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Der Orient · 1843-03-14 · 11 (14.3.1843) · p. Spalte 173-174

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
11 (14.3.1843)
Article
Politische Literatur [Rezension]
Date
1843-03-14
Page
Spalte 173-174 (sequence 2)
Language
German
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173 Die Juden in Lesterreich, Preußen rc. Von Schirnding. 174 lumne anzugeben, wo dies im Talmud befindlich ist. Aber der Hr. Gr. hat einen starken Beweis, daß der Jude, besonders der orthodoxe, dieser Vorschrift genau nachzustreben sucht, indem seine Sprache für das Wort „Ehrgefühl" gar keine Bezeichnung hat. Wir gönnen uns hier einen Ruhepunkt um diese enorme Thorheic in ihrer- Grandiosität näher zu betrachten. „Seine Sprache" was ist das für eine Sprache?' Wahrscheinlich meint der Hr. Gr. die hebräische; nun diese soll nicht die mindeste. Bezeichnung für Ehrgefühl haben; das sagt der große Hebräer Schirnding. Andere würden sagen, da es ein hebräisches Wort für Ehre und eines für Gefühl giebt, so kann man sie in der hebräischen, eben so gut wie in der deutschen und jeder andern zusammensetzen. Gesetzt aber die hebräische Sprache hätte kein Wort dafür, gälte dies einem Menschen, der noch nicht aller Vernunft Valet gesagt hat, als Beweis, daß der orthodoxe Jude den Nichrjuden drücken will? Auch begreifen wir nicht, warum dieser Beweis gerade dem orthodoxen Juden gelten soll? Hat der orthodoxe eine andere hebräische Sprache als der hetorodoxe? Welche elende Skribelei! Der Talmud, bei dessen Entstehung die Christen noch kaum gekannt waren, soll Haß gegen dieselben lehren?— S. 101 wird der Hr. Gr. wieder die Menschenliebe selbst, und beklagt den Mangel an allgemeiner Bildung und das Vorurtheil, das sich den wohlthätigsten Absichten der Regierung entgegenstellt. Lauter Konsequenz. In der Nachschrift glaubt der Hr. Verfasser seinem Haß noch ein bißchen Luft zu machen, und spricht, um sich bequemer zu machen, im Namen der dem Judenthum feindlich gesinnten Welt, der er das vox populi yox dei als Motto vorzusetzen, füglich findet. Hier schaudere ich zurück vor den empörenden Beschuldigungen, die sich der elende Vers, so leichtsinnig hinzuschleudern erlaubt und jede Herzensfaser erbebt vor Entrüstung. Alle Schlechtigkeit nimmt der Vers, und wirft sie ohne Begründung auf das Haupt der Juden. Was sollen wir dagegen Vorbringen, beweisen daß die Juden nicht aller Zeit Genossen und Hehler der Diebs- und Raubbanden gewesen, oder beweisen, daß es auch zuweilen Christen waren? Sotten wir darthun, daß wir nicht Alles schlechte gefördert, daß es nicht Religion der Rabbinisten ist zu betrügen, zu hehlen .und zu plagen? Daß wir nicht jederzeit Spione im Kriege und Denumianten im Frieden gewesen? Das ist kein Gegner, der mit ehrlichem Waffen kämpft, und mit dem ein Mann, ohne seiner Ehre was zu vergeben, eine Lanze brechen kann, das ist ein Feind, der heimliche Dolche, vergiftete Rappiere nicht zu benutzen scheut; den mag die Schmach und sein Gewissen verfolgen, wir mögen nichts mit ihm zu thun haben. Ein Wicht, der uns der Blutschande zeiht, in der wir jetzt noch leben sollen! Kurz wir müßten die verworfensten Ungeheuer, der Auswurf der menschlichen Gesellschaft, und noch ärger sein als der Hr. Gr. in Wirklichkeit ist. Es laufen wie gewöhnlich unter den Bosheiten auch Eseleien mit unter. So wird uns zur Last gelegt der rebellische Geist, der zu den Zeiten des ersten Tempels unter den Israeliten war, der Verkauf Josephs von seinen Brüdern, und wieder der Kornwucher Josephs; mich nimmt nur Wunder, daß er nicht auch den Sündenfall unseres Erzvater- Adams uns vorgerückt, um zu beweisen, daß kein gutes Haar an uns sei. Die Arbeitsscheu soll die Juden gezwungen haben, Egypten zu verlassen, und diese hat sich noch bisher erhalten. Mit Ausnahme der speeulativen Philosophie hätten die Juden weder in den rationellen Wissenschaften