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Der Orient · 1843-03-28 · 13 (28.3.1843) · p. Spalte 203-204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
13 (28.3.1843)
Article
Politische Literatur [Rezension]
Date
1843-03-28
Page
Spalte 203-204 (sequence 2)
Language
German
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20? Die Emancipationsfrage auf der jüd. Kanzel. 204 scher Beredsamkeit, mit der jedes Gemü'th aufs Tiefste erschütternden Feuerworten dem Gebeugten beistehen: Alles vergeblich! Doch trösten wir uns mit den trefflichen Worten unseres Hrn. Oberrabbiners in dieser Predigt: (S. 13) „Es gehet die Nacht zum Lage-nur allmalig über, und zwischen ihren düstern Schatten und der Sonne hellem Glanze liegt der Morgenröthe sanfter Schimmer mitten inne und des Morgensternes freundliches Licht, ein Vorbote des kommenden Tages." Die Debatten über die Emancipation, das heißt die, wo es gilt, die gegründeten Ansprüche der Förderer nachzuweisen und die ihiren gemachten Vorwürfe zurückzuweisen, sind längst geschlossen. Es ist dieser Frage eine Antwort geworden, welche sie zum Resultate gemacht, und als solche gehört sie mit Recht auf die Kanzel. Es handelt sich nicht mehr um Recht und Unrecht, sondern es sind die Akten geschlossen, der Proceß gemacht und es fragt sich blos — ob die Gerechtigkeit unseres Säculums executio sententiae genug besitzt, um den Willen derer zu bestimmen, tue, der Menschheit und der Weltgeschichte als schwere Schuldner verfallen» Statt einer homiletischen 2tnalysis, erlauben wir uns einige Auszüge der ohnehin schon stark vergriffenen Predigt, woraus der Leser den tiefen Eindruck ermessen mag, den dieser Kanzelvortrag auf die höchst zahlreichen und confefsionell gemischten Hörer unseres gefüllten Tempels machte. — In der Einleitung S. 3. heißt es: „Es ist in Zeiten der Noth und der Betrübniß den Volkslehrern eine heilige Pflicht, daß sie, den eignen Schmerz bemeisternd, Muth und Hoffnung den Trauernden einflößen, das erlöschende Licht des Vertrauens von Neuem ansachen , - und nach dem. Vorbilde des gottbegeisterten Prophe ten „den Gedrückten Erleichterung v e r k ü n d e n, dem verwundeten Herzen Heilung, den G es äugen e n F r e ih e i t, d e n Gefesselten E r l ösu n g z urufen." Ies. 61, 1. Und welcher Ort ist zu solcher Verkündigung geeigneter als das Gotteshaus. ..... Und' trenn d'ie Außenwelt uns zurückstößt, uns die bittere Ueberzeugung aufdrä'ngr: wir seien Fremdlinge, hier fühlen wir uns heimisch, finden wir eilte heimatliche Zufluchtsstätte, die uns im Namen dessen freundlich aufnimmt, der unfern Schmerz kennt und ihn ganz erfaßt. So wollen wir uns denn hier von den Wunden erholen, die uns aufs Neue fühlbar gemacht wurden, hier uns ermuthigen über manche gescheiterte Hoffnung, und den Unwillen über Verletzungen besiegen lernen, die uns in diesen Tagen an einem Orte zugefügt wurden, wo wir hoffen durften, daß nur die Stimme der Wahrheit und des Rechts sich werde vernehmen Lassen." Den Text liefert Pf. 91 V. 15: „Er ruft mich an, ich höre ihn: bin mit ihm in der Noth, ich rette ihn und bringe ihn zu Ehren. ..... Doch um solchen Trost ganz zu erfassen, müssen wir uns bewußt werden, was uns verwundet und betrübt. Der dumpfe gedankenlose Schmerz ist für keine Beschwichtigung empfänglich; mit dem Bewußtsein kehrt erst die Hoffnung zurück, erkennen wir, wie wir nimmer vereinsamt sind. Denn 1. Gott ist mit uns in der Noth, wenn auch zum Unrecht sich verletzende Verkennung gesellt; 11. Gott ist mit uns in der Noth, er giebt sich uns hier durch manche Anzeichen kund. 1. Was uns betrübt? daß noch nicht die schmerzliche Klage gestillt, die seit einer undenklichen Reihe von Jahren unserer Brust entfährt: Ist Israel zum Sclaven bestimmt (Ierem. 