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Der Orient · 1843-03-07 · 10 (7.3.1843) · p. Spalte 155-156

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
10 (7.3.1843)
Article
Zur Geschichte der jüdischen Schulen [Rezension]
Date
1843-03-07
Page
Spalte 155-156 (sequence 3)
Language
German
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155 Politische Literatur. Die Juden in Lesterreich, Preußen rc. von Schirnding.1 156 lente und fünften wohlwollenden Sinnes; die ersten Mitglieder des Schulcollegiums waren die Doktoren Marburg und Henschel nebst noch zwei andern, die einen ungemeinen Eifer zu ihrem Amte mitbrachten. Die ersten Lehrer waren: Elcan, Roch, Freund, Cohen, Nathan, Lobethal und C i p h ri. Der schon erwähnte A i m m e r m ann gab unter oemTitel: Nachricht von dem, unter dem Namen Wilhelmsschule zu Breslau errrichteten Z n st i t u t zu (1791) eine ausführliche Beschreibung der Entstehung dieser Schule und unser Vers, giebt eine schöne Schilderung über die Einweibung und erste Einrichtung der Schule. Ueber die spätere Geschichte der Schule, als Veränderungen in den Unterrichtsgegmständen, in dem Lehrerpersonal rc. ,giebt der Vers, verhältnißmäßig nur wenige Notizen und ich glaube, es würde auf die Schule wohlthätig zurückgewirkt haben, wenn die Relation sehr ausführlich ausgefallen wäre. Was wir aber sehr empfindlich vermissen, ist ausführliche biographische Notizen über sammtliche Lehrer und Schulvorstände, genaue Verzeichnisse über sammtliche im Verlaufe von 50 Jahren erschienenen Schulprogramme und Schulschriften mit Angaben des Inhalts jedes derselben, da die erfrcren sehr oft in der Geschichte der jüdischen Literatur, die letzteren für die Wissenschaft wohl manches Interesse haben könnten. Eine Schule, wie die Breslauer Wilheimsschule, sollte sich selbst hoch genug achten, um ihren Lehrern für die Nachwelt ein solches Denkmal zu setzen, sollte mehr Werth auf ihre Leistungen legen, und nicht darüberhin mit Stillschweigen übergehen. Die Hamburger Freischule konnte ihr in der Art, wie die Geschichte einer Schute zu behandeln sei, zum Muster dienen, obgleich auch da noch Manches zu wünschen übrig ist. Ein anderer Umstand, der erwähnt und angeregt zu werden verdient, ist die jährliche Herausgabe eines Programms bei der Einladung zur Prüfung, wie' es schon früher an der Wilhelmsschule gebräuchlich war. Wir dürfen von der Regsamkeit des Hrn. Dr. Francolm wohl erwarten, daß' er diesem Gegenstände einmal seine ungerheitte Aufmerksamkeit schenken wird. Politische Literatur. Die Juden in Oesterreich, Preußen und Sachsen. Ihre allgemeine Stellung, ihre Rechte, Forderungen und Wünsche mir legalen Nachweisen v. Ferdinand Graf Schirnding. 1842. 8. Leipzig bei Volkmar. (Fortsetzung.) Nun fängt der Hr. Sch. mit kecker Stirne an, eine Reihe von Lügen vorzuführen, die, gesetzt sie wären alle wahr, wie sie in Wirklichkeit falsch sind, doch die Gleichstellung der Juden nur um so wünschenswerter machen würden. Denn nehmen wie den Fall an, der Jude habe alle Pachtungen, alle Straßenbauten, alle Lieferungen, den ganzen Woll-, Getreide-, Hornvieh- und Pferdehandel, alle Branntweinbrennereien jrn Händen, sei der Krämer in allen Dörfern und dies mache einen Krösus aus jedem von ihnen, so fragen wir ganz einfach nur auf die Ursache dieser Erscheinung? Warum hat dies Alles nicht auch der Christ? Ist er etwa durch ein Gesetz davon ausgeschlossen, wird er vielleicht von den Behörden unterdrückt, hat er mit Vorurteil, mit