noch in andern Zweigen der Gelehrsamkeit etwas geleistet. Wir sind schon müde die Ignoranz Schirndings aufzuklären, und verweisen ihn nur auf den zweiten Band des kürzlich bei Wigand und Mayer erschienenen Werkes „die Juden in Oesterreich", wo er zu seinem Schrecken die Leistungen der Juden alter und neuer Zeit in allen Fächern des Wissens, in allen Zweigen des Lebens erfahren wird. Was die wohltätigen Stiftungen qnbelangt, so will ich zu den Stiftungen Heines in neuerer Zeit, nicht nur die von Frankel und Gumperz, die Testamente Pintos und Hartewigs von Essen als kleine Beispiele hinzusügen, sondern muß dem Vers, sagen, daß in jeder Gemeinde eine Menge solcher zu finden sind. Ueber die in Hamburgs-Judengemeinde sich befindlichen ist voriges Jahrein ganzes Buch erschienen, wo der Hr. Gr. sogleich eine bedeutende Anzahl finden wird. Dergleichen hat aber jede größere Gemeinde und die Munisicenz der Juden ist selbst von Christen anerkannt worden. Nach so viel Streichen ist es ' nicht mehr auffallend, wenn er noch einen mehr begeht, und die Lüge ausheckt, die Juden verfluchten die Christen in ihren Synagogen, oder vermäßen sich gar den Namen Jesus zu verunglimpfen. Nur bin ich sehr begierig, wie er das weiß, da wir selbst und unsere Gebetbücher (die vielen Christen, besonders denen der Neuzeit, sogar in der Ursprache verständlich sind) nichts davon wissen. Wenn es gilt den Juden etwas Böses aufzubürden, wird auch dem lächerlichsten Gerüchte Glauben geschenkt. Der spanische Minister Mendizabal muß ein Jude sein, um alle Juden für seine Schwindeleien verantwortlich zu machen. Es wäre auch Unrecht ihm seine Freude zu stören, und würde nur von der Insolenz und Anmaßung der Juden zeugen, wce ihre Petition in Magdeburg, wo ihren Bitten, in Schirndingscher Sprache, „ungestüme Forderungen" der Bescheid gegeben, in Schirndingscher Sprache, in die gehörigen Schranken zurückgewiesen wurden. Dies Verbrechen, den König noch vor Erscheinen eines Gesetzes Vorstellungen dagegen zu machen, welches in Preußen an der Tagesordnung ist und von der Regierung fast gewünscht wird (dieselbe pflegt deshalb selbst das Gerücht von ihren beabsichtigten Maaßregeln zu verbreiten, um darüber die Volksstimmung einzuholen), und das auch trotz der so vielen Petitionen nirgend von ihr gerügt wurde, kann der Hr. Gr. blos nicht verzeihen. Er nennt es eine rücksichtslose Niedrigkeit des Juden, daß er sich eine genaue Kenntniß der- Landesgesetze erwirbt. Das ist zwar leider nicht wahr, die wenigsten Juden kennen die Gesetze, nicht einmal die sie selbst betreffenden Judengesetze; doch wenn sie auch den Civileodex Wort für Wort auswendig wüßten, ich sähe gar keine Niedrigkeit darin. Sonderbar was Alles den Juden für Verbrechen angerechnet wird. Wir müssen seine Wortformel aus ihn selbst anwenden, nämlich während sich eine ganze Welt regenerirt hat, wiederholt Gr. Schirnding noch 1842 die aberwitzigen Verla'umdungen, die unsinnigen Lügen eines mittelalterlichen Fanatikers, spricht von einem bei den Juden gesetzlich erlaubten System der Blutschande, spricht von einer verschwägerten Verbrüderung, schreibt er ein ganzes Werk, wovon jede Zeile eine dreifache Thorheit ist, und wovon nur der zehnte Theil zu widerlegen ein groß er Folioband nicht genügte. Ein Mensch, der kein Wort hebräisch versteht, hat die Unverschämtheit niederzuschreiben, ein durchdachtes Studium des Talmud, des Pentateuchs und der Gemara reiche hin um die Gefährlichkeit der Juden zu zeigen. Diese paar Worte reichen hin, um seine Ignoranz ms hellste Licht zu fetzen. Erst Talmud, dann Pentateuch und dann Gemara; der Hr. Gr. weiß wahrscheinlich nicht, daß unter Talmud Gemara schon begriffen ist, und weiß wahrscheinlich nicht, daß die christliche Lehre den Pentateuch zur Basis har. Es war von dem Charakter des Gr. Sch. zu erwarten, daß er sich für die Meinung, die

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