir haben auf unserer- Seite das Recht, mit uns sind als Bundesgenossen die Wahrheit und Jene, die ihrem erhabenen Paniere folgen; über uns und in uns waltet der Schutz Gottes, der mit uns in der Norh. Schon ist die Morgenröthc angebrochen; nicht lange, und Vorurtheil und entwürdigende Rücksicht und verletzende Sprache und entstellendes Wort schwinden; es gehet das Licht völlig auf: der Herr wird retten und zu Ehren bringen! M. Schrvarzauer. Literarische Analekte. Das Alter der Juden in den Nheingegendeu. Der Zweifel eines geehrten Korresp. in dem Orient über das Alter der Juden in Worms scheint durch eine Stelle in den \3rUD gehoben zu sein» Dort heißt es nämlich S. 92 a.’ Es erzählte der daß zu seinen Zetten auf dem Begräbnißplatze zu Mainz ein Grabstein, der einer riDTan nnDtf gesetzt worden war, gefunden wurde, und der

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