Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 13 (28.3.1843)
- Article
- Gebot und Verbot
- Date
- 1843-03-28
- Page
- Spalte 197-198 (sequence 3)
- Language
- German
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197 Polemik und Apologetik. Offrande au Dien de l’Univers. (Schluß.) 198 fluchen", und Herr H., der Volkslehrer, will dem Lächerlichmachen eines Religionsgebots nicht nur keinen Widerstand entgegensetzen, sondern sogar demselben dieses Gebot selbst zum Opfer bringen? Ist es endlich nicht den irrigen Zeitbegriffen der Gegenwart, die im Frohndienste der Zerstörungswuth, alle göttliche Vorschriften und religiöse Elemente auf den Götzenaltar des Irrlichts und der Ungebundenheit opfern, weit angemessener, den Grundsatz den jugendlichen Gemüthern einzuprägen, daß sie den Wortführern des Abfalls und der Unvernunft keinen Glauben beimessen, und daß sie sich nicht scheuen, mit dem Propheten Jonas, laut bekennend auszurufen: Wir sind Hebräer und fürchten den E wi g en, den Schöp fer des H imm els undderErde! Wir überlassen es dem provisorischen Gewissen des Hrn. Landrabhiners diese Fragen zu beantworten, und fahren in unfern Betrachtungen fort. (Beschluß folgt.) Polemik und Apologetik. I. Offrande au Dieu de rUniyers par Auguste Fa- Mus. Lyon, 1842. 8. Iinprimerie de Marie aine, suceesseiir de Deleuze, rue 8t. Dominique, 13. (Schluß.) II. Un inot sur la reforme du Culte israelite, par Auguste Fabius. Bevor wir unsere Leser mit dem wesentlichen Inhalte des zweiten Theiles dieser Schrift, den Reformvorschlägen des Hrn. Fabius, bekannt machen, wollen wir die einleitenden Worte des Verfassers, die in einem eben so offenen Tone geschrieben sind als der erste Theil, hersetzen, um noch einen Beweis von.der Freimüthigkeit und Unumwundenheit unseres französischen Glaubensgenossen zu liefern. „Unsere Religion trägt heute noch das Gepräge, welches schreckliche Verfolgungen und Leiden durch neunzehn') Jahrhunderte ihr aufge- 1) Wenn der Verfasser, ein Franzose, von Leiden im 19. Jahrhundert spricht, so kann dies nur von der Anhänglichkeit an. seine Glaubensgenossen, von seinem schmerzlichen Gefühle zeugen, daß viele seiner nicht franz. Mitbrüder noch nicht im Besitze der Menschen rechte sind, daß sie, trotz der Aufklärung, deren die christliche Welt sich so oft rühmt, noch immer' nicht als Menschen, als Freigeborne und Freiheit verdienende Menschen anerkannt werden. Voller Begeisterung und aus den tiefsten Tiefen seines Herzens spricht der Vers, in der Rede am Neujahresfeste über die Emancipation der Juden: „Fürsten der Erde! die Aufnahme, welche vor langer Zeit die ehrwürdigen Trümmer einer unglücklichen Nation bei euern Ahnen gefunden; diese Aufnahme sollte sie nichts Anderes zum Zwecke haben als ihnen die Fesseln fester zu schmieden, und sie dann in Haß und Verachtung zu ertränken? Die Israeliten, drückt haben. Es wäre aber Zeit ihr die ursprüngliche würdevolle Einfachheit, die alte Majestät wieder zurückzugeben. Als wir, gewaltsam fortgeführt in die Gefangenschaft und von allen Seiten unterdrückt, nicht mehr im Besitze jener erleuchteten Führer, jener erhabenen Gestalten der Nation waren, traten solche unglückliche Epochen , für uns ein, daß das israelitische Volk, dessen physisches und moralisches Leben in Unordnung gerathen war, Gefahr lief, die letzten Spuren und Einflüsse jener großartigen Muster und erhabenen Prineipien ans seiner Mitte schwinden zu sehen. Da haben denn unsere Lehrer, aus Furcht sich zu täuschen, anstatt eines gesetzlich bestimmten Festtages uns zwei auferlegt; und so haben unsere Weisen überall, wo das mosaische Gesetz sagt: der erste Tag ist ein feierlicher Festtag, dafür gesagt: der erste und zweite Tag. Diese Zugabe kann entweder aus Zweifel an dem rechten Zeitpunkte entstanden sein, oder auch um jeglichem jüdischen Individuum mehr Muße gu verschaffen, seinen Geist, an dem Studium des göttlichen Gesetzes zu nähren, Tugend und Gerechtigkeit seinem Herzen tiefer einzupragen, im Schooße seiner Familie neuen Trost zu finden und frische Kräfte zur Ertragung vieler neuer Leiden zu sammeln -)— Jetzt aber, nachdem die Vernunft einen freien Aufschwung genommen und die wahre Philosophie, trotz aller Hindernisse, die ihr entgegengesetzt wurden, sich Bahn gebrochen, sind wir wieder glückliche); wir haben ein Vaterland, welche doch alle Lasten des Staates tragen helfen, welche dem Glücke der'Nation, die sie ausgenommen, sich weihen, welche so mildthätig,. so wohlthätig gegen Alle sind, diese versiofet ihr, als wenn sie nicht eben so gut als eure christlichen Mitbrüder der Freiheit würdig wären! Den Fanatismus der alten Zeiten setzt ihr beharrlich fort. Und fürchtet ihr nicht den Tadel, den Bann, welchen ein künftiges Jahrhundert gegen euch ausfprechen wird? Fürchtet ihr nicht euer Reich dadurch zu schänden? Schreckt euch nicht das Weltgericht der Geschichte? Zittert ihr nicht vor Gott, der euer Leben, euere Krone in seinen Händen hält, und der sie, so es ihm gefällt, zertrümmern kann? Zittert ihr nicht vor jenem Gorte, der euch Gerechtigkeit und Nächstenliebe befiehlt? Höret doch auf Böses zu üben! Eilet, den würdigen und unglücklichen Juden gleiche Rechte mit euern übrigen Unterthanen einzuräumen. Machet wieder gut, all' das Böse und all' die Gclderpreßungen, die ihr euch seit langer Zeit zu Schulden kommen ließet. — Euch kommt es zu, ihr Großen der Erde, der blinden Wuth des Volkes einen Zügel anzulegen; jener Wuth, die ihr endlich auf ewig vernichten möget! Setzet euch wieder in euere Würde ein, reiniget euch, ihr, die ihr zu Führern der Völker von Gott ernannt seid; nehmet euch das edle Frankreich zum Muster; vermehrt euere Krone noch um ein Kleinod, euern Ruhm noch um eine Tugend! ... Könige, Fürsten und Völker der Erbe! Noch einmal rufe ich euch zu : Kein Friede, kein Glück für euch und für die Welt, als bis ihr das neue Banner aufgepflanzt habt, 'das in unvergänglichen Zügen die heilige Devise tragen wird: Einheit Gottes! Wahrheit! Gerechtigkeit! Tugend!" D. Ref. 2) Herr Fabius verräth hier, sowie noch an ländern Stellen, eine geringe Kenntniß des Talmud. 3) Darin können leider' die deutschen Juden, obwohl sic 13*