Böswilligkeit zu kämpfen, oder ist er in seinen Rechten mehr beschränkt, als der ’ Jude? Nun was glaubt der Hr. Sch., was steht sonst dem' Christen entgegen aus jenen von Sch.' genannten, Reichthumsquellen zu schöpfen? Ja daran hat der Hr. Sch. in feinem nach Wahrheit ringenden, den eigentlichen Grund des Uebels aufsuchenden Streben gar nicht gedacht. Doch ich will ihm meine Meinung sagen: . Der Jude ist im Verhältnisse nichts weniger als reich. Wlos weil er vom Grundbesitze airsgeschossen ist, so ist er genöthigt, sein Vermögen in baarem Gelde zu besitzen, wobei freilich eine kleine Summe sich in tausendfacher Gestalt zeigt. Er hat auch kein Monopol auf die alle genannten Erwerbe, und Christen theilen sich mit ihm in reicher Anzahl daran Der Jude würde aber gar nichts bekommen, wenn er nicht durch billigere und vortheilhaftere Bedingniffe dazu bewegen möchce. Diese kann er nur dadurch stellen, daß er aufmerksamer, fleißiger > besonders aber mäßiger, spar- und genügsamer ist. Wenn nur die unentbehrlichsten Bedürfnisse gedeckt sind, so stellt er sich hinhänglich zufrieden. Er verpraßt sein Geld nicht im Fressen und Schlemmen, vom Spiel und Trunk hält er sich ferne, denn nur durch dieses moralische Uebergewicht vermag er dem physischen der Christen die Wage zu halten. Das ist die einfache Erklärung des sonst mirakelhaften Meteors. Daß die Nichterfüllung der Pflichten die Ursache von dem zu erwartenden muthmaßlich befchränktern Judenedikt in Preußen sei, ist eine schändliche ihren Verbreiter als niederträchtigen Verläumder brandmarkende Lüge. Die Negierung hat nie und nirgend diesen Grund, wohl aber einen ganz andern angegeben. Einen Gesinnungsgefährten hat der Hr. Sch. gefunden, der ihm zur Ehre gereicht; es ist ein gewisser Theodor Brand. Der einzige von ihm schamloserweise niedergeschriebene Satz: „Es ist in der Christenheit ein krankhafter Auswuchs, dieser Auswuchs heißt; „Humanität", charakterisirt ihn hinlänglich. Hat Christus gesagt, fragt der Hr. Sch., ihr sollt körperlich nicht arbeiten, sollt nur herumziehen, Handel und Wandel treiben, den'Schwächern bevortheilen, und die Stärker» überlisten? D. h. also ungefähr , die Juden thun dies Alles. Nach den Worten des Hrn. Sch. zu schließen, muß die sammtliche Christenheit aus eitel Dummköpfen bestehen, die sich von den einzig und allein mit-Verstand begabten Juden bei der Nase herumsühren lassen. Wie käme es sonst, das jene, die mit allen Prärogativen versehen, durch ihre Masse, durch ihre Institute beit Juden überlegen sind, dennoch von ihnen übervorrheilt und überlistet werden? Der Hr. Sch. entblödet sich nicht, solche lächerliche Räthsel in die Welt hineinzuschleudern, ohne auf deren Lösung'zu denken. Wir wollen noch einen andern Weg versuchen, um ihm seinen Unsinn begreiflich zu machen. Das wird der Hr. Sch. wohl zu geben, daß in der Regel jeder Jude oder Christ, Bauer oder Graf auf seinen Vortheil bedacht ist, und auch bedacht sein soll, jeder sich die Mühe seines Lebensunterhaltes, so weit es ohne seinen Nachtheil geschehen kann, erleichtert und den Erwerbzweig wählt, der ihm der einträglichste scheint. Ich stelle nun die Alternative, entweder der Handel und die jüdische Erwerbsweife wirft einen größern Gewinn ab als die christliche, oder nicht. Im ersten Falle bleibt es unbegreiflich, warum der Christ nicht dieselben Erwerbszweige ergreift-- im zweiten Falle fällt doch wieder jede Beschuldigung und Anklage von

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