Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 10 (7.3.1843)
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Schulen [Rezension]
- Date
- 1843-03-07
- Page
- Spalte 153-154 (sequence 2)
- Language
- German
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154 153 Zur Geschichte der Len die Redner, so schmeichelhaft die Aufforderung auch war, nur eine einzige in dieser .Einladung ausgenommen, um nur für den geschichtlichen Zusammenhang der Schule eine angenehme Rückerinnerung und ein Verbindungsglied zwischen Vergangenheit und Zukun ft durch die Gegenwartzu bilden. Diese eine Rede aber, worin das Wesen der Schule mit solchen ergreifenden und hinreißenden Worten, mit solchen erquickenden Frühlingsfarbm gezeichnet ist, macht auch noch jetzt die Leser in den fernen Kreisen sehr begierig darauf, auch die anderen zwei Festreden zu besitzen. Auf die Festrede folgt in gewohnter Weise die Fortsetzung des Berichts und die Relation über das Wichtigste, was seit jenem Lage für die Anstalt sich ergeben, und zwar ln folgender Anordnung: 1. Geschenke und Spenden, (Heils in Hamburg selbst, rheils aus London und sogar aus Brasilien, welche sehr reichlich flößen. 2. Jährliche Contribuenten. 3. Legate oder Vermächtnisse für die Anstalt, zum ewigen Gedächtnis; 'ihrer Stifter. Solche Legate sind der Anstalt zugefallen von den in den Annalen der Schule unvergeßlichen Salomon Heiman Levy, Herr mann Salomon und Nathan Behrens» Aber nicht blos diese Namen, sondern auch die Namen der Geschenkgeber und der Contrüuenten verdienen der Erwähnung und der Hochachtung und ich verweise daher die Leser dieses Blattes in den entferntesten Kreisen auf diese durch den Buchhandel zu habende Einladung, um eine Anschauung von der Mildthätigkeir der Hamburger Israeliten zu haben. Hierauf folgt die Schilderung über das innere Leben der Schule, und zwar nach einer allgemeinen Betrachtung in folgender Ordnung: 1. Die Direktion. Hr. Dr. S. Hahn schied aus, und dessen Stelle nimmt jetzt Dr. M. Unna ein. Die sämmttichen Mitglieder sind jetzt: E. Michaelis, Dr. E. S. Nathan, Benny Mainzer, Gustav Hertz, W. D. Hertz und Dr. Unna. 2. Das Lehrer-Collegium. 3. Unternchtsgegenstände nach den Klassen. 4. (wofür ö gedruckt ist) Schüler- Personal und Klaffen-Bestand. 5. Bibliothek. Wir können diese Anzeige mit keinem bessern Wunsche schließen, als mit dem des unermüdlichen Dr.K l e y, „daß es der Schule auch im zweiten Stadio ihres Lebens von Außen her nicht an Ermunterung fehlen, im Innern aber der gute Geist heimisch werden und bleiben möge, der da ist ein Geist der Einsicht und Weisheit, ein Geist dev Erkenntniß und der Gottesfurcht, ein Geist des höhern Bewußtseins und eines freudigen, beharrlichen Strebens nach Vollendung." 3. Die RechtsverhätLnisse der öffentlichen israelitischen Schulen im Großherzogthum Waden, dargestellt in emerSammlung der darauf bezüglichen Gesetze und Verordnungen. Aus Auftrag des großh. Oberralhes der Israeliten herausgegeben von Oberath. Epstein. Karlsruhe, 1842. 8. Bielefeld. Dieses Schriftchen wurde im LB. Nr. 7. unter der Rubrik „Schulliteratur" angezeigt, so daß hier nur darauf verwiesen zu werden braucht/ Es wäre sehr zu wünschen, daß nicht blos die Nechtsverhältnisse, sondern auch eine ausführjüdischen Schalen. liche Geschichte der israelitischen Schule in Baden von dem Oberrath veranstaltet werden möge, da wir, wie bekannt, über einen Ueberfluß an dergleichen historischen Arbeiten nicht zu klagen haben. 4. Zur Geschichte der Königlichen Wilhelmsschule. Zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums dieser Anstalt am Io». März, Vormittags 11 Uhr ladet ergebenst ein Dr. I. A. F r a n c o l m, erster Inspektor und Oberlehrer. Breslau, 1841. 8. M. Friedländer. Dieses bald zwei Jahr alte historische Schriftchen würde hier schon deshalb eine Anzeige verdienen, um es neben den bereits erwähnten den Lesern des Oriens anzuempfehlen; aber auch die treffliche historische Skizze an sich, abgesehen von dem Kreise der Schriften, zu welchen es gehört, verdient alle Beachtung, und nicht blos eine flüchtige Eorrespondenten- Relation, wie wir sie im Orient früher gegeben. Fast alle israelitische Schulen Deutschlands, die eine Fülle von Segen, Bildung und Intelligenz unter den deutschen Juden verbreiteten und noch verbreiten, sind nur jüngere Schwestern der „Wilhelmsschule in Breslau", und eine ausführliche Geschichte derselben müßte nicht nur in der Geschichte des jüdischen Schulwesens, sondern auch in der jüd. Kulturgeschichte seit Mendelssohn eine bedeutende Lücke ausfüllen. Es ist zu bedauern, daß Hr. Francolm bei Gelegenheit des 50jährigen Jubiläums sich nicht zur Bearbeitung einer ausführlichen Geschichte dieses Instituts entschlossen, und zwar um so mehr als die neueste Zeit in uns eine'Sehnsucht nach historischen' Arbeiten, einen Heißhunger nach geschichtlichen Darstellungen, wie nach langen Fasten, nährt, und der würdige formgewandte Francolm durch seine vielfachen Arbeiten hinlänglich bewiesen, daß er eher als irgend Einer zu einer solchen Arbeit berufen ist. Jndeß wollen wir auch diese uns gebotene historische Skizze dankbar aufnehmen und ein kurzes Resume derselben den Lesern des Orients zur Empfehlung mittheilen. - > Mit der geregelten Gemeindcversassung wurde in der Breslauer Gemeinde die Aufmerksamkeit auf das jüdische Schulwesen gerichtet; denn in Zeiten des Druckes und der Unsicherheit kann der Geist sich nicht zur Schöpfung freier und bildender Institutionen erheben. Der in Schlesien dirigirende Kriegsminister Graf von Hoym entwarf das erste Reglement, welches die Verfassung der Gemeinde bestimmte und Friedrich Wilhelm II. genehmigte den Entwurf und erließ am 20. Mai 1790 ein Edikt zur Verbesserung der Juden in Breslau; dieses Edikt befahl schon die Errichtung einer öffentlichen Lehranstalt für die jüdische Jugend. Zimmermann, der damalige Calculator und Assessor bei der Iudengememde, spater Geheimer Regierungsrath, wurde mit der Einrichtung beauftragt, der Prorektor Schimmel entwarf einen Schulplan und dm 15. März 1791 wurde die Anstalt eröffnet. Der erste Oberlehrer der Anstalt war Joel Löwe, ein Mann von gediegenen Kenntnissen, ausgezeichnetem Lehrta-