2, 14), darf es nicht die Freiheit genießen, die des Menschen eigenstes Eigenthum ist; haben wir mit unserer Geburt das Recht verloren, das dem Erdensohne als himmlische Gabe zugetheilt wurde? Ach, wir fühlen das Bittere der Prüfung, die wie eine unabsehbare Kette sich von Geschlecht zu.Geschlecht hinziehet. ..... Es wechseln die Jahreszeiten, es umwandelt sich die Erde, Geschlechter vergehen und es kommen andere an ihre Stelle, sie haben ihre Ansichten geändert, Sitten und Gebräuche umgestaltet, weichen in Begriffen, Lehren und Meinungen von den vorhergehenden Zeitaltern ab; doch Eines siehet die Erde sich stets wieder erneuern, eines rankt sich von Geschlecht zu Geschlecht hinüber, klammert sich von erstem Zeitalter an das andere an: das Vorurtheil gegen uns, die ungerechte Meinung, Israel darf seine Freiheit nicht erlangen. ' Dem Menschen sind Leiden auf Erden zugemessen; es hat das Leben seinen Kampf mit Unfällen, mit den Stürmen der Zeit, mit Sorgen und Kümmernissen: dieses ist der Menschheit allgemein zugefallenes Loos, an dem auch wir unfern redlichen Theil haben. Und wenn wir diesen Tribut gezollt, dann wird uns noch das traurige Vorrecht, mit besondern Leiden zu ringen, dem Hasse, dem Hohne, der Böswilligkeit zu begegnen, den anstrengenden, die edelsten Kräfte erschöpfenden Kamps für das uns verweigerte Recht, für die uns entzogene Freiheit stets von Neuem zu beginnen und das bittere Gefühl zu erproben: Wie traurig es aus dem väterlichen Hause vertriebenen Kindern ergehe. (Berachot f. 3.) ...... Warum man uns Necht und Freiheit entziehet? Nach einem Grunde werden wir schwerlich weit zu forschen brauchen: er findet sich in der Macht des Stärkeren, in der Mehrzahl der Verweigernden. Doch es ist das Bewußtsein solchen Grundes zu drückend, er widerstrebt zu sehr jedem Gefühle des Bessern, als daß man mit ihm hervorzutreten, die rohe Macht als genügende Rechtfertigung der Unterdrückung vorzubringen wagte. Da wird denn das Truggebäude der Verkennung und der Entstellung auf diesen Grund aufgesührt; da wird auf ihn gestützt der Vorwand als Bundesmacht herbeigerufen, der das Unrecht mit dem Heiligenschein des Rechts umgeben, kdas Brwußtsein der Schuld in der eignen Brust tilgen und sie auf die Seite des Gedrückten hinübertragen, ihnen selbst den Trost unverdienter Leiden rauben . soll. — In den vorigen Tagen war es die Verschiedenheit des Glaubens und die thörichte Meinung, daß Menschen als Rächer bestellt seien, um unversöhnlich an den entferntesten Geschlechtern der Väter Vergehen heimzusuchen. Diese Zeitalter sind dahingeschwunden; sie haben zwar blutige Spuren zurückgelassen, doch wollen wir sie nicht aufsuchen, nicht den Schmerz mit der Erinnerung an jene Vergangenheit nähren. Es haben die Ansichten sich geändert, doch das Unrecht selbst .ist geblieben; und der Vorwand, der hierfür gesucht wird, wie reich ist er an Bitterkeit und ätzender Schärfe! Israel muß ein Fremdling bleiben, kann nicht Freiheit erlangen, weil seine Lehren Verwerfliches haben und es verwerflich machen. Aber diese Lehren und diese Lehrer sprechen etwas aus, was unsere Beurtheiler von ihrer Höhe herab noch nicht ganz begriffen haben. Du sollst den Fremden nicht kränken (Exod. 22, 20.) sollst ihn selbst nicht durch Worte kränken. ....... Die Kränkung, die Verletzung thut dem Fremdling nicht minder weh, als den Emheimischen; dieser Schmerz- Hat seinen Ursprung in einer edlen Seelenkraft, gehet aus unserer Gottesähnlichkeit hervor: und ihn erregen, diesen bittern Stachel in das Herz der Unterdrückten senken und es schonungslos verletzen, wie kann dieses sich mit der Gerechtigkeit vereinigen, die Geist und Zunge lenken soll, wie sich mit der Liebe paaren, die man im Munde trägt und zu ihr sich bekennt? — Israel muß ein Fremdling bleiben, sein Thun ist verwerflich. O daß Jene, die uns weder ken-

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