Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1843)
- Article
- Die sächsischen Kammerverhandlungen über die Petition der Dresdner isr. Gemeinde
- Date
- 1843-03-14
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 die Wirkung, welche sich in dem Recht äußere, in das verhaftete 'Grundstück immittirt zu werden, einem solchen Pfandrecht abgesprochen worden, erfolgte die Abstimmung. Der Deputationsvorschlag, diesen Punkt aus sich beruhen zu lassen, fand einstimmige Annahme. Deutschland. Pv^err, im Februar. (Zweiter Monatsbericht). Zuvor habe ich Ihnen, über den Eindruck zu berichten, den die neuesten literarischen Erscheinungen, die allerdings Ihnen nicht sonderlich neu-sein werden, da Sie, im Mittelpunkte der wissenschaftlichen Thatigkeit, uns immer auf eine ganze Zeit voraus sind, auf die jüdischen Einwohner, oder um individuell zu reden, auf mich und meine litecar. Freunde in dieser Provinz gemacht haben. Bruno Dcruer's „Judenfrage" in den deutschen Jahrbüchern nimmt, wenn ich von jenem publicistischen Eindruck, den das Interesse der Tagesliteratuc in Anspruch nimmt, sprechen soll, hier den ersten Platz ein. Eigentümlich ' wurden wir dadurch berührt; wir fühlten uns nun auch von jener Seite verlassen, die den schönen Namen „liberale Partei" führt, und die bis jetzt scheinbar unsere Rechte vertreten. Es kann nicht anders sein, wenn das „liberale" noch eine „Partei" ist, kann sie nur aus Parteilichkeit lideral sein, 'und Bauer hat nun einmal in seiner Partei eine solche Höhe erreicht, daß er in Betreff der Juden, seiner Gegenpartei gegenüber, keine Parteiansichten mehr verfolgt, und so ist in ihm der eingeborene echtbauerische Judenhaß wieder erwacht. Die Herren schlagen sich förmlich um uns, die Einen werfen 'uns immer zur Partei der andern. "Und das har sein Gutes; wir hätten bis jetzt gar oft den Haß, den die Mystiker gegen die Liberalen hegten, diesen mittragen helfen müssen; Juden. für junges Deutschland, Judenjungen für liberale Politiker, jüdische Gelehrte für aufgeklärte Progreßisten wurden als ein pars pro loto genommen, weil die Ansichten der letztern jenen noch am meisten zusagten; die Liebe dieser dagegen, weil wir doch Juden find, haben wir nie in Uebermaß bekommen. So kommt uns denn durch diese offene Demonstration des Rädelsführers der Religionsphilosophischen Coterie, das zu Statten, daß wir mit jenen Glaubensstürmern Nichts gemein haben; fortan gehören wir keiner Richtung zu, da keine Partei aus Princip uns schützt, und mögen vielleicht gerade darum unser Recht vorurteilsfrei wahrgmommen sehen, liebet* den Inhalt der Broschüre dürfte ein Korrespondenz-Artikel nicht der geeignete Ort sein, zu berichten; auch haben sich ja bereits/ wie ich höre, Stimmen dagegen erhoben. Es scheint in diesen Tagen eine Bewegung in den Angelegenheiten' der Juden vor sich gegangen zu-sein.. An die Gemeinde ist der Befehl'ergangen./, die Listen der wahlfähigen und wahlberechtigten Mitglieder zur Wahl von neuen Repräsentanten und Vorsteher binnen 14 Tagen emzureireichen; was, da die Wahl erst zu Ende dieses Jahres vor sich geht, immer sehr auffallend ist. Auch sollen, wie das Gerücht sagt, was ich aber nicht versichern kann, die dem Ministerium im Original übersandten drei *) Gutachten zur Reposition ad acta, der Regierung wieder zugestattet worden sein. — In einer Gemeinde N. N. unserer Provinz brach am vorigen Pessach in, der Synagoge ein heftiger Streit aus, wobei sich die Herren die Kopfe recht blutig schlugen. Der Rabbiner, um die in Folge dessen zu verhängende Strafe zu mildern, erklärte, daß noch ehe der Streit ausbrach in Folge der Gährung, der Gottesdienst bereits schon aufgchört, die Streitigkeiten also nicht gerade'eine Störung des Gottesdienstes herbeigeführt hatten. Allein das Gericht ist auf diese Spitzfindigkeit mit Recht nicht eingegangen; es betrachtete schon die Zusammenkunft als eine Gottesdienst verrichtende, als Gottesdienst; es wollte, so meint wohl jeder, eine solche Entweihung an geheiligter Stätte streng geahndet wissen; aber man höre das Erkenntniß: da demnach die Strafe, welche die Jnculpaten treffen würde, eine sichswöchentliche Arrestirung überschreitet, so sind diese demnach gänzlich zu befreien und die Kosten niederzuschlagem Denn es waren keine christliche Zeugen zugegen, Juden sind aber in selchem Falle nicht glaubwürdig. Von Rechts wegen! Ein Raisonnement darüber wollen wir der Nachwelt überlassen, die an solche Erscheinugen unserer Zeit ihren Verstand zur Erklärung und Würbidigung möge üben wollen. —- Die gefährliche Krankheit des Oberrabdiners Tiktin in Breslau, die er in Folge mannigfacherAergernisse sich zugezygen haben soll, hat bei unfern Frommen eine solche Mißstimmung gegen das Benehmen der Aufgeklärten hervorgerufen, daß man die Aufklärung mit verdammte, und das Mitleiden gegen den unglücklichen Greis, das selbst die Aufgeklärten fühlten, war gerade nicht geeignet, jene Mißstimmung niederzuhalten und ein günstiges Vorurtheil für den Fortschritt zu erwecken. Schritte dieser Art, wie die des B. Vorstandes und ihres Auserwählten, befördern sicher nicht die Aufklärung und den Fortschritt. Daß man auf der andern Seite diesen Grund der Krankheit in Abrede stellt, brauche ich wohl nicht hinzuzufügen.— DerVorstand, das Collegium rc. in Wreszen waren über meine unschuldige Correspondenz so schrecklich ausgebracht, daß man.über diesen Eifer und Ernst erstaunte. Ich hatte diese Geschichte, die man sich hier, erzählte, als ein unbegründetes Gerücht hingestellt; damit also keineswegs den Dr. Gebhard beleidigen wollen. Wenn das Gerücht einfach als unwahr bezeichnet worden wäre, so *) Es sind dies: 1) Das Gutachten des Dr. Hirschfeld, Rabbiners in Wollstein f 2) Das des hiesigen Oberrabbiners Elger und 3) das des Rabbiners M a l b im in Kempen.